Nach Werbevideo-Skandal: Bei VW muss niemand gehen

15.06.2020
 
 

Der Volkswagen-Konzern will Konsequenzen aus dem Skandal um ein Werbevideo für den Golf 8 ziehen. Dazu gehört der Aufbau eines unabhängigen Gremiums mit Diversity-Experten, wie der PR Report berichtet. CMO Jochen Sengpiehl bleibt auf seinem Posten.

Um sicherzustellen, dass im VW-Konzern künftig keine "unangemessenen Inhalte" mehr produziert und veröffentlicht werden, hat der Vorstand Folgendes beschlossen:

1. Prozessverbesserung durch Etablierung eines festen Freigabe-Checkpoints auf Unternehmens- und Agenturseite. Dafür wird ein unabhängiges Board mit Diversity-Expert*innen geschaffen, die nichts mit dem Kreativprozess zu tun haben, sondern kreative Inhalte nur auf potenziell verletzende, diskriminierende und anderweitig kritische Elemente checken und filtern.

2. Deutliche Stärkung der Schulungen im VW-Team und auf Agenturseite zum Thema Ethik und Kultur.
3. Sicherstellung von Heterogenität und mehr Diversität bei der Teamzusammensetzung.
4. Schaffung einer übergreifenden Social Media Organisation zur besseren Reaktion und Steuerung.

Zuvor hatte die Konzernrevision den Fall des Instagram-Spots "Petit Colon" untersucht und dafür nach VW-Angaben etwa 400 Dateien mit mehr als 16,5 GB Datenvolumen ausgewertet. Außerdem führte sie Gespräche mit Mitarbeitern aus den Bereichen Marketing, Beschaffung und Recht sowie mit den beteiligten externen Agenturen. Fazit: "Danach können wir sagen, dass hier keinerlei rassistische Intentionen eine Rolle gespielt haben", so Hiltrud D. Werner, Konzernvorständin für Integrität und Recht. Allerdings seien "fehlende Sensibilität und prozessuale Fehler" erkannt worden.
 
Im Vorfeld des Vorstandsbeschlusses hatte es Spekulationen gegeben, Marketingchef Sengpiehl müsse seinen Hut nehmen. So kam es nicht. In einer Stellungnahme bittet der CMO die Öffentlichkeit um Entschuldigung: "Wir haben die rassistischen Elemente dieses Videos nicht erkannt. Für diesen Fehler bitte ich, auch im Namen des Teams, um Entschuldigung." Er werde "persönlich dafür sorgen, dass die beschlossenen Konsequenzen im Tagesgeschäft umgesetzt werden".
 
Hintergrund: In dem Clip war ein schwarzer Mann von einer weißen Hand in ein Haus geschubst worden, über dem "Petit Colon" stand. In der sukzessiven Einblendung der Buchstaben für den Schriftzug "Der neue Golf" war eine Sequenz sichtbar, die dem Betrachter eine Kombination der Buchstaben zum Wort "Neger" ermöglichte.

Tipp: Warum PR-Profis eine gespaltene Persönlichkeit haben sollten - Gedanken zu den Skandalen bei Adidas und Volkswagen.

Der PR Report erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Zum aktuellen Heft ("Der große Wandel kommt erst noch") geht es hier entlang.

Sie möchten exklusive Medienstorys, Jobkolumnen und aktuelle Top-Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

 

Ihre Kommentare
Kopf

Anne-K. Schulze

15.06.2020
!

Es ist einfach nur ein völlig dummes und überflüssiges „Werbevideo“ - dessen Botschaft sich einem nicht mal erschließt. Mit so was verkauft man keine Autos! Die Menschen, die diese Produktion abgenickt haben, sollten sich freiwillig einen neuen Job suchen... Zu allem, was VW in den vergangen fünf Jahren schon verbockt hat, ist das nur noch eine Peinlichkeit mehr! Was lernen die in Wolfsburg eigentlich in ihren teuren Führungsseminaren? Denkt da auch noch mal einer eigenständig nach???


X

Kommentar als bedenklich melden

 
×

Bestätigung

Dieser Kommentar wurde erfolgreich gepetzt.

×

Oooooooooops

Beim Petzen trat ein Fehler auf. Versuchen Sie es bitte noch einmal.

Inhalt konnte nicht geladen werden.