"Freundin"-Doppelspitze: "Es gibt Momente, an denen man einfach nicht mehr kann. Und dann ist die andere da"

 

Sie haben sogar eine gemeinsame E-Mail-Adresse: Burdas Freundin-Chefredakteurinnen Mateja Mögel und Anke Helle glauben an einen kooperativen Führungsstil. Im kress pro-Interview sagen sie, warum das Thema Doppelspitze für sie ein zukunftsfähiges Arbeitsmodell ist, das sie vorleben wollen.

kress pro: Frau Helle und Frau Mögel, als Sie vor etwas mehr als einem halben Jahr als neue "Freundin"-Chefredakteurinnen vorgestellt wurden, hieß es, Sie seien so etwas wie Freundinnen. Hält es so eine Freundschaft aus, wenn man gemeinsam eine Redaktion steuert?

Mateja Mögel: Wir zwei verbringen sehr viel mehr Zeit miteinander als mit irgendjemand anderem - sogar mehr als mit unseren Männern. Wir haben eben eine sehr bedeutende Marke mit vielen Entscheidungen übernommen. Deswegen gibt es einen sehr engen Austausch zwischen uns. Wenn man Freundschaft so definiert, dass man sich viel sieht sowie ehrlich und offen miteinander umgeht, dann sind wir jetzt noch bessere Freundinnen.

kress pro: Trotz aller Spannungen, die eine Doppelspitze mit sich bringen kann?

Mögel: Der offene Umgang miteinander, der intensive Austausch, das Denken aus dem Team heraus und nicht von der Spitze herab: All das leben wir, und es ist der Grund, warum wir uns für diese Konstruktion entschieden haben. Im Alltag sagt ja schon die Tatsache, dass wir zu zweit auftreten, dass wir bei der "Freundin" teamorientiert arbeiten wollen. Wir schaffen das sehr gut. Auch im Gespräch können wir uns gut zurücknehmen. Wenn eine von uns eine Entscheidung getroffen hat, ist die andere schlau genug, da nicht noch etwas oben draufzusetzen. Wenn sie etwas anders sieht, diskutieren wir das untereinander vorab aus. So kann man dann rasch zum nächsten wichtigen Schritt übergehen.

Anke Helle: Wir haben uns in Entwicklungsredaktionen für Burda kennengelernt und schon damals rasch gemerkt, dass wir gut zueinander passen. Ich denke, wir ergänzen uns gut in dem, was wir können, obwohl wir als Typ und von unserer beruflichen Herkunft her unterschiedlich sind. In den vergangenen Monaten hat sich das sehr bestätigt: Wenn es darauf ankommt, sind wir einer Meinung. Wir mussten allerdings auch lernen, mit einer Stimme zu sprechen. Das gelingt zum Beispiel durch eine gemeinsame E-Mail-Adresse.

kress pro: Tatsächlich? Das ist ja ein doch recht weitreichender Schritt der Vertraulichkeit.

Helle: Ja, aber genau dieses Vertrauen braucht es, um wirklich als Doppelspitze arbeiten zu können. Alle Anfragen und Themen landen bei uns beiden. Eine von uns beiden reagiert jeweils darauf - und dann steht diese Antwort.

Mögel: Wir kommunizieren das auch nach außen und im Haus nach oben oder unten: Wenn eine von uns beiden antwortet, dann gilt das! Alles andere machen wir untereinander aus.

Tipp: Das komplette Interview mit den Freundin-Chefredakteurinnen können Sie in kress pro lesen

kress pro: Ihnen muss die Redaktion also nicht zwei Titelgeschichten- und Cover-Entwürfe je nach Gusto vorlegen?

Mögel: Natürlich nicht. Und gerade in solchen Grundsatzentscheidungen sind wir uns erstaunlich einig. Es herrschte von Beginn an Klarheit, in welche Richtung die "Freundin" mit uns gehen soll. Und wir sind ehrlicherweise bis heute selbst immer wieder erstaunt, wie eindeutig wir in den meisten Fragen beieinander sind.

kress pro: Es kann ja auch ein gewisser Luxus sein, nicht alle Entscheidungen bis ins letzte Detail allein verantworten zu müssen. Wie haben Sie sich denn die Aufgaben inhaltlich aufgeteilt?

