Vertriebschefin Christina Dohmann: Wir können uns bei G+J über sehr gute Zahlen freuen

12.06.2020
 

Christina Dohmann, G+J Chief Distribution Officer, spricht über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Vertriebsmarkt und darüber, welche Trends sie in den kommenden Monaten sieht.

Der stern verkaufte während der Corona-Zeit nach Angaben von Christine Dohmann zum Beispiel sieben Ausgaben über Vorjahr und zwei genau auf Vorjahr. Und im Abo wartet die Vertriebsmanagerin mit dieser Zahl auf: In der Hochphase des Shutdowns im April seien über alle Titel hinweg 66 Prozent mehr Abos generiert worden als im Vorjahresmonat.

"Corona trifft den Vertriebsmarkt auch insgesamt überwiegend positiv, obwohl es natürlich in den einzelnen Vertriebssparten Unterschiede gibt. Generell erleben wir, dass Menschen mehr Zeit zum Lesen haben und gerade jetzt auf der Suche nach vertrauenswürdigen Medien und Marken sind. Negative Effekte gibt es natürlich auch: Der Handel kämpft mit den Auswirkungen der Geschäftsschließungen und mit dem stark rückläufigen tourismus- und saisonbedingten Auslandsgeschäft", so Dohmann.

Diese G+J-Segmente profitieren besonders von der derzeitigen Lage: Der stern stille das starke Informationsbedürfnis, den Bedarf nach sinnvoller Beschäftigung von Kindern deckten die Kinder-Titel hervorragend ab. Titel, die inspirieren und einen auf anderen Gedanken bringen, performten ebenfalls außerordentlich gut, wie z.B. stern Crime, Brigitte, Schöner Wohnen, Capital oder 11 Freude. Es gebe aber natürlich auch Titel, die zu kämpfen hätten: Das gekte etwa für die Reisetitel, aber auch für Marken, die vor allem im Bahnhofsbuchhandel oder Buchhandel gut verkaufen, denn die Geschäfte dort öffneten ja gerade erst wieder, berichtet Dohmann.

Warum das Abo mit Beginn der Corona-Krise "einen wahren Boost erlebt und ganz deutlich über Plan liegt", erklärt Dohmann so: "Das hängt sicher damit zusammen, dass wir Menschen zurzeit einfach viel besser erreichen, und zwar über alle Kanäle: von Social Media bis Telefonmarketing. Besonders wichtig sind auch die Einsprünge über unsere reichweitenstarken Websites, denn User*innen, die bereits in unserem Markenkosmos sind, konvertieren auch besonders gut in Käufer*innen. Auch die super Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen des zentralen Marketings sowie mit RTL pusht das Abo: Über Radio- und TV-Spots haben wir seit der Corona-Zeit eine große Reichweite nutzen können, aus der enorm viele neue Kontakte entstanden sind, die wiederum sehr gut in Abos gewandelt werden können."

Im Einzelverkauf geht G+J in seinen Prognosen bis zum Jahresende von Verlusten aus, da einige Vertriebssparten wie Flughäfen, Bahnhofsbuchhandel oder das Auslandsgeschäft durch Corona verloren haben. Dagegen lielfen positive Entwicklungen im Grosso, das grundsätzlich etwa 80 Prozent aller G+J Einzelverkaufserlöse ausmache. "Hier sind Supermärkte und Discounter die deutlichen Corona-Gewinner und genau davon profitieren viele unserer Marken", unterstreicht die CDO, Christian Dohmann.

Auch das Digitalabo-Geschäft floriert - Zahlen dazu hatte Dohmann bereits in der Mai-Ausgabe von kress pro genannt. "Seit Corona konnten wir unsere Plus-Abos mehr als verdoppeln, im Vergleich zu der Zeit davor stiegen die Neuabschlüsse um fast 150 Prozent. Besonders stern Plus profitiert stark und generiert durchschnittlich 80 Prozent mehr Abos pro Tag als vor der Krise. Auch unsere eMags entwickeln sich erfreulich: Allein im iTunes AppStore verzeichnen wir über alle G+J-eMags hinweg eine Steigerung um ebenfalls 30 Prozent." Das Erfolgsrezept unserer Paid-Angebote hänge nicht nur mit Corona zusammen: "Es basiert auf der engen Zusammenarbeit zwischen Redaktionen, Produktverantwortlichen und Vertrieb, der Arbeit an Sprungstellen sowie dem Angebot von immer mehr hochrelevanten Inhalten", so Dohmann.

Dohmanns Prognose für die kommenden Monate: "Eine Unbekannte ist die Entwicklung der Nachfrage im zweiten Halbjahr. Persönliche wirtschaftliche Unsicherheiten könnten zu nachlassendem Kaufverhalten führen, was wir wohl als Erstes im Einzelverkauf sehen würden. Kurzfristig erwarten wir erstmal eine stärkere Nachfrage in den Sommermonaten, vor allem in den deutschen Urlaubsregionen, einfach weil die Menschen regionaler reisen werden. Und genau darauf bereiten wir uns gerade gemeinsam mit dem Handel vor."

Die G+J-Vertriebschefin glaubt, dass sich die Arbeit im Vertrieb dauerhaft verändert wird: "Mit Blick auf den Markt sehen wir bereits heute: Corona beschleunigt existierende Trends und Entwicklungen, vor allem die Digitalisierung. Nicht nur die Art, wie wir arbeiten, auch wie wir kaufen und konsumieren. Strategisch bedeutet das für uns: noch mehr eCommerce und Kundenzentrierung! Der direkte Kundenkontakt wird immer wichtiger, denn je mehr Kontakte wir haben und je mehr wir über diese Kontakte wissen, umso besser können unsere Marken wirken."

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Welche Artikel Leser ins Digitalabo ziehen, hat Christian Dohmann, Chief Distribution Officer bei Gruner + Jahr, in der Mai-Ausgabe von kress pro genannt. Darin beschäftigt sich das Magazin für Führungskräfte in Medien auf mehr als 30 Seiten mit dem Top-Thema der Stunde: dem Digitalverkauf in Corona-Zeiten. Sie können kress pro 4/2020 in unserem Shop kaufen.

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