Sebastian Turner: Arbeitnehmergutscheine könnten Lokaljournalismus jetzt stärken

30.04.2020
 

"Der Staat sollte dem Lokaljournalismus helfen. Doch direkte Zuschüsse würden eine Abhängigkeit vom Staat schaffen. Es gibt bessere Lösungen", sagt Medienmanager Sebastian Turner in einem Gastbeitrag.

"Ein interessantes Instrument, das den Lokaljournalismus stärken könnte, ohne Staats- und Parteivertretern dem Verdacht auszusetzen, sie wollten und könnten Einfluss nehmen, ist der Arbeitnehmergutschein, im Finanzjuristendeutsch der 'steuerfreie Sachbezug für Arbeitnehmer'", schlägt Sebastian Turner in einem Spiegel-Beitrag vor. Dieses Instrument gebe es bereits, "zu finden im Einkommenssteuergesetz § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG". Bis zu 44 Euro kann ein Arbeitgeber demnach jeden Monat als Gutschein steuer- und abgabenfrei drauflegen, damit seine Beschäftigten ins Fitnesstudio gehen oder Waren einkaufen.

Warum dieses Instrument nicht auf den Lokaljournalismus anwenden, fragt Sebastian Turner im Spiegel. Ein zusätzlicher Arbeitnehmergutschein für Lokalinformation würde die Nachfrage beleben, ohne Strukturen zu zementieren. Das Medium könnte davon Boten bezahlen, Informatiker oder mehr Lokaljournalisten. "Ganz nach Belieben - und was sich im Wettbewerb bezahlt macht. Denn das Geld würde ja nur dort ankommen, wo Medienhäuser und Journalisten es schaffen, Publikumsinteresse zu wecken", unterstreicht Turner.

Es würde eingesessene Redaktionen und neue Initiativen beflügeln, das beste lokale Nachrichtenangebot auf- oder auszubauen, ganz gleich, ob gedruckt oder digital. Es gäbe mehr Angebot und mehr Wettbewerb. Der wesentliche Vorteil aber laut Turner wäre: "Die Redaktionen müssen sich diese Nachfrage bei den Bürgern in der Region erarbeiten, nicht bei der Politik."

Zur Person: Sebastian Turner, geboren 1966, ist Herausgeber des "Tagesspiegel" in Berlin und Gründer der Mediatech-Holding Trafo, über die er am Lokaljournalistenprojekt Rums in Münster beteiligt ist.

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