Ranking: Die 20 mächtigsten Strippenzieher in den Medien

 

Wer beherrscht die Medien? kress pro präsentiert in einem Ranking die 20 mächtigsten Strippenzieher - und zehn, die man künftig auf der Rechnung haben sollte.

Wer beherrscht die Medien? Diese Frage lässt sich heute nicht mehr nur mit ökonomischen Kennziffern beantworten. Medienpolitische Rahmenbedingungen spielen in einer Branche im Umbruch eine wichtige Rolle.

Doch wer sind hier eigentlich die wesentlichen Akteure - auch über die deutschen Grenzen hinaus? Wer agiert vorne auf offener Bühne und wer lieber unerkannt im Hintergrund? - Wie stellt sich das Feld nach dem Auflaufen neuer, internationaler Player neu auf?

Werden alte Abgrenzungen eingerissen oder verwischen zumindest angesichts des Wettbewerbs mit internationalen Großkonzernen wie Google, Apple, Facebook oder Amazon - um nur einige zu nennen? Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben überhaupt noch Bund und Länder, wo spielt die Musik längst in Brüssel?

Welchen Einfluss haben die Parteien und welchen die etablierten Medien und ihre Verbände und Organisationen?

Derart viele unterschiedliche Parameter lassen sich kaum wissenschaftlich erheben. Daher müssen Zuordnung und Bewertung in diesem Ranking notwendigerweise subjektiv ausfallen.

Ranking: Die 20 mächtigsten Strippenzieher

1. Margrethe Vestager, EU-Kommissarin für Wettbewerb & Digitales

Sie hat mit ihrer Generaldirektion Wettbewerb mehr als doppelt so viele Kartellstrafen verhängt wie ihr Amtsvorgänger und scheut auch vor den großen neuen Playern aus dem Silicon Valley nicht zurück. Die "Welt" ernannte sie prompt zur "Angstgegnerin" Nummer 1 von Google, Amazon, Facebook & Co. Für das internationale "Time Magazin" ist sie "Google's worst Nightmare". Denn in ihren mittlerweile sechs Jahren im Amt hat sie sich längst nicht nur in Europa als engagierte Kämpferin gegen wettbewerbsfeindliche Geschäftsmodelle und die Steuervermeidungstaktiken der großen US-Konzerne bewährt. Für Google hatte das seinen Preis: rund 8 Milliarden Dollar allein in den vergangenen zwei Jahren. Dabei scheut sie auch keine Auseinandersetzung mit ihren Kommissionskollegen. Schon dem ersten EU-Digitalkommissar Günther Oettinger hatte sie die Stirn geboten, als der mal eben den Zusammenschluss mehrerer europäischer Telekom-Riesen durchwinken wollte. Mit Antritt von Ursula von der Leyen als Kommissionspräsidentin Ende 2019 wurde Vestager im Nebenjob jetzt selbst für die digitale Wirtschaft verantwortlich und ist eine der Kommissions-Vizepräsidentinnen. Damit ist die Politikerin der linksliberalen dänischen Partei Radikale Venstre aktuell die wohl wichtigste Person auch der europäischen Medienpolitik. Und wer die Pfarrerstochter aus Westjütland je erlebt hat, weiß: Mit ihr gibt es keine faulen Kompromisse.

Warum sie in der Liste ist: Niemand bietet den GAFA-Konzernen so überzeugend die Stirn wie die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

2. Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei NRW (CDU)

