Ex-Topmanager Rose: Ein deutscher Verlag wäre beinahe bei Facebook eingestiegen

25.05.2020
 

Dan Rose war von 2006 bis 2019 Führungskraft bei Facebook. Auf Twitter berichtet der ehemalige Topmanager jetzt, dass ein deutscher Verlag die Chance auf einen signifikanten Unternehmensanteil an Facebook hatte. Laut Rose ließ der Verlag den Deal auf der Ziellinie platzen.

Facebook wollte nach Angaben von Dan Rose das deutsche Netzwerk StudiVZ übernehmen, das die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck 2007 gekauft hatte. StudiVZ war damals im deutschen Markt eine Macht.

"Wir boten dem Eigentümer einen fünf Prozentanteil von Facebook für die Übernahme an", schreibt der ehemalige Facebook-Topmanager Dan Rose auf Twitter: Mark Zuckerberg und er seien dafür gewesen, andere dagegen - und sie hätten Recht behalten. "Wir dachten, sie hätten Deutschland besetzt", so Rose in Bezug auf StudiVZ. Man habe keine Chance auf Marktanteile für Facebook gesehen.

"Ich hatte den Deal vollständig verhandelt, aber auf der Ziellinie hat sich der deutsche Verleger zurückgezogen", so die Darstellung von Rose. Demnach habe der Eigentümer, Holtzbrinck ist gemeint, befürchtet, nicht mehr die StudiVZ-Power nutzen zu können, um Traffic auf die Newsportale des Verlags zu lenken. "Die Sorge kann man ihm nicht vorwerfen", sagt Rose rückblickend.  

Im Nachhinein ist Rose happy, dass der Deal platzte. Es hätte sonst einer der teuersten Fehler in der Geschäftswelt werden. können So überholte Facebook StudiVZ in Deutschland binnen 18 Monaten. Es stellte sich laut Rose heraus, dass globale Netzwerk-Effekte lokale Netzwerk-Effekte übertrumpften. Nicht viel später seien soziale Netzwerke viel wertvoller als Zeitungen geworden.

"Facebook hat heute eine Marktkapitalisierung von 617 Milliarden US-Dollar. Aus Sicht von Facebook war der Verleger-Rückzug ein Glücksfall. Der Verlag hat hingegen ein Milliardengeschäft verpasst", kommentiert Daniel Fiene in seinem aktuellen The Pioneer TechBriefing. Der Einblick von Dan Rose sei auch deswegen interessant, weil in den letzten Jahren das Verhältnis zwischen Facebook und Medien als kompliziert galt. "Wenn ein deutscher Verlag einen signifikanten Anteil an Facebook gehabt hätte, wären viele Diskussionen ganz anders verlaufen", so Fiene.

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