Julia Jäkel und Kai Diekmann: Ihre Antworten auf die Krise

 

kress pro zeigt in der aktuellen Ausgabe, wie Medien jetzt wieder auf die Beine kommen. Mit welchen Ideen 17 Führungskräfte wie G+J-Chefin Julia Jäkel und Storymachine-Gründer Kai Diekmann auf die Krise reagieren. 

1. Wie motivieren Sie jetzt Ihre Mitarbeiter, Frau Jäkel?

Julia Jäkel: Ich erlebe ein Haus, das rasant in den neuen Modus umgeschaltet hat. Klar, auch für uns steht einiges auf dem Spiel. Einige Anzeigenkunden bewerben ihr Produkt nicht, weil sie zurzeit vielleicht gar keines mehr haben. Verkaufsstellen etwa an Bahnhöfen oder Flughäfen mussten schließen. Umgekehrt nutzen wir auch Chancen: Die Menschen suchen hochwertigen aktuellen Journalismus, Anregung und auch Unterhaltung; es zeigt sich, dass gerade die klassischen Medien in der Krise besonderen Zuspruch erfahren, im Abo, im Supermarkt am Zeitschriftenregal, digital. Das motiviert alle, die in einem so großen, vielfältigen Verlag arbeiten. Und es verbindet.

G+J arbeitet seit Mitte März beinahe komplett aus dem Homeoffice. Viele Tausend Menschen! Wir spüren in dieser Zeit noch mehr als sonst, wie sehr wir uns aufeinander verlassen können und wie gut wir uns kennen. Das macht uns stärker, trotz allem, und das ist das wirklich Schöne in dieser fordernden Zeit, das mich am Abend zuversichtlich einschlafen lässt. 

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8. Sollten Medien in einer Situation wie dieser immer die ganze Wahrheit schreiben, Herr Diekmann?

Kai Diekmann: Mich stört der Begriff "ganze Wahrheit", weil Wahrheit subjektiv ist und unsere Berichterstattung immer nur einen Teil davon widerspiegelt: Wir berichten über den Absturz eines Flugzeugs, nicht aber über die vielen tausend sicheren Landungen. Im Übrigen schreiben Journalisten häufig nicht die "ganze Wahrheit". Wir haben dafür sogar ein Regelwerk entwickelt: Ein Politiker oder eine Behörde gibt uns "unter drei" eine Information, die nicht zur Veröffentlichung vorgesehen ist, aber dabei hilft, die Lage besser einzuschätzen. In der aktuellen Situation rate ich dazu, neben dem Interesse der Leser an einer bestimmten Veröffentlichung deren mögliche Wirkung zu bedenken, weil die Gefahr der sich selbst erfüllenden Prophezeiung besteht. Während der Finanzkrise lagen uns bei "Bild" interne Informationen von Banken vor, wonach an Bankautomaten überproportional viel Geld abgehoben wird. Die Schlagzeile "Wird jetzt das Bargeld knapp?" haben wir trotzdem nicht gemacht. In der "FAZ" hätte eine solche Geschichte aber womöglich eine weniger gravierende Wirkung gehabt als in "Bild". Man muss also von Fall zu Fall entscheiden. Meine Nachfolger bei "Bild" beneide ich nicht - sie sitzen derzeit zwischen allen Stühlen.

Wie kommen wir da durch? Welche Antworten 17 Medienprofis (u.a. auch Anna-Beeke Gretemeier, Kai Sturm, Florian Harms, Olaf Schröder, Sebastian Turner) auf die Krise haben.

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kress pro - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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