Warum die Medienbranche jetzt schon fit für dezentrales Arbeiten ist

 

Vom aktuellen Beispiel Twitter lernen, bestehende eigene Stärken nutzen: kress pro zeigt, was von den Homeoffice-Regelungen in Zukunft Bestand haben sollte. Laut Whereby.us-Mitgründerin Rebekah Monson ist nun die Chance gekommen, Mitarbeitern mehr Verantwortung zu übertragen.

Das Unternehmen, das Monson mit ins Leben gerufen hat und nun als COO mit steuert, ist eine Plattform in Miami, die Mediengründer beim Aufbau von Newslettern- und Websites unterstützt. Schon früh setzte Whereby.us, das im Netzwerk mehr als eine Million Abonnenten erreicht, auf dezentrale Arbeitsstrukturen.

Im Interview im aktuellen kress pro (3/2020) erläutert Rebeka Monson die wichtigsten "Dos and Don'ts" bei der Führung von Mitarbeitern an verschiedenen Einsatzorten und im Homeoffice. Twitter-Chef Jack Dorsey hat seiner Belegschaft aktuell frei gestellt, dauerhaft von Zuhause aus zu arbeiten (siehe unsere kress.de-Meldung).

kress pro: Ihr Unternehmen arbeitet seit jeher dezentral. Warum?

Rebekah Monson: Wir wollten flexibel entscheiden können, wann und wie wir arbeiten. Der Berufsverkehr in Miami ist einer der schlimmsten in den USA. Aufgrund unseres Community-orientierten Konzepts wussten wir von vornherein, dass unsere Arbeitstage sehr lang sein und an vielen unterschiedlichen Orten stattfinden würden – in Cafés, Restaurants, Museen, Parks etc. Komplett dezentral organisiert sind wir allerdings erst seit dem Start unserer lokalen Website The Evergreen in Seattle.

Tipp: Was bleibt vom Homeoffice? Jetzt den kompletten Case in kress pro lesen

kress pro: Rückblickend auf fünf Jahre Erfahrung – was funktioniert gut?

Rebekah Monson: Im Zuge unseres Wachstums konnten wir in ein hoch qualifiziertes und diversifiziertes Team anstatt in Büromieten investieren. Wir haben natürlich Mitarbeiter in allen unseren Erscheinungsorten, aber darüber hinaus auch an vielen anderen Orten. Jeder kann von überall arbeiten, es sei denn, es gibt einen unmittelbaren Grund, vor Ort zu sein.

kress pro: Welches sind die Herausforderungen?

Rebekah Monson: Am schwierigsten ist es, kommunikative Strukturen und Prozesse zu etablieren. Mehr Flexibilität bedingt mehr Verantwortung. Mitarbeiter im Homeoffice müssen die Disziplin aufbringen, ihre Projekte selbstständig voranzutreiben und detailliert und klar zu kommunizieren. Im Homeoffice schreibt man unvergleichlich viel mehr E-Mails und Textnachrichten als im Großraumbüro, wo man mal eben zum Schreibtisch am anderen Ende gehen kann. Ein anderes Problem sind die fehlenden menschlichen Zwischentöne in der Kommunikation. Nuancen in kurzen Textbotschaften unterzubringen, ist schwierig. Vorgesetzte sollten ihre Mitarbeiter ermutigen, lieber zum Telefonhörer zu greifen, wenn sich Chats zu lange hinziehen oder wenn sie merken, dass sie emotional reagieren. Gemeinsame Onlinespiele, virtuelle Kaffeepausen und Zeiten, in denen man sich einfach online näher kennenlernt, tragen zum Team-Building bei.

"Am wichtigsten ist es, feste Gewohnheiten für alle zu etablieren und zu kommunizieren."

kress.de: Was raten Sie Medienunternehmen, die ihre Workflows dezentralisieren?

Rebekah Monson: Am wichtigsten ist es, feste Gewohnheiten für alle zu etablieren und zu kommunizieren – feste Terminpläne, Workflows, Strukturen für Meetings und Protokolle etc. Wer immer noch nicht auf asynchronen Plattformen wie Slack kommuniziert, sollte jetzt damit beginnen. Auf der menschlichen Ebene sollten Vorgesetzte so deutlich und umfangreich Erwartungen kommunizieren, aber Micro-Management vermeiden. Wer sich alle fünf Minuten irgendwo melden muss, kann nicht produktiv arbeiten. Jetzt ist die Chance, mehr Verantwortung zu übertragen. Journalisten und andere Medienmitarbeiter sind Zeitdruck und schwierige Situationen gewohnt und sind sicherlich anpassungsfähiger als andere Branchen.

kress pro: Sollte das Management die Strukturen für dezentrales Arbeiten vorgeben oder Teams experimentieren lassen?

Rebekah Monson: Ich glaube, dass die Grundstrukturen top down angelegt sein müssen. Alles, was im gesamten Unternehmen umgesetzt werden soll, muss vom Management etabliert werden. Zum Beispiel: Alle nutzen Slack und Zoom. Alle halten ihre Kalender aktuell und offen zugänglich. Alle sind zu bestimmten Kernzeiten am Schreibtisch. Alle nehmen an bestimmten Meetings teil. Alle dokumentieren ihre Prozesse. Darüber hinaus sollten Teams ruhig so viel wie möglich mit Tools und Plattformen experimentieren dürfen.

"Wir können Druck und Deadlines. Wir arbeiten in der Regel sehr autonom in klar definierten Prozessen."

kress pro: Sehen Sie Covid-19 als Initialzündung für dezentrales Arbeiten, auch wenn die Krise vorbei ist?

Rebekah Monson: Ich hoffe es. Ich glaube, die Medienbranche ist dafür geeignet. Wir können Druck und Deadlines. Wir arbeiten in der Regel sehr autonom in klar definierten Prozessen. Als Branche stehen wir unter Kostendruck. Vielleicht könnten wir das Geld, das wir bei Immobilien einsparen, stattdessen dafür einsetzen, unsere Produkte zu verbessern.

Tipp: Das Interview von Ulrike Langer mit Rebekah Monson ist Teil eines ausführlichen Cases in kress pro, der sich der Frage stellt: "Was bleibt vom Homeoffice?". Darin werden neue Workflows und flexible Arbeitsstrukturen beschrieben, die sich bei führenden US-Medienhäusern schon bestens bewährt haben. Sie können die kress pro-Ausgabe in unserem Shop kaufen.

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