Ex-FAZ-Herausgeber D'Inka: Die Kritik an der Corona-Berichterstattung ist lächerlich

20.04.2020
 

"Von akademischer Seite hagelt es wuchtige Kritik an 'der' Corona-Berichterstattung 'der' Medien. Leider taugt sie nicht viel, jedenfalls nicht in ihrer Pauschalität", sagt Ex-FAZ-Herausgeber Werner D'Inka. Was er "den" Medienforschern aufs Brot schmiert.

"Medienkritik tut not und gut, aber gerade wer eine wache wissenschaftliche Begleitung des Journalismus für berechtigt und notwendig hält, darf erwarten, dass sie sich auf den Gegenstand einlässt, den zu kritisieren sie vorgibt", schreibt der ehemalige Herausgeber in einem Kommentar in der FAZ (Samstagsausgabe). Wer jedoch wie Claus Eurich, emeritierter Professor für Kommunikation und Ethik an der TU Dortmund, in der Corona-Berichterstattung nichts als ein "Systemversagen des Journalismus" sehe, melde sich ab.

Auch die meisten anderen Mängelrügen von "Medienforschern" dieser Tage gingen ins Leere, so D'Inka. Zum Beispiel der Vorwurf, die angebliche Alternativlosigkeit des Shutdown werde nicht vom Kopf auf die Füße gestellt? D'Inka empfiehlt als einen von vielen Beiträgen den Essay von Marc Beise in der Oster-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung.

Ja, es gebe seit einigen Wochen eine thematische Monokultur in der Berichterstattung, aber ist das eine Deformation des Journalismus, oder entspricht es nicht vielmehr dem Aufmerksamkeitsmuster des Publikums, betont D'Inka. "Die Empörung der Medienwissenschaft kann man sich ausmalen, wenn das Fernsehen in dieser Zeit keine Sondersendungen brächte, sondern nach den Nachrichten zum "Traumschiff" umschaltete."

Hören lasse sich der kritische Hinweis, seit Wochen träten immer die gleichen Experten und Politiker in der Corona-Berichterstattung auf. Andererseits sei es in der Virologie eben wie in der Medienwissenschaft, auch da gebe es Vertreter, die mehr zu sagen hätten, das Gehör verdiene, als andere - und in der Stunde der Exekutive beeinflussten die Regierenden den Alltag der Leser und Zuschauer nun einmal stärker als die Opposition, die deswegen aber nicht mundtot gemacht werde, kontert D'Inka.

Geradezu grotesk sei die Rüge, "die" Medien nähmen die Einschränkungen von Grundrechten hin wie Lämmer, die zur Schlachtbank geführt würden. "Nirgends wird die abwägende Debatte darüber, was gerade noch hinzunehmen sei, und auch das nicht auf Dauer, seriöser geführt als in 'den' Medien, und beileibe nicht nur von Gastautoren. Lesen und sehen die Medienkritiker das nicht?", wird D'Inka deutlich. Und erinnert sich an Helmut Reitze, den früheren Intendant des Hessischen Rundfunks. Er pflegte Beschwerdeführern über angebliche blinde Flecken in der Berichterstattung zu antworten: "Nicht alles, was Sie nicht gesehen haben, haben wir nicht nicht gesendet."

Zur Person: Werner D'Inka kam 1980 zur FAZ. Bis 1986 war er im Ressort "Tele-FAZ" tätig, an der ersten Nachrichtensendung im deutschen Privatfernsehen arbeitete er 1984 als Redakteur mit. Nach dem Wechsel zur gedruckten Zeitung wurde er 1991 deren Chef vom Dienst; am 1. März 2005 Berufung in das Herausgebergremium. Ende März 2020 ist D'Inka nun in den Ruhestand gegangen. Sein Nachfolger als FAZ-Herausgeber ist Carsten Knop.

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