GQ-Co-Chef Joko Winterscheidt im Interview: Ich soll auch alte Krusten aufbrechen

 

Wie bindet man einen TV-Star bei GQ ein? Und was kann er für ein Magazin im Umbruch eigentlich leisten? Joko Winterscheidt, neuer "Chief Curiosity Officer" von GQ, und sein Chief Creative Director André Pollmann berichten im kress pro-Interview vom Aufbruch in der Männerwelt.

kress pro: Herr Winterscheidt, mitten in Ihre Antrittszeit bei GQ trafen die verschärften Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Krise. Trotzdem: Wie haben sich denn für Sie die Arbeitsabläufe eingespielt und wie lange wird es dauern, bis Sie Ihre feste Rolle an der GQ-Spitze gefunden haben?

Joko Winterscheidt: Ich wusste natürlich schon vorher, auf was wir uns da einlassen. Meine Rolle ist tatsächlich bei einer Zeitschrift etwas eher Ungewöhnliches, auf das ich aber großen Bock habe. In der Kürze der Zeit haben wir, denke ich, schon gute Fortschritte gemacht. Wir sitzen im Moment jede Woche sehr aktiv in unterschiedlichen Konstellationen in Konferenzen - derzeit natürlich in Videokonferenzen - zusammen.

kress pro: Sie tragen als "Chief Curiosity Officer" die Neugierde auf Fragen, die zu klären sind, im Titel. Wie kommen Sie selbst mit der doch etwas ungewöhnlichen Nebenberufsbezeichnung zurecht?

Winterscheidt: Form follows function. Deswegen wurde nicht erst der Titel geprägt und dann eine Person dafür gesucht. Ich hatte mich schon seit einiger Zeit mit Condé Nast unterhalten und besprochen, ob es Sinn machen würde, für dieses Haus zu arbeiten - in einem Bereich, bei dem ich wirklich helfen kann und auf den ich auch tatsächlich Lust habe. Bei der Frage, was ich beisteuern kann, kamen wir immer wieder auf meinen anderen Blickwinkel. Anscheinend spürte man bei mir die Neugierde, Themen anzufassen, die so bei Condé Nast noch nicht stattgefunden haben. Neugierde steht nun auch in meinem Job-Titel. So einfach kann es sein.

kress pro: Ein wenig schmunzeln muss man aber schon dabei.

Winterscheidt: Klar. Ich als Erster. Aber in den USA gab es zuletzt immer wieder Berichte zu lesen, dass viele Führungspersönlichkeiten sich dadurch auszeichnen müssen, neue Wege zu erschließen und ihre Häuser radikal zu öffnen. Aus dieser Tradition heraus entstand nach und nach der Begriff Chief Curiosity Officer. Ob er auch für uns eine gute Idee ist, darüber kann man streiten. Am Ende des Tages kann man nur sagen: Ich habe die wunderbare Aufgabe, an der großartigen Marke GQ mitzuarbeiten, und darf dabei von meiner Seite alles in die Diskussion geben, was ich denke und glaube, was ihr noch fehlt. Ob meine Ideen dann so übernommen werden oder nicht, muss Condé Nast entscheiden. Ich wurde nicht geholt, um gegenüber der Redaktion diktatorische Maßnahmen einzuführen.

Tipp: Das komplette Interview mit Joko Winterscheidt und André Pollmann können Sie in kress pro lesen.

kress pro: Weil Sie selbst von der "Marke" sprechen: Wie weit dürfen Ihre Ideen über das gedruckte Heft oder GQ im Onlinebereich hinausgehen?

Winterscheidt: Die Offenheit der Diskussion, die wir führen, macht die Einzigartigkeit meiner Tätigkeit aus. Es geht darum, welche neuen Geschäfte man erschließen kann. Und wie man GQ neben der "Men of the Year"-Reihe noch stärker erlebbar macht. Neugierde heißt: Es ergibt keinen Sinn, in den alten Silos zu denken! Es geht um die Entscheidung, bestimmte Themen weiterzuführen, einige zurück zufahren und andere komplett neu zu entwickeln. Ich soll auch alte Krusten aufbrechen.

kress pro: In der Öffentlichkeit kennt man Sie vor allem als TV-Moderator. Heißt das, dass sie GQ künftig auf allen Veranstaltungen als eine Art Außenminister vertreten werden?

Winterscheidt: Wahrscheinlich zielen Sie darauf ab, dass ich jetzt so eine Art Aushängeschild oder Testimonial für das Medienunternehmen bin. So sehe ich mich nicht und so steht es auch nicht in meinem Vertrag. Ich komme stärker über den Inhalt. Natürlich werde ich bei Gelegenheiten, bei denen man öffentlich von GQ zu sehen und zu hören bekommt, ebenfalls anwesend sein. Aber ich bin nicht das Werbegesicht des Hauses.

kress pro: Sie waren ja auch vor Ihren neuen Tätigkeiten für Condé Nast ein vielbeschäftigter Mann, Herr Winterscheidt. Wie viele Tage pro Monat muss man als Chief Curiosity Officer für GQ im Kalender freiräumen?

Winterscheidt: Die Tätigkeit ist mit meinen bisherigen Verpflichtungen zu vereinbaren, auch wenn mein Kalender tatsächlich durchaus voll ist. Wir haben feste Tage, die ich für uns reserviert habe. Es gibt immer auch Fälle, in denen ich mal spontan für drei Stunden bei Condé Nast vorbeischaue, wenn es wichtig ist und passt. Tatsächlich, so spontan? Winterscheidt: Warum denn nicht? Wechselseitig habe ich natürlich auch immer für drei schnelle Fragen zwischendurch Zeit - vor allem, wenn ich sie wie jetzt aus dem Homeoffice bearbeiten

kress pro: Sie haben selbst Ihre Vergangenheit beim eingestellten JWD-Magazin von Gruner + Jahr erwähnt. Inwieweit unterscheiden sich die Arbeiten bei GQ von Ihren Tätigkeiten dort, wo es ja "nur" um ein Printmagazin ging?

Winterscheidt: Es ist jetzt schon grundlegend anders. JWD war ja mein Magazin. Es spiegelte meine Welt wider. Zusammen mit meiner damaligen Redaktion versuchten wir einzufangen, was mich damals am meisten faszinierte. Ein Jahr lang haben wir im Vorfeld konzeptioniert, bevor die erste interne Ausgabe stand. Ein wunderbares Abenteuer, das viel Spaß gemacht hat! Bei GQ liegt der Fall anders: Hier existiert ja eine Historie - und die schon seit Jahrzehnten. GQ ist da für mich nicht nur eine Marke, sondern ein Lebensgefühl. Bei JWD drehte sich alles um das "ich, ich, ich". Bei der GQ geht es um eine eigene Welt. Trotzdem kann ich mir überlegen, was ich aus meinem eigenen früheren Magazin dafür mitnehme, dann aber passend zu GQ anwende.

Wie jeder in der GQ-Redaktion nun Print und Digital macht, wie es wirtschaftlich bei GQ läuft, wo investiert werden soll, was es mit "Men of Next Year", "GQ at Home" und "Joko klärt auf" auf sich hat, wie sich André Pollmanns Rolle bei Condé Nast "komplett verändert" hat, warum Joko Winterscheidt als "Brand" so eine wichtige Komponente ist, ob er als nächstes zum Spiegel wechselt.

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