Köpfe-Interview: Wie Takumi-Chef Kraljic das Vertrauen in Influencer retten möchte

 

Die weltweit aktive Influencer-Marketing-Agentur Takumi mit Hauptsitz in London hat mit dem Ex-CNN-Manager Peter-Pavel Kraljic nach kress.de-Informationen einen neuen Head of Germany berufen. Im Köpfe-Interview verrät er, wie er seine "Schützlinge" durch die Krise führen möchte.

Wie kress.de erfahren hat, soll Kraljic auf der neuen Position die Professionalisierung von Influencer Marketing auf dem deutschen Markt vorantreiben. In seinem Aufgabenheft stehen der weitere Ausbau der Influencer-Community vor Ort, die Neukundengewinnung und die Steigerung der Markenbekanntheit.

Peter-Pavel Kraljic wird die Takumi-Niederlassung in Berlin - weitere Offices gibt es unter anderem in New York, London und in Spanien, Italien, Österreich und Frankreich, aber auch in Hamburg - leiten. Er war zuvor Digital Director bei CNN International Commercial, wo er federführend die digitale Vermarktung der Online-Auftritte von CNN im deutschen Raum verantwortet. Zuvor war er unter anderem Head of Sales bei Deezer und Senior Manager New Business Development bei der Influencer-Agentur Divimove.

kress.de: Herr Kraljic, das Bedürfnis, sich digital zu informieren und den Kontakt zu einer oft beunruhigenden Außenwelt nicht zu verlieren, ist groß. Warum sollte man derzeit allerdings ausgerechnet auf Influencer hören?

Peter-Pavel Kraljic: Ich denke, man holt sich die rein sachlichen, politischen News schon vorrangig in den klassischen Nachrichtenmedien ab. Aber das Emotionale hinter der Krise, das Solidarische, die Einzelschicksale und die positiven, mutmachenden, inspirierenden Dinge des momentanen Alltags, die bilden natürlich Influencer auf Instagram, TikTok und YouTube ab. Auch wenn es um Kreatives und Witziges geht, sind die Social Kanäle die beste Quelle. Im Gegensatz zur klassischen Bannerwerbung mit seinen werbetypischen Slogans treffen Influencer mehr Emotionen, weil sie im selben Boot sitzen wie du und ich - wie wir alle. Neben den Werbe-Posts kann man ja auch an ihrem Leben teilhaben, was dieselben Alltags-Problemchen wie unsere widerspiegelt. Das schafft Verbundenheit.

"Weder 'kleinere' noch 'größere' Influencer können es sich leisten, nicht vertrauenswürdig zu sein."

kress.de: Die Corona-Pandemie hat das Bewusstsein enorm geschärft, auf den Absender von Botschaften zu achten und Quellen zu prüfen. Inwieweit fürchten Sie, dass die von Ihnen mitbetreuten Influencer in Vertrauensfragen mit unter Generalverdacht geraten?

Peter-Pavel Kraljic: Nur wer authentisch ist, wirkt auf seine Follower vertrauens- und glaubwürdig. Durch eine Prüfung kann auch darüber hinaus sichergestellt werden, dass es sich bei dem Influencer um eine Vertrauensperson handelt. Wir setzen auf Mikro-Influencer, die zwar über eine kleinere Follwerschaft verfügen, aber dafür eine sehr intensive Bindung mit ihnen pflegen. Weder "kleinere" noch "größere" Influencer können es sich leisten, nicht vertrauenswürdig zu sein. Denn darunter würden die Kooperationen leiden, und in Folge dessen würden keine Folgeaufträge mehr zu Stande kommen. 

kress.de: Gerade in Homeoffice-Zeiten empfinden nicht wenige Mitbürger die langen Zeiten vor Bildschirmen als belastend. Bleibt denn für die Beschäftigung mit den von Ihnen mit vermarkteten Inhalten aktuell überhaupt noch genug Zeit und Muse?

Peter-Pavel Kraljic: Viele möchten sich nach einem langen Arbeitstag vor dem Bildschirm, neben etwas Bewegung an der frischen Luft, einfach "berieseln" lassen, um abzuschalten oder auch sehen, was ihre Community so macht. Momentan nehmen die Menschen in ihrer Freizeit vielerlei digitale Angebote wahr - vor allem in den Sozialen Netzwerken. Wichtig bei vermarkteten Inhalten bleibt eine ansprechende und "Corona-konforme" Kampagne, die nicht nur unterhält, sondern auch Mehrwert bietet.

kress.de: Welchen Beitrag leisten Ihrer Ansicht nach "Ihre" Influencer dabei, Moral und nicht zuletzt gute Laune im Land hochzuhalten?

Peter-Pavel Kraljic: Aktuell haben wir sehr viele Influencer, mit denen wir arbeiten, aktiviert, die Initiative #safehands der Weltgesundheitsorganisation (WHO) pro bono zu supporten. Die Initiative zielt darauf ab, Schutzmaßnahmen gegen eine Verbreitung des Virus zu promoten. Influencer zeigen dabei, wie sie sich während eines ausgiebigen Händewaschens die Zeit vertreiben. Wir haben auch eine eigene Kampagne namens #TheMindfulMovement ins Leben gerufen. In dieser besonderen Zeit haben unsere Influencer so die Möglichkeit, Tipps zum Schutz der seelischen Gesundheit mit ihrer Followerschaft zu teilen. Das sind nur zwei Beispiele - wir machen tatsächlich noch mehr pro bono mit unseren Influencern.

