Wer Journalisten angreift, der muss uns alle gegen sich haben

05.05.2020
 

Die Bundesregierung verurteilt den Angriff auf das ZDF-Team der Satiresendung heute-show scharf. Auch der Satiriker Abdelkarim, der den Überfall hautnah erlebte, und Moderator Oliver Welke werden deutlich.

Das siebenköpfige ZDF-Team der Satiresendung heute-show hatte am Freitag bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln gefilmt. Danach war es in einer Seitenstraße nahe dem Alexanderplatz von mindestens 15 Menschen angegriffen worden. Die Polizei nannte den Überfall "gezielt". Die Täter hätte unter anderem einen "metallenen Gegenstand" eingesetzt und fünf ZDF-Mitarbeiter, darunter private Wachleute, teilweise "erheblich verletzt".

Der Satiriker Abdelkarim, der zu dem Team gehörte, blieb unverletzt. Er sagte in der ZDF-heute-Sendung am Montag, die Angreifer seien "von jetzt auf gleich" da gewesen. Sie hätten auch auf Teammitglieder eingetreten, die auf dem Boden lagen, und sie ins Gesicht geschlagen. Einen solchen Anschlag habe er zuvor nicht für möglich gehalten, sagte Abdelkarim. "Diskussionskultur sieht anders aus."

Die Bundesregierung verurteilte die Tat am Montag scharf: "Wer Journalisten angreift, bedroht, verletzt, der steht weit außerhalb unserer demokratischen Ordnung und der muss uns alle gegen sich haben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Wir sehen seit längerem, dass Extremisten aller Richtungen die Pressefreiheit, eines unserer wichtigsten Grundrechte, buchstäblich mit Füßen treten." Es sei traurig, dass die Begleitung durch Sicherheitsleute für Journalisten bei vielen Demonstrationen inzwischen obligatorisch sei.

Auch Moderator Oliver Welke wurde auf Facebook deutlich: "Wir sind im Moment einfach nur entsetzt und traurig: Unser Vorschlag an alle, die unsere Sendung oder die Medien nicht mögen: einfach nicht gucken. Oder gucken und aufregen. Aber bitte nicht mit Teleskopstangen auf Menschen einschlagen. Gewaltverzicht ist der zivilisatorische Mindeststandard, auf den wir uns alle einigen sollten." Man erlebe bei Dreharbeiten gelegentlich eine gewisse Grundagressivität, so Welke: "Man wird mal geschubst, angerempelt oder beschimpft. Dass aber ein Team so enthemmt angegriffen wird, mit Tritten gegen wehrlos am Boden Liegende, ist neu und furchtbar." 

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