Nachhaltig in die Verlustzone geraten: Spiegel beendet bento und baut neues U30-Angebot neu

11.06.2020
 

Die Spiegel-Gruppe stellt bento als Marke und eigenständiges Ressort des Spiegel im Herbst ein. 16 Redakteurinnen und Redakteure sind von der Auflösung des jungen Magazins betroffen. Unter dem Arbeitstitel Spiegel Start baut der Verlag derzeit ein neues Angebot für die Zielgruppe U30 auf.

Stefan Ottlitz, Leiter der Produktentwicklung beim Spiegel, begründet die Einstellung von bento so: "Es ist großartig, wie schnell, mutig und professionell die jungen Redakteurinnen und Redakteure die Marke bento aufgebaut und mit Leben gefüllt haben. Umso schmerzhafter ist es zu sehen, dass trotz dieses großen Engagements und guter erster Jahre die wirtschaftlichen Aussichten für bento nicht mehr gut sind." bento als eigenständiges, rein werbefinanziertes Angebot mit großem Team ist - verstärkt durch die Erlösverluste in der Coronakrise - nachhaltig in die Verlustzone geraten." Durch die weiter entfernte Positionierung vom Spiegel sei eine Flankierung durch Pay-Modelle nicht realistisch. Eine stärkere Verankerung des Spiegel in jungen Zielgruppen inklusive Spiegel+ sei allerdings Teil der Unternehmensstrategie und erfordere eine Neuausrichtung des U30-Angebots. 

Der Spiegel will demnach seinen Markenkern noch stärker in der U30-Zielgruppe verankern und sein Geschäftsmodell - aus Leser- und Werbefinanzierung - in die nächste, junge Generation ausweiten. So soll neben wachsenden Vermarktungserlösen auch das Wachstum von U30-Abos beim Bezahlangebot Spiegel+ ausgebaut werden.

"Die Zielgruppe der unter 30-Jährigen ist für den Spiegel relevant - und der Spiegel ist für diese Zielgruppe relevant. Analysen zeigen, dass auch junge Menschen unter 30 den Spiegel mit aktuellen politisch-gesellschaftlichen Themen assoziieren und ihn als Quelle glaubwürdiger Information schätzen", so Spiegel-Chefredakteurin Barbara Hans. Die Zielgruppe wünsche sich vom Spiegel Orientierung: zu Fragen rund um Studium und Jobeinstieg. Ein darauf zugeschnittenes Angebot will man nun mit Spiegel Start entwickeln. 
 
Spiegel Start (zurzeit noch ein Arbeitstitel) soll die Marke bento, seit 2015 das junge Magazin vom Spiegel, ablösen. bento war als eigenständiges Nachrichtenportal konzipiert, eine inhaltliche Neuausrichtung gelinge unter dieser Marke deshalb nur schwer, heißt es beim Spiegel. 

Das neue Spiegel Start-Redaktionsteam soll im Ressort Job & Karriere verankert sein und sich eng mit den anderen Ressorts koordinieren. Geplant ist auch ein gedrucktes Supplement "Spiegel Start", das schon mit der bento-Redaktion entwickelt wurde und künftig vierteljährlich dem Spiegel beiliegen und an Hochschulen verteilt werden soll.  
 
bento als Marke und eigenständiges Ressort des Spiegel wird im Herbst eingestellt. Von der Auflösung sind 16 Redakteurinnen und Redakteure betroffen, Spiegel Start wird mit fünf neuen Arbeitsplätzen beginnen. Betriebsbedingte Kündigungen will die Geschäftsleitung gemeinsam mit dem Betriebsrat "möglichst vermeiden". 

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