New Work bietet gerade für Frauen große Chancen - Corona-Pandemie als Beschleuniger

03.06.2020
 

Die Initiative Chefsache hat mit zwei repräsentativen Umfragen im Januar und April 2020 untersucht, wie New Work sich auf die Chancengerechtigkeit auswirkt und ob die vergangenen Wochen in dieser Hinsicht sogar zu einem Umdenken geführt haben.

Die Digitalisierung wandelt die Arbeitswelt schneller, neue Arbeitsmodelle und Formen der Zusammenarbeit verdrängen klassische Strukturen. "New Work bietet gerade für Frauen große Chancen, aber auch Risiken. Der Ausbruch der Corona-Pandemie wirkt dabei in vielerlei Hinsicht als Beschleuniger", so die Initiative Chefsache.

Das Netzwerk zur Förderung eines ausgewogenen Verhältnisses von Frauen und Männern in Führungspositionen hat mit zwei repräsentativen Umfragen im Januar und April 2020 untersucht, wie New Work sich auf die Chancengerechtigkeit auswirkt und ob die vergangenen Wochen in dieser Hinsicht sogar zu einem Umdenken geführt haben.

Die Ergebnisse:

Noch im Januar glaubten nur 31 Prozent der Erwerbstätigen, dass Männer und Frauen die gleichen Karrierechancen haben – Männer glaubten dies jedoch doppelt so häufig wie Frauen. Der Schritt ins Home Office und die Notwendigkeit, flexibel zu arbeiten – von heute auf morgen durch Covid-19 erzwungen – das hat die Akzeptanz von Maßnahmen, die die Chancengerechtigkeit von Männern und Frauen fördern, spürbar verbessert. So sagen 40 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im April, dass die Akzeptanz für mobiles Arbeiten gestiegen ist und 30 Prozent sehen eine größere Bereitschaft, sich mit flexiblen Arbeitszeitmodellen auseinanderzusetzen. Bei den Führungskräften ist die Akzeptanz für diese Maßnahmen sogar noch stärker gestiegen: 46 Prozent beim mobilen Arbeiten und 35 Prozent in Bezug auf die flexiblen Arbeitszeitmodelle.

Durch Covid-19 kam es zu einer Angleichung der Nutzung von mobilen Arbeiten: Waren es vor der Krise deutlich mehr Männer, die dieses Angebot genutzt haben (40 Prozent der Männer und nur 29 Prozent der Frauen), sind es in der Krise 52 Prozent und 46 Prozent. Frauen arbeiten jetzt also ebenfalls verstärkt von Zuhause aus.

Auch das Ansehen von Home Office ist gestiegen: 94 Prozent der Beschäftigten sehen selbst im belastenden Kontext der Ausgangsbeschränkungen und geschlossener Schulen und Kindergärten positive Seiten am Arbeiten von zu Hause aus – diese Einschätzung gilt für Männer und Frauen genauso wie für Führungskräfte und Angestellte. Die Top-Argumente: 62 Prozent der Befragten halten die flexiblere Ausgestaltung des Arbeitstages für einen großen Vorteil neben dem Arbeiten ohne Ablenkung (58 Prozent), wobei letzteres vor allem auf Angestellte ohne Kinder zutrifft.

Das Umdenken der Führungskräfte spiegelt sich auch in der Zufriedenheit mit der Arbeit der Mitarbeitenden wider. Jede zweite Führungskraft (55 Prozent) ist während des Corona-Lockdowns mit der Arbeit der Mitarbeitenden im Home Office im Vergleich zur Präsenzarbeitszeit zufrieden. Auch das Teilzeitmodell wird von immerhin 22 Prozent der Führungskräfte stärker akzeptiert als vor der Krise.

"Anhänger der altgewohnten Präsenzkultur haben während der Corona-Krise gelernt, dass es auch anders geht. Das wird in der Arbeitswelt zu großem Umdenken führen", sagt Peter Fieser, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei Hensoldt und Mitglied der Initiative Chefsache. "Wir gehen davon aus, dass es in Zukunft eine Art Hybridkultur geben wird", ergänzt Renate Wagner, Vorstand des Chefsache-Mitglieds Allianz SE. "Im Idealfall wird das New Normal das Beste aus beiden Arbeitsformen sinnvoll kombinieren."

