Welche E-Mails Christian Drosten noch mehr beunruhigen als Morddrohungen

28.04.2020
 

Der Virologe Christian Drosten, der auch durch den NDR-Info-Podcast "Coronavirus Update" populär wurde, hat in einem Interview mit dem Guardian über Reaktionen auf seine Äußerungen zur Coronakrise gesprochen.

Viele Deutsche würden in ihm einen "Bösewicht" sehen, der die Wirtschaft zerstöre, sagt Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité in einem Interview mit dem britischen Guardian. Er bekomme Morddrohungen, die er an die Polizei weiterleite. Noch beunruhigender seien für ihn aber andere E-Mails, die von Leuten kämen, "die sagen, dass sie drei Kinder haben und sich Sorgen um die Zukunft machen", so Drosten. "Es ist nicht meine Schuld, aber das sind die, die mich nachts wachhalten."

Die derzeitige Situation in Deutschland bezeichnet Drosten im Guardian-Gespräch als "Präventionsparadox": Mit frühzeitigen Maßnahmen und umfangreichen Corona-Tests habe man die Ausbreitung des Virus hierzulande erfolgreich eingedämmt. Aber jetzt werde der im internationalen Vergleich milde Pandemie-Verlauf irrtümlich als Argument dafür genutzt, die Maßnahmen rückblickend als übertrieben zu bewerten. "Die Menschen behaupten, wir hätten überreagiert", sagt Drosten. Dabei sei Deutschland gerade wegen der ergriffenen Maßnahmen bislang glimpflich davongekommen.

Laut Drosten verstehen viele Menschen in Deutschland nicht, warum die Geschäfte schließen mussten, obwohl die Krankenhäuser bis heute nicht überfordert sind. "Sie schauen nur auf das, was hier passiert, nicht auf die Situation in New York oder Spanien", sagt der Wissenschaftler, der u.a. im für den Grimme Online Award nominierten NDR-Info-Podcast vor voreiligen Lockerungen der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie und einer möglichen zweiten Welle warnt.

Hintergrund: Christian Drosten sprach im vergangenen Monat auch eine deutliche Warnung an die Medien aus: "Wir sind hier langsam an einem Punkt, wo dann demnächst auch die Wissenschaft in geordneter Weisen den Rückzug antreten muss, wenn das nicht aufhört".

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