"Follower wollten bereits vor der Krise nicht mehr nur eine perfekte Welt sehen, sondern auch das Mädchen bzw. den Jungen von nebenan, mit dem sie sich identifizieren können."

kress.de: Für viele Fans von Digital-Stars ist die Beschäftigung mit den Welten ihrer Idole ja oft ein offenes Fenster in eine andere Welt. Nun blickt man oft in enge Wohnküchen oder auf Bücherregale. Wie schwer fällt es Ihren Influencern, "den schönen Schein" aufrecht zu erhalten?

Peter-Pavel Kraljic: Viele Influencer teilen ihren gesamten Alltag mit ihren Followern. Dabei kommt es gar nicht immer auf den schönen Schein an, sondern mehr darauf, authentisch zu sein. Follower wollten bereits vor der Krise nicht mehr nur eine perfekte Welt sehen, sondern auch das Mädchen bzw. den Jungen von nebenan, mit dem sie sich identifizieren können. Dazu gehört es aktuell auch, dass Influencer sich bezüglich der Maßnahmen gegen Corona als Vorbilder zeigen und ein offenes Ohr für die Sorgen und Ängste ihrer Community haben. Viele lassen ihre Follower auch an ihrer eigenen Gefühlswelt teilhaben, die momentan durch fehlende soziale Kontakte ihre Ups und Downs hat - genauso wie bei allen Menschen.

kress.de: Welchen Tipps müsste man noch etwas unerfahrenen Influencern im Umgang mit der Kommunikation in Corona-Zeiten geben?

Peter-Pavel Kraljic: Neben dem authentischen Teilhabenlassen am eigenen Leben sollten die Werbedeals bedacht ausgewählt werden. Ist es vertretbar, dieses Produkt derzeit zu bewerben? Auch Brands sind gerade sensibilisiert und achten bei ihren Kampagnen darauf, dass sie derzeit angemessen sind. Daher steht durchdachten Kampagnen, die den aktuellen Bedürfnissen angepasst sind, auch momentan nichts im Wege.

"Es ist eine Verunsicherung seitens der Kunden zu spüren, ob Influencer-Marketing-Maßnahmen zurzeit überhaupt Sinn machen."

kress.de: Werbebudgets werden zurückgehalten oder gekürzt: Wie hart trifft die Krise jetzt schon Ihr Vermarktungsgeschäft?

Peter-Pavel Kraljic: Es ist eine Verunsicherung seitens der Kunden zu spüren, ob Influencer-Marketing-Maßnahmen zurzeit überhaupt Sinn machen. Stark betroffen sind derzeit vor allem Kampagnen mit Travel Influencern. Aber auch sie sind kreativ im Aufbereiten vorheriger Trips und teilen ihre Gedanken zu "bewusstem" Reisen nach der Krise. Wenn man Unternehmen jedoch vor Augen führt, warum es gerade jetzt wichtig und sinnvoll ist, in diesen Werbekanal zu investieren, auch weil momentan alle Events und Out-of-Home-Werbemöglichkeiten wegfallen, ist ihre Sorge oft schon gemildert. Es werden aktuell sogar eher die Chancen von Influencer Marketing gesehen, sich in dieser Krisenzeit auf respektvolle und nachhaltige Art und Weise zu positionieren.

kress.de: Was ist Ihre Hoffnung, welchen Rückwind die enge Vernetzung der Republik und der Wunsch nach Austausch Ihrem Geschäft nach einer schrittweisen "Normalisierung" erhalten könnte?

Peter-Pavel Kraljic: Die Verbindungen von Influencern mit ihren Followern stärken sich in der Krise - zum einen in der Reichweite, zum anderen in der Intensität. Und Marken gewinnen mehr Vertrauen, denn sie sehen, dass man Inhalte auch anders als gedacht bewerben kann. Viele, die vorher kein Influencer Marketing betrieben haben und in der Krise aber ihre Zielgruppe erreichen wollten, merken nun, wie nah man seiner Zielgruppe kommen kann. Die Krise stärkt also unser Business für alle Beteiligten.

"Balkonien ist ein Segen."

kress.de: Letzte Frage: Was ist Ihr bester Tipp dafür, dass auch Ihnen selbst nicht das Heim-Büro-Dach gelegentlich auf den Kopf kracht?

Peter-Pavel Kraljic: Ausgleich schaffen! Mindestens einmal am Tag unternehme ich mit meiner Familie einen Spaziergang, damit alle durch frischen Wind den Kopf frei bekommen. Home Office mit Kindern ist eine Herausforderung, aber es schweißt zusammen und fördert gegenseitige Rücksichtnahme. Ansonsten empfehle ich ganz klassisch mit seinen Freunden zu telefonieren, um weiterhin füreinander da zu sein, auch in Zeiten der sozialen Isolation. Und jetzt, wo das Wetter so schön ist, ist Balkonien ein Segen.

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