Der Wegfall etablierter Kinderbetreuungsmodelle während des Lockdowns bedeutet vor allem für Eltern mit jüngeren Kindern eine große Belastung. "Um diese zu kompensieren, müssen flexible Arbeitszeitmodelle gefunden werden, die die Last nicht einseitig zu Ungunsten der Frauen verteilen und somit eine Rückkehr in traditionelle Rollenverhältnisse fördern. Die Ergebnisse der Befragung stimmen in dieser Hinsicht vorsichtig positiv – während der Corona-Pandemie übernehmen Väter mehr Verantwortung", so die Inititative Chefsache.

42 Prozent der Eltern mit betreuungsbedürftigen Kindern sagen demnach, dass sie sich im Home Office gleichermaßen um die Kinderbetreuung gekümmert haben – das von Eltern mit zu betreuenden Kindern am häufigsten gewählte Modell. Zudem werden alternative Arbeitsformen von Vätern anders bewertet: 35 Prozent in der Vollzeit arbeitenden Väter denken wegen der Krise vermehrt über ein Teilzeitmodell nach. Ebenso denken viele Väter, die vor der Krise nicht flexibel gearbeitet haben, nun vermehrt über die Nutzung flexibler Arbeitszeitmodelle nach. Hauptgrund für diese Überlegungen sind in beiden Fällen die verstärkte Unterstützung im eigenen Haushalt und bei der Kinderbetreuung.

"Trotz aller Belastungen, Unsicherheiten und gravierenden wirtschaftlichen Folgen dieser Krise: Wir beobachten im Hintergrund einen Wandel der Prioritäten hin zu mehr Flexibilität, was eine ausgewogene Verteilung der Karrierechancen beider Partner begünstigen kann", sagt Julia Sperling, McKinsey-Partnerin und Chefin des Koordinationsteams der Initiative Chefsache.

Taugt das Home Office auch als dauerhafte Alternative zur Arbeit vor Ort? Die Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass flexible Modelle die präferierte Option sind: Obwohl 72 Prozent der Beschäftigten mit ihrer Arbeit im Home Office zufrieden waren, wünschten sich Anfang April 75 Prozent der Arbeitnehmenden sich auch gewohnte Arbeitsabläufe zurück – egal ob Männer oder Frauen. Die mit Abstand wichtigsten Gründe dafür: persönlicher Austausch mit Kollegen (63 Prozent), einfachere Kommunikation innerhalb des Teams (51 Prozent) und einfachere Kooperation (51 Prozent).

“In Zeiten der Corona-Pandemie ist mobiles und flexibles Arbeiten über Nacht zum neuen Normalzustand geworden. Im Home Office sind Kollegen und Kunden nur noch einen Videoanruf voneinander entfernt. Die große Aufgabe für Führungskräfte wird sein, die neuen Formen der Arbeitsflexibilität auch dauerhaft im eigenen Unternehmen zu ermöglichen und als wichtigen Hebel für mehr Vielfalt und mehr Chancengleichheit aktiv zu fördern," erklärt Philipp Justus, Managing Director Google Deutschland und Mitglied der Initiative Chefsache.

Hintergrund: Schirmherrin der Initiative Chefsache ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. Treibende Kräfte sind Geschäftsführungsmitglieder und Vorstände von Unternehmen sowie Leiterinnen und Leiter wissenschaftlicher, sozialwirtschaftlicher und öffentlicher Einrichtungen. Mit neuen Ideen und Konzepten will die 2015 gegründete Initiative ein Umdenken in der Arbeitswelt herbeiführen. Die Mitglieder des Netzwerks sind: Airbus, Aktion Mensch, Allianz, BASF, Bayer, Bundesministerium der Verteidigung, Deutsche Bahn, Deutsche Post DHL Group, Deutsche Telekom, EnBW, Evonik, Fraunhofer-Gesellschaft, Google, Hensoldt, IBM, Kion Group, Landesbank Baden-Württemberg, Max-Planck-Gesellschaft, McKinsey & Company, NDR, RWE, Siemens, TÜV Rheinland, Volkswagen, WAREMA Renkhoff und Die Zeit.

Ein Factsheet zu den Ergebnissen der Umfrage gibt es hier.

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