Warum tina-Chefredakteurin Sabine Ingwersen eine Hamburger Lungenärztin aufs Cover holt

 

Die Bauer-Frauenzeitschrift tina hat für die aktuelle Ausgabe mit Yvonne Müller eine der vielen Alltags-Heldinnen im Kampf gegen den Corona-Virus aufs Cover geholt. Chefredakteurin Sabine Ingwersen erläutert die Hintergründe für ihr gedrucktes Danke und verrät, was ihr und der Redaktion Zuversicht gibt.

Die 47-jährige Yvonne Müller ist Hamburger Lungenfachärztin und zweifache Mutter. Im Heft berichtet sie von ihrem radikal veränderten Alltag seit Mitte März - etwa vom Ansturm der Hilfesuchenden, von den Sorgen ihrer lungenkranken Stammpatienten, der wachsenden Zahl von Infizierten in der Praxis, der ausgehenden Schutzkleidung, der Sorge ihres Team, sich zu infizieren, aber auch von der wachsenden Routine im Umgang mit der Epidemie. "Ich bin Ärztin geworden, um zu helfen", sagt Müller, in der tina. "Nie war mir bewusster als heute, dass das die richtige Entscheidung war."

Die von Sabine Ingwersen geführte Redaktion will sich mit Heft 17, das am Dienstag erscheint, bei all denen bedanken, die in der aktuellen Krise die Gesellschaft zusammenhalten und für die Gemeinschaft einstehen, heißt es bei Bauer in Hamburg.

Dazu lässt die tina auch ein Aktionsposter drucken, mit denen die Leserinnen aufgefordert werden, "den Heldinnen und Helden" in ihrer Umgebung zu danken. "Jeder Pflegerin, Ärztin, dem Busfahrer, den Frauen und Männern an der Käsetheke und in der Bäckerei, den Ehrenamtlichen", heißt es dazu in der Zeitschrift. "Allen, die dafür sorgen, dass die Corona-Krise für uns menschlich bleibt, sagten wir Danke schön."

Wofür sind Sie aktuell besonders dankbar? 

Sabine Ingwersen: Noch nie hat sich für mich Vertrauen als so großer Schatz erwiesen. Von Anfang an war dieses Wort für mich und viele andere ein sicherer Hafen. Und zugleich auch der Motor, weiterzumachen. Auch wenn das nicht immer für alle einfach war und ist. Vertrauen in die Regierung, die Vernunft der Menschen, der Gemeinschaft und damit in die Gesellschaft, Vertrauen in die Menschen um mich herum und Vertrauen in mich. Beruflich kann ich sagen: Mein sensationelles Team und ich sind daran gewachsen.

"Noch nie waren Menschen so einsam und zugleich so gemeinsam."

Wie verändert Corona gerade unsere Gesellschaft? 

Sabine Ingwersen: Was wird sein, wenn die Gesichtsmaske endlich in die hinterste Schublade gewandert ist? Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das tiefe Zutrauen in die Kraft des gesellschaftlichen Handelns uns auch in Zukunft begleitet. Noch nie waren Menschen so einsam und zugleich so gemeinsam.

Welche positiven Veränderungen sollten wir über die Krise hinaus retten? 

Sabine Ingwersen: Einzig und allein jeder einzelne entscheidet, was sich zum Positiven entwickeln kann. Ich für mich weiß, dass ich noch viel mehr Zuhören werde. Abwarten, nachdenken, lernen. Es gibt nicht die eine Wahrheit. Wahrscheinlich ist es uns mit der Situation Corona allen so gegangen. Wir sind keine Experten. Ich persönlich habe mich ertappt, dass sich meine Meinung wie ein Fähnchen im Wind täglich etwas veränderte. Eines ist sicher, in Krisen, in unbekannten Situationen, hilft es ruhig zu bleiben.

Hintergrund: Die wöchentliche Frauenzeitschrift tina wird von der Bauer Media Group seit 1975 herausgegeben. Sie erreichte zuletzt laut IVW 4/2019 eine verbreitete Auflage von 281.056 Exemplaren un rund 2,55 Mio Leser laut MA. Chefredakteurin ist seit 2011 Sabine Ingwersen, die zuvor unter anderem für Bild der Frau, Frau von heute sowie Frau im Spiegel gearbeitet hatte.

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