Wie tickt die neue SZ-Chefredakteurin Judith Wittwer?

 

Sie kann eine Redaktion zusammenhalten - und das ist in München künftig gefragt. Markus Wiegand hat sich in seiner aktuellen kress pro-Kolumne mit Judith Wittwer, der künftigen SZ-Chefredakteurin, befasst. 

Mitten im Corona-Taumel meldete die "Süddeutsche" ("SZ") einen erfolgreichen Transfer. Judith Wittwer, Chefredakteurin des traditionsreichen "Tages-Anzeigers" aus Zürich, wechselt nach München. Auf den ersten Blick wirkt die Personalie schlüssig: Eine Frau mit reichlich Führungserfahrung leitet künftig mit Wolfgang Krach die Redaktion und ersetzt Kurt Kister, der sich auf die Rolle als Autor zurückziehen soll.

Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Personalie für die "SZ" nicht ohne Risiko ist, denn in Wahrheit ist es für Wittwer der erste Job in oberster Flughöhe. Dazu muss man wissen, dass der Schweizer Tamedia-Konzern, in dem der "Tages-Anzeiger" erscheint, seit Jahren eisern spart und daher einen gemeinsamen Mantel für seine deutschsprachigen Titel unterhält. Und der wird von Arthur Rutishauser geleitet. Böse Zungen vergleichen den Job Wittwers als "Tages-Anzeiger"-Chefin daher eher mit dem einer Ressortleiterin und nicht mit der Tätigkeit, eine überregionale Marke zu führen.

Einfach wird die Aufgabe in München für Judith Wittwer nicht. Ohne eine Hausmacht muss sie sich künftig neben dem machtbewussten Krach behaupten und die anspruchsvolle Redaktion für sich einnehmen. Digitalchefin Julia Bönisch wurde im Konflikt zwischen Print- und Onlineredaktion aufgerieben und verließ im vergangenen Sommer entnervt das Haus. Daraus haben die Herausgeber jetzt die Konsequenzen gezogen. Künftig soll die Redaktionsleitung ohne getrennte Zuständigkeiten für die gedruckte Ausgabe und für die digitalen Inhalte zuständig sein. Hier könnte Wittwer ihre Stärken einbringen. Sie gilt als umgängliche Führungsfrau, die über die Fähigkeit verfügt, nach innen zu integrieren. In der "Tages-Anzeiger"-Redaktion, die ebenfalls durch komplizierte Binnenverhältnisse geprägt ist, gelang ihr dies jedenfalls ganz gut, berichten Kollegen.

Publizistische Großtaten in eigener Sache wie von Vorgänger Kurt Kister sind von ihr dagegen nicht zu erwarten. Zwar kommentiert sie gelegentlich das Zeitgeschehen in der Schweiz, viel Gewicht hatte ihr Wort dabei aber bisher nicht.

Wem gehört eigentlich die "Zeit"? Hat Julian Reichelt Stress mit seiner Redaktion? Wie lange wird es die "Welt" noch geben? Was ist Statista wert?

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