"Nathanael wer?", fragten viele medienpolitische Stimmen außerhalb von NRW im Sommer 2017, als der heute immer noch nicht 35-Jährige nach dem Wahlsieg von Schwarz-Gelb in NRW den Chefposten der Düsseldorfer Staatskanzlei übernahm. Liminski war schon seit 2014 CDU-Fraktionsgeschäftsführer im Landtag sowie Büroleiter seines Mentors Armin Laschet. Aber die Medienpolitik brach dann doch eher ungeplant über ihn herein: Nachdem das öffentliche Gemoser an der Berufung von Funke-Gesellschafter Stephan Holthoff-Pförtner überlaut wurde, gab der das Ressort Medien schnell wieder ab. Und Liminski musste ran. Für die CDU in NRW ein Glücksgriff: Liminski schafft es, klare Standortpolitik für NRW zu machen und dabei die Interessen der Verlage, der privaten Rundfunkveranstalter und der Öffentlich-Rechtlichen geschickt auszutarieren. Profitiert hat davon bislang vor allem der NRW-"Heimatsender" WDR. Als Liminski die von der rot-grünen Vorgängerregierung verhängten Werbebeschränkungen für die Radio-Wellen des WDR wieder aussetzte, blieb die Kritik der privaten Konkurrenz ziemlich verhalten. Fettnäpfchen lässt der dem konservativ-katholischen Flügel der CDU zugerechnete Liminski bislang aus. Beim "Oma-Gate", der Posse um ein vom WDR umgedichtetes Kinderlied, mit dem angeblich jede Seniorin zur "Umweltsau" abgestempelt wurde, überließ er Spott wie Rampenlicht seinem Chef Armin Laschet - und WDR-Intendant Tom Buhrow.

Warum er in der Liste ist: Nathanael Liminski vereint kluge Standortpolitik in NRW mit übergeordneten Interessen. Vielleicht ja bald auch in Berlin.

3. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Springer, Präsident BDZV

Mathias Döpfner spielt seit 2016 eine nicht zu unterschätzende Doppelrolle: Am Vorstandschef der Axel Springer SE kam schon vorher niemand medienpolitisch vorbei. Seit vier Jahren präsidiert Döpfner parallel die nicht ganz einfache Zunft der Zeitungsverleger. Doch das Misstrauen, das ihm anfangs entgegenschlug, hat sich längst weitestgehend gelegt: Nein, Springer spannt den Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger nicht vor den eigenen Karren. Döpfner schafft es vielmehr, diverse Kühe vom Eis der Medienpolitik zu holen, ohne selbst überdeutlich in Erscheinung zu treten. Auch das zeugt von einer klugen Strategie und gesundem Sinn für Prioritäten. Nur im gefühlt ewigen Zwist mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten, genauer gesagt mit der ARD und tagesschau.de, ließ er sich's nicht nehmen, die Einigung höchstselbst zu verkünden. Im Sommer 2018 saßen da Medienpolitik, Intendanten und der BDZV-Präsident, um das Kriegsbeil zu begraben. Eine gewisse persönliche Affinität zwischen den beiden Alphatieren Döpfner und BR-Intendant Ulrich Wilhelm, der das Amt des ARD-Vorsitzenden bekleidete, dürfte nicht unwesentlich geholfen haben. Und auch der erzielte Kompromiss spricht Döpfners Sprache: Die für künftige Streitfälle eingerichtete Schlichtungsstelle wurde noch kein einziges Mal angerufen. Nun will Döpfner den BDZV noch stärker öffnen für publizistische Online-onlyAngebote und digitale Start-ups.

Warum er in der Liste ist: Ernsthaft jetzt? Weil niemand so überzeugend die Sache der klassischen Verlage vertritt und nebenbei sein Haus komplett auf Digital umstellt.

4. Nick Clegg, Vice President Global Affairs and Communications Facebook

5. Malu Dreyer, Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz, Vorsitzende Rundfunkkommission

6. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts

7. Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales (SPD)

8. Wolf Osthaus, Director Public Policy Netflix

9. Ulrich Wilhelm, Intendant Bayerischer Rundfunk

10. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien Hamburg (SPD)

11. Christian Lindner, Vorsitzender der FDP

12. Oliver Schenk, Staatsminister für Medien und Chef der Staatskanzlei Sachsen (CDU)

13. Thomas Bellut, ZDF-Intendant

14. Wolfram Winter, Kommunikationsberater

15. Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender Bertelsmann, CEO RTL Group

16. Christoph Fiedler, Geschäftsführer Europa- und Medienpolitik VDZ

17. Helmut Verdenhalven, Leiter Medienpolitik BDZV

18. Philipp Welte, Vorstand Medienmarken National von Hubert Burda Media

19. Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien

20. Daniela Beaujean, Geschäftsführerin Vaunet

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