RTL-Inhalte-Chef Stephan Schäfer: Wir müssen der Werbeindustrie jetzt unsere Stärken zeigen

18.06.2020
 

Stephan Schäfer, Chief Content Officer der Mediengruppe RTL Deutschland, setzt darauf, dass der Werbemarkt jetzt wieder anzieht. Wolf Bauer, Ex-UFA-CEO und jetzt Produzent, fordert im Doppel-Interview in der FAZ "dringende Unterstützung" von der Politik: "Sonst sehe ich Unheil auf uns zukommen."

"Wir haben steigende Reichweiten wie schon lange nicht mehr, aber die Werbeeinnahmen sind stark zurückgegangen. Jetzt setzen wir darauf, dass der Werbemarkt wieder anzieht, da auch das gesellschaftliche Leben wieder begonnen hat, Geschäfte und Restaurants wieder öffnen", so Stephan Schäfer im Interview in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Unsere Aufgabe besteht darin, der Werbeindustrie zu zeigen, welche Stärken klassische Medien und große journalistische Marken wie die Fernsehsender in diesem Land haben und welches Vertrauen sie bei vielen Millionen Menschen genießen. Damit meine ich Fernsehen in all seinen heutigen Erscheinungsformen, vom linearen Sender über die Mediathek bis hin zum Streamingportal", sagt Schäfer im Gespräch mit Michael Hanfeld.

Der langjährige CEO der des Produktionsunternehmens UFA, Wolf Bauer, sieht derzeit eine Reihe von Shows, die ohne Zuschauer im Studio weiterlaufen. Aber das seien die Ausnahmen. "Ansonsten stehen alle Räder still. Die Hygieneauflagen, unter denen wir wieder loslegen könnten, stehen fest. Aber die Versicherungsbranche, die uns jahrzehntelang für Ausfallversicherungen Geld abgenommen hat, versagt uns die Unterstützung und versichert das Corona-Risiko nicht. Das ist aus meiner Sicht ein Systemversagen", so Bauer im FAZ-Interview. Er schaut mit Bewunderung, dass die Regierung in Österreich eine schnelle Lösung gefunden habe. Sie gibt laut Bauer Garantien für corona-bedingte Ausfälle bis Ende nächsten Jahres. Hierzulande schaffe man das offensichtlich noch nicht.

"Wir haben Zehntausende von Film- und Fernsehschaffenden, die darauf warten, ihren Beruf wieder ausüben zu können. Ich bin der festen Überzeugung, dass hier in den nächsten Tagen eine Entscheidung getroffen werden muss, damit die Branche wieder in Lohn und Brot kommt. Sonst wird es Arbeitslosigkeit, Firmensterben und einen Engpass im Programm geben", prophezeit Wolf Bauer. Er fordert dringend Unterstützung von der politischen Ebene, "und zwar jetzt": Im Sommer müsse wieder gedreht werden - fürs Fernsehen, aber auch fürs Kino. Die Bundesregierung müsse die für die Branche notwendige Ausfallbürgschaft übernehmen, "sonst sehe ich Unheil auf uns zukommen". Das Bürgschaftsrisiko schätzt Bauer auf achtzig Millionen Euro. Die Kosten, die bei Nichtbeschäftigung für die Sozialsysteme entstünden, sein sicher deutlich höher.

Was RTL-Manager Stephan Schäfer, der auch G+J-Vorstand ist, hoffnungsvoll stimmt: Man habe in den vergangenen Woche die Liveshows der Gruppe weiter durchbekommen. "Selbst ohne Studiopublikum waren die Reichweiten so hoch wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Mit Zuschauern im Studio ist die Unterhaltung selbstverständlich viel schöner. Aber hätte jemand gedacht, dass Wer wird Millionär? oder Let's Dance ohne Publikum im Studio noch erfolgreicher sind als vorher?"

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