Medienpräsenz von Virologen: Drosten auf dem Thron - nur zwei Frauen in den Top Ten

22.05.2020
 

Der Spiegel hat die Medienpräsenz von Virologen in Deutschland untersucht. Laut der Datenanalyse ist Christian Drosten die Nummer eins. Allerdings hat in Talkshows eine Kollegin die Nase vorn.

In der Coronakrise sind das Wissen und die Meinung von Virologinnen und Virologen gefragt. In Zeitungsartikeln, im Internet und in Talkshows kommt man kaum an ihnen vorbei.

Welche Forscher aber werden besonders häufig erwähnt oder zitiert? Und welcher Wissenschaftler taucht sehr oft im Fernsehen, aber viel seltener in Artikeln auf? Eine Datenanalyse des Spiegel gibt Aufschluss.

Bei Artikeln, die gedruckt oder online erscheinen, ist Christian Drosten, Chefvirologe von der Charité Berlin, die klare Nummer eins. Der Spiegel hat in das Ranking auch Epidemiologen und Spezialisten für Infektionskrankheiten sowie der umstrittene Lungenarzt Wolfgang Wodarg aufgenommen, der sich mehrfach zum Thema Corona geäußert hat.

Drosten kommt demnach seit Anfang des Jahres auf mehr als 1.700 Treffer in der Pressedatenbank Digas. Diese umfasst alle überregionalen Tages- und Wochenzeitungen aus Deutschland, viele Regionalzeitungen und auch die Webseiten Sueddeutsche.de, Welt.de und Spiegel.de. Aussagen aus dem "Coronavirus-Update"-Podcast von NDR Info werden häufig von Journalisten zitiert, was die vielen Erwähnungen Drostens in der Presse mit erklärt.

Mit der Hamburger Impfstoffentwicklerin Marylyn Addo und Melanie Brinkmann von der TU Braunschweig haben es nur zwei Forscherinnen in die Top Ten geschafft. Lothar Wieler taucht in der Liste nicht auf, weil er in seiner Funktion als Chef des Robert Koch-Instituts regelmäßig vor die Presse tritt und deshalb sehr oft zitiert wird. Er läge ansonsten mit mehr als 1.000 Nennungen auf Platz zwei, heißt es beim Spiegel.

Sehr früh präsent war auch Alexander Kekulé (380 Erwähnungen), Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle, der seit Mitte März ebenfalls einen eigenen Podcast hat. Hendrik Streeck hingegen, Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung der Universität Bonn, tauchte erst später in der Presse auf - Mitte März. Dafür stieg die Zahl seiner Erwähnungen (428) umso rasanter an. Er erreichte dabei das Virologen gut vertraute exponentielle Wachstum - zumindest über die ersten Tage.

Dies dürfte vor allem an der von ihm geleiteten Heinsberg-Studie liegen, die viel Aufmerksamkeit bekam. Erste Ergebnisse stellte Streeck am 9. April vor - gemeinsam mit Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Streecks Auftreten geriet jedoch auch in die Kritik , weil eine PR-Agentur daran mitwirkte (kress.de berichtete).

Christian Drosten ist nicht nur in Presseartikeln, sondern auch auf YouTube die Nummer eins. Dies zeigen die aufsummierten Aufrufe der Videos, die angezeigt werden, wenn man auf YouTube nach dem Namen eines Virologen sucht. In die Auswertung kamen für jeden Experten die 100 meistgeklickten Videos. Drosten erreichte dabei mehr als 18 Millionen Views.

Knapp hinter Drosten folgt bei YouTube Wolfgang Wodarg, ein Mediziner, der wegen seiner Äußerungen zur Krankheit Covid-19 unter Wissenschaftlern sehr umstritten ist. Streeck erreicht den dritten Platz.

In deutschen Talkshows ergibt sich eine etwas andere Reihenfolge. Hier taucht eine Virologin ganz oben in der Rangliste auf, die in der Presse sonst nicht ganz so oft gefragt ist: die Braunschweiger Professorin Melanie Brinkmann. Sie kommt auf neun Auftritte in Talkshows - einer mehr als ihr Hallenser Kollege Alexander Kekulé. Beide sind damit laut Spiegel die Lieblinge der Talkshow-Redaktionen.

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