ARD-Chef Tom Buhrow: Es ist unser Anspruch, der Kitt der Gesellschaft zu sein

12.05.2020
 

Wie steht die ARD in der Corona-Krise da? Und sind Journalisten zu unkritisch gegenüber den Aussagen von Virologen und Entscheidungen der Politik? Der ARD-Vorsitzender Tom Buhrow gibt in einem Interview die Antworten.

"Wir sind ein verlässlicher Begleiter der Menschen, der mithilft, die Gesellschaft zusammenzuhalten. Es ist unser genereller Anspruch, der Kitt der Gesellschaft zu sein, weil die ARD flächendeckend vertreten ist und eine breite regionale Präsenz aufweist. Das erweist sich jetzt als großer Vorzug", sagt der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow im Interview mit der FAZ (Dienstagsausgabe). Die ARD sieht Buhrow nicht nur als Informationsvermittler, wie viele andere Medien, sondern auch als Tagesbegleiter, der auf verschiedene Weise hilft, mit der aktuellen schwierigen Situation fertigzuwerden.

In der Corona-Pandemie hat die Nutzung klassischen Fernsehens - auch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks - bei Jugendlichen zugenommen. Buhrow überrascht das nicht. Bei sehr wichtigen Ereignissen steige der Informationsbedarf und die Menschen wendeten sich verstärkt der ARD als Informationsquelle zu. Ungewöhnlich an der jetzigen Situation sei jedoch, dass diese veränderte Mediennutzung genauso wie die Krise über einen sehr langen Zeitraum erfolge, und das öffentlich-rechtliche Fernsehen als die mit Abstand vertrauenswürdigste Quelle angesehen werde - auch von den Jüngeren. Die gestiegene Nutzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beziehe sich dabei vor allem auf die Informationsprogramme im Ersten, im ZDF und in den Dritten, aber auch auf Unterhaltungs- und fiktionale Angebote, erklärt Buhrow im Gespräch mit Helmut Hartung in der FAZ.

Den Vorwuf, Journalisten seien zu unkritisch gegenüber den Aussagen von Virologen und Entscheidungen der Politik, lässt sich Buhrow nicht gefallen: "Die unterschiedliche Vorgehensweise der Länder wird doch ständig kritisch hinterfragt. Zum Teil beruhen diese Unterschiede auf der regional unterschiedlichen Ausbreitung der Pandemie. Die umfangreiche Information der Medien hat zu einem großen Wissen der Bürger über den Verlauf der Pandemie geführt. Das zwingt die Landes- und Bundespolitik auch dazu, jeden Schritt ausführlich zu begründen. In der Berichterstattung über diesen schwierigen Prozess zeigt sich unsere regionale Stärke. Unsere Journalistinnen und Journalisten hinterfragen die Entscheidungen und Statistiken mit lokaler Sachkompetenz und Sachlichkeit. Dabei bemühen wir uns um eine kritische, aber zugleich differenzierte Betrachtung."

Trotz, dass im Sommer die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele ausfallen, die der ARD 220 Sendestunden gesichert hätten, und auch fiktionale Formate durch die Drehunterbrechungen fehlen, hofft Buhrow, dass die Wiederholungskurve im Programm nur leicht steigt. Gegenwärtig werde zudem zusätzliches Programm produziert: "Allein im Ersten senden wir täglich ein ARD-Extra, die Nachrichten wurden verlängert und aktuelle Reportagen aufgenommen", berichtet Buhrow. Er drückt die Daumen, "dass es bald wieder möglich ist, möglichst viele Produktionen fortzusetzen und mit neuen Stoffen zu beginnen". Telenovelas werden inzwischen wieder produziert, indem Drehbücher umgeschrieben und die Schutzregeln beachtet werden. Wiederholungen könnten übrigens durchaus eine positive Resonanz erzeugen, betont Buhrow gegenüber der FAZ: "Einen größeren Erfolg als erhofft, verzeichnen wir zum Beispiel gegenwärtig mit der Wiederholung großer Sportevents."

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