Miriam Meckel über die Krise: Wie Führungskräfte dem grauen Nashorn begegnen

24.04.2020
 

"Es macht einen großen Unterschied, ob man einen schwarzen Schwan oder ein graues Rhinozeros vor sich hat - nicht nur was die akute Gefährdung des eigenen Lebens angeht", schreibt Miriam Meckel in einem Gastkommentar zur Coronakrise. Was sie Führungskräften an die Hand gibt.

"Die US-Autorin Michele Wucker beschreibt das Rhinozeros als Phänomen, das die Gefahren unserer Zeit verkörpert. Wer hinsieht, erkennt es. Dafür muss man den Blick schulen, aber auch die innere Bereitschaft, die notwendigen Schlussfolgerungen zu ziehen und die richtigen Entscheidungen zu treffen", so Miriram Meckel im Handelsblatt.

Um auf das Rhino vorbereitet zu sein, bedarf es laut Meckel einiger Führungs- und Entscheidungskompetenzen, die in Krisenzeiten besonders wichtig werden: "Gibt es jemanden, den man hinzuziehen kann, um vertrauensvoll miteinander zu reden und Entscheidungsszenarien durchzuspielen? Gibt es jemanden im Team, der einem sagt, was man selbst nicht hören möchte, aber unbedingt hören sollte? Und ist das eigene Team, das in die Entscheidung einbezogen wird, divers genug, um die Entscheidungswege aus unterschiedlichen Richtungen zu denken und auf die Probe zu stellen?"

Wer sich in einer Führungsposition diese Fragen mit "Ja" beantworten könne, sei gut vorbereitet, um dem grauen Rhinozeros ins Auge zu sehen. Wer noch immer glaube, Führung äußere sich am eindrucksvollsten durch einsame despotische Entscheidungen in einem Festakt der eigenen Großartigkeit, werde das Horn des Tieres alsbald zwischen den eigenen Rippen zu spüren bekommen.

"Das Problem ist: Hat das Rhino erst einmal Schwung genommen, fegt es nicht nur die blinde Führungskraft hinweg, sondern auch viele Menschen, die ihr anvertraut sind. So gehen Unternehmen unter oder ganze Wirtschaftszweige brechen ein, wie es in der Finanzkrise ab 2008 zu erleben war. [...] Vielmehr dachten viele Beteiligte, sie könnten auf dem Rhinozeros mit vollen Taschen und in einem Vakuum der Verantwortungslosigkeit in die Abendsonne reiten. So entstehen aus Führungs- und Entscheidungskrisen systemische Risiken", betont Meckel im Handelsblatt.

Zur Person: Prof. Dr. Miriam Meckel ist die Gründungsverlegerin von ada, der Plattform für das digitale Leben und die Wirtschaft der Zukunft, bei der Handelsblatt Media Group. Zuvor war sie seit 2014 Chefredakteurin und seit 2017 Herausgeberin der WirtschaftsWoche, Deutschlands wichtigstem Wochenmagazin für Wirtschaft in Düsseldorf. Seit 2005 ist Miriam Meckel Professorin für Corporate Communication der Universität St. Gallen in der Schweiz. Sie war mehrere Jahre sowohl Faculty Associate am Berkman Klein Center for Internet & Society als auch Visiting Professor an der Singapore Management University. Miriam Meckel erhielt unter anderem den Cicero-Rednerpreis in der Kategorie Wissenschaft, veröffentlichte zahlreiche Bücher, wissenschaftliche Zeitschriftenbeiträge und journalistische Artikel.

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