Wie sich Altkanzler Gerhard Schröder bei LinkedIn als Medienmarke neu erfindet

 

Von Gerhard Schröder stammt das Bonmot, dass man zum Regieren lediglich Bild, BamS und Glotze brauche. Nach kress.de-Infos hat der Altkanzler nun ein Medium für sich entdeckt, das er regelmäßig für Debatten-Anstöße nutzen möchte: LinkedIn. Damit folgt er Vorbildern wie Sebastian Kurz oder Justin Trudeau.

 Während Österreichs Kanzler und der kanadische Premierminister auf dem internationalen Business-Netzwerk viel beachtete und viel geachtete Mitglieder sind und die Reichweiten von LinkedIn gekonnt bespielen, finden sich in der Deutschen Top-Politikszene bislang nur wenige prominente Namen - einmal abgesehen etwa von FDP-Chef Christian Lindner.

Mit der Berufsbezeichnung "Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1998-2005" hat sich Gerhard Schröder nun aktuell hier bei LinkedIn registriert und führt auch seine aktuelle Posten, unter anderem als "selbstständiger Rechtsanwalt" sowie "Chairman of the Board of Directors" bei Rosneft und "Vorsitzender des Verwaltungsrates der Nord Stream 2 AG", an.

In einem ersten ausführlichen Beitrag erinnert Schröder, der bekanntlich selbst knapp ein Jahr vor dem Kriegsende zur Welt kam, an die Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des 2. Weltkriegs, die aktuell im Schatten der Corona-Pandemie stehen. Sein Appell trägt die staatsmännische Überschrift: "Wir brauchen in den internationalen Beziehungen wieder mehr Kooperationen." Dabei sei es geboten, auch Russland und China eng in den Kampf gegen die Auswirkungen der Krise einzubeziehen. "Wir sollten Barrieren überwinden, Feindschaften ruhen lassen und Partnerschaften ausbauen", schreibt Schröder.

"Diese Pandemie ist eine Herausforderung, die kein Land der Welt alleine meistern wird. Nur gemeinschaftlich können wir das Virus besiegen. Indem wir fundierte Erkenntnisse zu seinem Ursprung austauschen, Forschungsergebnisse über einen wirksamen Impfstoff teilen und ihn auch den ärmsten Staaten und ihren Bewohnern zugänglich machen", heißt es in Schröders erster LinkedIn-Botschaft. "Ich hoffe und ich erwarte, dass diese weltumspannende Krise auch darüber hinaus zu einem Umdenken und zu der Erkenntnis führt, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können – beim Kampf gegen die Corona-Pandemie, bei der Lösung des Klimawandels und bei der Bewältigung anderer globaler Probleme."

Damit wird Schröder zur Medienmarke. Auf Nachfrage von kress.de bestätigte Albrecht Funk, der das Büro des Bundeskanzlers a.D. leitet, dass der sowohl auf Deutsch wie auch auf Englisch veröffentlichte Beitrag ein Startpunkt für Weiteres sein soll. "Gerhard Schröder wird hier regelmäßig Themen anstoßen, die ihn bewegen. In der Regel werden das übergeordnete Themen abseits der Tagespolitik sein", so Funk.

Und auf die Frage, was Schröder bewogen hat, das Netzwerk LinkedIn für diese Botschaften zu wählen, gab sein Büro kress.de wie folgt Auskunft: "Social Media-Plattformen bzw. Business-Netzwerke geben grundsätzlich die Möglichkeit, Menschen direkt anzusprechen - und ihr Feedback zu  bekommen. Insbesondere bei LinkedIn passiert das überwiegend in einem neutralen, sachlichen Kontext", sagte Albrecht Funk. "Das macht die Plattform als modernes Medium mit hoher Reichweite und internationaler Audience aus unserer Sicht so relevant. International nutzen amtierende und ehemalige Politiker LinkedIn als Kommunikationskanal schon erfolgreich. In Deutschland stehen wir hier noch relativ am Anfang."

Damit hat sich Schröder offenbar bewusst gegen Twitter entschieden. Twitter ist in Deutschland das wichtigste Medium für politische Entscheidungsträger. So sind beim Kurznachrichtendienst mehr als drei Viertel der Bundestagsabgeordneten aktiv.

Tijen Onaran, Gründerin der Global Digital Women und digitale Vordenkerin, fragte in Bezug auf den kress.de-Exklusivbericht via Twitter: "Was sagt ihr dazu? Generell: Würdet ihr mehr Politiker*innen aus Deutschland auf LinkedIn sehen wollen?"

Theresa Hein, seit 1. April bei Storymachine tätig, antwortete: "Ja, fände ich total spannend und eine gute Plattform für sachliche Beiträge. Facebook hat hierfür ja ein wenig ausgedient durch die schlechte Stimmung auf der Plattform."

Paul C. Strobel, Head of Social Media bei INSM, schrieb: "Generell ja, die Plattform ist deutlich angenehmer im Umgangston. Hier kann man mit sachlichen Argumenten noch am ehesten durchdringen".

Hintergrund: LinkedIn, offiziell an den Start gegangen im Jahr 2003, ist in 24 Sprachen verfügbar und zählt über 660 Millionen Anwender in 193 verschiedenen Ländern und Regionen. Dabei meldet Europa mit rund 206 Millionen Nutzern die größte Nutzerbasis. Seit Ende 2016 gehört LinkedIn zu Microsoft.

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