Medienvertreter sind kein Freiwild: Erneute Attacke gegen ARD-Team in Berlin

07.05.2020
 

Bei einer nicht genehmigten Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen ist vor dem Reichstagsgebäude in Berlin ein Kamerateam der ARD angegriffen worden. Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, verurteilt die Attacke.

Nach Angaben des ARD-Hauptstadtstudios hatte sich ein Teilnehmer der Versammlung spontan aus der Menge gelöst und einen Tonassistenten getreten. Die Polizei habe unmittelbar reagiert. Dem Kameramann und dem Tonassistenten - nach Angaben der Polizei 56 und 51 Jahre alt - gehe es gut. Bereits am 1. Mai war ein Kamerateam des ZDF in Berlin angegriffen worden (kress.de berichtete).

Die Polizei in Berlin teilte am Mittwochabend mit: "Gegen 18.15 Uhr soll ein Mann einen Kameramann und einen Tonassistenten der ARD auf dem Platz der Republik angegriffen haben. Dabei soll er versucht haben, den 51-jährigen Tonassistenten zu treten, traf dabei aber offenbar die Mikrofon-Angel, die in der Folge gegen den Kopf des 56 Jahre alten Kameramannes schlug. Der Tatverdächtige versuchte zu flüchten, wurde dann jedoch von Kräften einer Einsatzhundertschaft, die den Angriff bemerkt hatten, festgenommen. Das Team blieb unverletzt. Der 46-Jährige wurde zur erkennungsdienstlichen Behandlung in ein Polizeigewahrsam gebracht. Die Ermittlungen zum Verdacht der Körperverletzung dauern an."

Die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, Tina Hassel, twitterte: "Unserem Team geht es zum Glück gut, aber solche Angriffe gegen die #Presse sind widerlich! #ARD Team wurde angegriffen". Der Tatverdächtige sei in Polizeigewahrsam gebracht worden, es werde wegen Verdachts der Körperverletzung ermittelt, teilte die Polizei am späten Abend mit.

ARD-Chefredakteur Rainald Becker schrieb am Abend auf Twitter: "Erst ein Kamerateam des ZDF, heute ein Team der ARD. Wer Journalisten angreift und an ihrer Arbeit hindert, greift die Demokratie an."

"Medienvertreter sind kein Freiwild", sagte die Landesvorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi Berlin-Brandenburg, Renate Gensch. "Sie stehen für die Presse- und Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik, also auch für die Grundrechte, für die diese Demonstranten vermeintlich protestieren."

Hintergrund: Am 1. Mai war in Berlin ein Team der ZDF-Satiresendung heute-show»attackiert worden. Es drehte bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln am Rosa-Luxemburg-Platz. Danach wurde das Kamerateam von einer Gruppe vermummter Täter angegriffen. Sechs Menschen wurden dabei nach Angaben des ZDF verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

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