Digitalchef Yannick Dillinger: Wir haben sehr viele Inhalte frei zugänglich gelassen

 

Yannick Dillinger ist Digitalchef der Augsburger Allgemeinen. Innerhalb der kress pro-Titelgeschichte über den Digitalverkauf in Corona-Zeiten sagt Dillinger, wie er Reichweite in bezahlte Digitalabos wandelt und wie man jetzt grundsätzlich Digital-Inhalte verkaufen muss.

kress pro: Welches Paid-Modell verfolgen Sie grundsätzlich? Mit welcher Preis-Strategie? 

Yannick Dillinger: Bei der Augsburger Allgemeinen haben wir ein FreemiumModell. Sprich: Ausgewählte Inhalte stehen Abonnenten exklusiv zur Verfügung. Print- und E-Paper-Leser zahlen 1,99 Euro im Monat zusätzlich, um Zugriff auf die digitalen Inhalte zu bekommen. Ein reines Digitalabo kostet 9,99 Euro im Monat. Zudem gibt es auf unseren digitalen Portalen eine kostenlose Registrierungsfunktion, über die sich Nutzer Zugang zu Services freischalten können. In diesem Jahr überarbeiten wir unser Freemium-Modell. Bei allen Aktivitäten schauen wir auf die Summe, die unterm Strich rauskommt. Die gleichzeitige Steigerung von Reichweite und Abos sowie der Ausbau der Markenbekanntheit sind die entscheidenden Ziele. In allen drei Bereichen erzielen wir gerade überaus ermutigende Ergebnisse als Team aus Verlag und Redaktion. 

kress pro: Mit welchen Maßnahmen und Methoden gelingt es Ihnen, Reichweite in bezahlte Digitalabos zu wandeln?

Dillinger: Das gelingt für uns nur nachhaltig, "on the long run". Der Schlüssel sind loyale Kundenbeziehungen. Ein Spontankäufer ist im Zweifelsfall nur an einem einzelnen Inhalt interessiert und springt nach der Lektüre wieder ab. Ein überzeugter Kunde dagegen hält uns für unverzichtbar in seinem Alltag. Letzteres ist eine deutlich bessere Voraussetzung für eine lange, intensive Bindung. Deshalb zielen unsere produktseitigen Maßnahmen darauf ab, das Nutzungserlebnis zu ritualisieren und damit zu intensivieren.

kress pro: Wie haben sich die Absatzzahlen im März und April entwickelt?

Dillinger: Wir haben im März einen Plus-Hype erlebt und so viele Abos verkauft wie nie zuvor. Die Menschen wollten gefühlt alles zu Corona lesen. Im Unterschied zu anderen haben wir aber sehr viele Inhalte frei zugänglich gelassen. Wir sind Anhänger der Theorie, lieber langfristig Interesse zu wecken und gesund zu wachsen, als Spontankäufe zu provozieren und sich im Nachhinein über eklatante Churn-Rates zu ärgern. Bei uns ist die Kündigerquote nur im überschaubaren Maße gestiegen. Die Reichweite ist explodiert. Im April ist das Kaufinteresse zurückgegangen, liegt aber - wie schon im Januar und Februar - deutlich über Plan. Ebenso die Reichweite, die sich auf hohem Niveau stabilisiert hat.

kress pro: Welchen Tipp haben Sie grundsätzlich, um Digital-Inhalte zu verkaufen?

Dillinger: Klingt profan, ist aber essenziell: tief in die Daten einsteigen, Überthemen definieren, Einzelmaßnahmen ableiten, technische Grundlagen schaffen, in Journalismus investieren, intensiv und offen mit anderen Abteilungen zusammenarbeiten, Redaktionen coachen, Lesern zuhören und die Produkte permanent hinsichtlich Inhalt-Ausrichtung, Performance und Zugänglichkeit überprüfen. Nicht den schnellen Gewinn einstreichen, sondern ausdauernd sein, durch anhaltend gute Angebote überzeugen. Yannick Dillinger, Digitalchef der Augsburger Allgemeinen: "Unsere Maßnahmen Aktivieren, distribuieren, diskutieren.

Was Digitalprofis jetzt raten: Auf welche Modelle sie setzen. Mit welchen Methoden sie Kunden gewinnen und wie sie sie halten. Dazu: Wie Medienhäuser nach der Corona-Krise vom Absatz-Boom in Netz profitieren. Die wichtigsten Learnings der Macher und Paid Experten.

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