Wie die Marke Zeit Verbrechen Magazine verkauft und Podcast-Hörer gewinnt

 

Der Zeitverlag verwertet im Magazin "Zeit Verbrechen" größtenteils bereits erschienene Beiträge ein zweites Mal. Ein gleichnamiger Podcast erschließt neue Zielgruppen für das Magazin und spielt Werbeerlöse ein. kress pro zeigt in einem Case, dass sich Verbrechen lohnt.

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, lautet ein gängiges Sprichwort. Doch die angebliche Binsenweisheit ist falsch: Wenn man es richtig anstellt, lässt sich mit alten Zeitungsartikeln nicht nur frisches Geld verdienen, sondern sogar eine ganz neue Community erobern. Wie das geht, zeigt der Zeitverlag mit seinem Spin-off "Zeit Verbrechen".

Die 120 Seiten starke Zeitschrift erscheint seit April 2018, derzeit liegt die vierte Ausgabe an den Kiosken. Das Magazin spürt spektakulären Kriminalfällen nach, beleuchtet die Faszination des Bösen und gibt Einblicke in die Arbeit von Justiz, Polizei und Rechtsmedizin. Das Erstaunliche: Bei einem Großteil der Texte handelt es sich schlicht um Nachdrucke von Geschichten, die vor Jahren, teilweise Jahrzehnten in der "Zeit" erschienen sind. Daraus macht die Redaktion auch keinen Hehl: "Der Text erschien im September 1999 in der 'Zeit' unter dem Titel 'Wo ist hier die Mauer?'", steht als Abbinder unter dem letzten Absatz einer achtseitigen Story über einen der letzten DDR-Häftlinge. Darauf folgt der Brückenschlag in die Gegenwart: Unter der Überschrift "Wie ging es weiter?" erzählt die Redaktion auf einer Doppelseite, was aus den Protagonisten geworden ist, wie sich die Geschichte im Rückblick darstellt. 

Tipp: Den kompletten Case zu "Zeit Verbrechen" können Sie jetzt in kress pro lesen.

Die Idee zu "Zeit Verbrechen" kommt von seiner Herausgeberin Sabine Rückert. Die 59-Jährige ist im Hauptberuf stellvertretende Chefredakteurin der "Zeit" und nebenher so etwas wie ein wandelndes Kriminallexikon. Das Verbrechen zieht sich wie ein roter Faden durch ihren journalistischen Lebensweg. Schon während des Volontariats bei der "Bild"-Zeitung in den 1980er-Jahren beschäftigte sich Rückert mit Kriminalfällen. Ab 1992 arbeitete sie als Gerichtsreporterin für die "Zeit". Im Laufe von rund 20 Jahren verfasste sie etliche Berichte und Dossiers - zum Beispiel über unentdeckte Tötungsdelikte (ihr Lieblingsthema), Serientäter oder Justizirrtümer. Rückert buddelte sich tief in die Fälle ein, nahm an Gerichtsverhandlungen teil, recherchierte im Umfeld von Opfern und Tätern, sprach mit Gutachtern, besichtigte Tatorte. Bis zu ihrem Aufstieg in die Chefredaktion der "Zeit" im Jahr 2012 kam eine erhebliche Zahl von Fällen zusammen. Nun schöpft sie für "Zeit Verbrechen" aus diesem Fundus.

"Als wir das Kriminalmagazin angefangen haben, hatten wir überhaupt keine Redaktion", erzählte sie vor einigen Wochen im WDR-Talk "Kölner Treff". "Wir haben gesagt, wir legen jetzt einfach mal los, drucken alte Geschichten nach und erzählen dann, wie es weiterging. Und das hat den Leuten wahnsinnig gefallen." So ähnlich schilderte das auch Rainer Esser, der Geschäftsführer des Zeitverlags, auf einer Veranstaltung des Verbands Schweizer Medien. Dabei betonte er, wie hilfreich es sei, Vorschläge "aus dem Herzen der Redaktion" ernst zu nehmen, um sogleich klarzustellen: "Das darf aber nichts kosten, das ist ganz wichtig." Wenn das Projekt Erfolg habe, so Esser weiter, könne man "immer noch nachfüttern".

Ob die erste Ausgabe nun aus reiner Freude am Projekt zusätzlich zum normalen Tagesgeschäft gestemmt wurde oder der Verlag keine andere Option zuließ, mag dahingestellt bleiben. Fest steht, dass "Zeit Verbrechen" am Kiosk zunächst rund 20.000 Hefte verkaufte - ein nettes Zusatzgeschäft, aber "kein Burner", wie sich der Verlagsgeschäftsführer vor dem Schweizer Branchenpublikum ausdrückte. Zumal "Zeit Verbrechen" nicht das erste Heft seiner Art war. Konkurrent Gruner  +  Jahr hatte das Zeitschriftensegment "True Crime" bereits 2015 entdeckt und erfolgreich mit "Stern Crime" bespielt. Bis heute gibt der "Stern"-Ableger mit einer verkauften Auflage von derzeit rund 90.000 Exemplaren (Verlagsangabe) den Ton in dem inzwischen stark frequentierten Segment an. Einen "Burner" zündete "Zeit Verbrechen" dann aber doch - und zwar in Form des gleichnamigen, im zweiwöchentlichen Rhythmus ausgestrahlten Podcasts. Dessen Existenz ist Jochen Wegner zu verdanken.

Wie Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner Sabine Rückert überzeugte, einen Podcast zu machen. Warum der Podcast so erfolgreich wurde (700.000 Downloads pro Ausgabe). Warum der Podcast eine wichtige Content-Marketing-Funktion für die hauseigenen journalistischen Kaufprodukte erfüllt. Wie der Zeit Verbrechen-Podcast auch als eigenständiger Werbeträger funktioniert. Und welche TV-Pläne es beim Zeitverlag für "Zeit Verbrechen" gibt.

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