AOK Bundesverband reagiert: Bild stellt derzeit kein geeignetes Umfeld für unsere Imagekampagne dar

28.05.2020
 

Steve Plesker, Geschäftsführer Markt und Produkte des AOK-Bundesverbands, stoppt eine Werbung bei Bild. Dass dies vor allem mit den aktuellen Berichten der Springer-Zeitung über die Studien des Virologen Christian Drosten zutun hat, zeigt ein früherer Post von Plesker, den der Manager inzwischen wieder gelöscht hat. 

Die Bild-Berichte zu der Studie von Christian Drosten seien eine Schande und hätten mit Journalismus nichts zu tun, schrieb Steve Plesker Anfang der Woche auf seinem LinkedIn-Account. Der AOK-Geschäftsführer kündigte dabei bereits an, bei Bild vorerst keine Anzeigen mehr zu schalten.

Drosten, Chefvirologe der Berliner Charitè, hatte auf Twitter eine Rechercheanfrage von Bild öffentlich gemacht - zunächst mit den Kontaktdaten des Reporters. Die Emotionen kochten hoch. Nicht nur bei den Bild-Gegnern, sondern auch bei Bild-Chefredakteur Julian Reichelt, der sein Blatt verteidigte und via Twitter schrieb: "Journalismus sollte keine Weide für heilige Kühe sein." Inzwischen bietet Reichelt Drosten ein Gespräch an.

Seinen Wut-Post auf LinkedIn hat AOK-Manager Steve Plesker schnell wieder gelöscht. Der Beitrag sei spontan und aus Verärgerung über die Bild-Berichte zu Drosten entstanden. Leider sei die Wortwahl undifferenziert gewesen, "und ich habe meine persönliche Meinung über mein professionelles Profil verbreitet", so Plesker in seinem jüngsten LinkedIn-Beitrag an diesem Donnerstag. Das sei unglücklich gewesen.

Für die Bild gibt es von Seiten des AOK-Bundesverbands aber trotzdem Konsequenzen. Die aktuelle Imagekampagne "Für ein gesünderes Deutschland" der Krankenkasse wird nicht (mehr) bei der Springer-Marke laufen.

Das gesamte Statement von Steve Plesker im Wortlaut:

Die Berichterstattung in den Medien zur Corona-Krise und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen reicht von sehr differenzierten bis hin zu sehr einseitigen, ja polemischen Beiträgen. Beides mag seine Berechtigung haben, und es liegt mir fern, Einfluss auf Berichterstattung nehmen zu wollen. Dennoch müssen sich werbetreibende Unternehmen aber sehr wohl mit der Frage beschäftigen, in welchen Umfeldern sie werblich in Erscheinung treten wollen. Für gesetzliche Krankenkassen spielt Brand Safety eine große Rolle, und sie müssen aufgrund der aktuellen Situation noch stärker darauf achten. In diesem Kontext ist der AOK-Bundesverband zu dem Schluss gekommen, dass die Bild derzeit kein geeignetes Umfeld für unsere Imagekampagne "Für ein gesünderes Deutschland" darstellt. Der AOK-Bundesverband möchte diese Entscheidung explizit nicht als Aufruf zum Boykott der Bild verstanden wissen. Auf jeden Fall beobachtet der AOK-Bundesverband laufend die Entwicklungen und wird seine Marketingstrategie und Media-Auswahl entsprechend anpassen. Das gilt im Übrigen grundsätzlich für alle Werbe- und Kooperationspartner und impliziert auch andertweitige Entscheidungen zu einem späteren Zeitpunkt.

Hintergrund: Der Stopp gelte bis auf weiteres, sagt ein Sprecher des Bundesverbands gegenüber dem PR Report. Fast das gesamte Mediabudget des Verbands geht für die auf Dauer angelegte Kampagne "Für ein gesünderes Deutschland" drauf, von der es bislang zwei Flights gab. Der dritte ist für September/Oktober geplant.

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