Mögel: Das wird sich noch ergeben. Wir haben für den Anfang gesagt, dass wir beide alles zu 100 Prozent gemeinsam machen. Nur so kann auch tatsächlich mal die eine die andere vertreten, wenn sie vielleicht einmal früher nach Hause zu den Kindern geht. Wir sind beide Mütter. Die Grundidee ist, dass wir unsere Kinder auch sehen können, obwohl zu unserer Arbeit viele Abend- und Wochenend-Termine gehören. Das bedeutet aber auch, dass die Kollegin stets in allen Themen drin sein muss. Wir stehen vor der Herausforderung, Strukturen und Workflows zu schaffen, die es erlauben, dass jede von uns zu jeder Zeit über alles im Bilde sein kann. Egal von wo. Wenn eine ausfällt, kann die andere komplett einspringen. Langfristig möchten wir uns noch stärker aufteilen, um die Arbeitsbelastung besser zu verteilen.

kress pro: Normalerweise würde ja eine stärker an den Texten arbeiten, die andere eher an der Optik oder an der Dramaturgie des Heftes. Wie sieht Ihre Aufteilung aus?

Helle: Ich komme von "Neon" und "Nido", meine Leidenschaft sind Texte und Tonalitäten. Und die Frage, wie man ein Lebensgefühl in Texte bringt. Ich habe gelernt, wie man Stimmungen und Lebensgefühle in Texten und Produkten transportiert. Auf diesem Feld mache ich sehr viel, obwohl auch dabei Mateja immer ihren Input gibt. Genau wie bei Food-Themen: Natürlich ist Mateja dort die Fachfrau. Häufig ist aber gerade mein Laienblick hilfreich. Es gibt also Bereiche, den die eine oder die andere mehr im Blick hat. Mateja kümmert sich stark ums Cover. Aber gleichzeitig würde sie nie ein Cover ohne mich machen. Es gibt bei uns thematische Aufteilungen, aber die großen Entscheidungen treffen wir immer gemeinsam.

kress pro: Wie halten Sie es beim Editorial?

Mögel: Das schreiben wir gemeinsam. Es stehen auch beide Namen darunter und unsere E-Mail-Adresse. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir so oft wie möglich zu zweit auftreten wollen. Das ziehen wir auch bei unseren vielen eigenen Veranstaltungen durch oder wenn wir auf Panels sitzen. Das Thema Doppelspitze steht für uns für ein zukunftsfähiges Arbeitsmodell, das wir vorleben wollen.

Helle: Und es steht auch für unsere Marke. Zu Ihrer Frage, ob wir Freundinnen sein können: Wir haben in diesem halben Jahr gelernt, dass wir füreinander da sind. Wir passen wirklich aufeinander auf und versuchen, uns gegenseitig zu entlasten. Das habe ich so intensiv bislang in keiner Arbeitsbeziehung erlebt. Das ist ein wichtiger Teil dieser Doppelspitze, den wir auch im Heft immer wieder thematisieren. Wenn man sich zusammentut - das gilt besonders für Frauen, aber natürlich auch für Männer -, läuft es besser. Zusammen ist man stärker und kommt man auf bessere Ideen als alleine.

Mögel: Der Job fordert von uns sehr viel - auch emotional. Da gibt es Momente bei jeder von uns, an denen man einfach nicht mehr kann. Und dann ist die andere da. Ein echter Traumstart, auch was das Finden einer Richtung und von neuen Workflows geht, waren die Bedingungen, unter denen Sie antreten mussten, ja tatsächlich nicht.

kress pro: Kurz nach der Bekanntgabe Ihrer Personalien wurde die Redaktion ziemlich deutlich verkleinert. Es war zu hören, dass die gesamte Ressortleiter-Ebene abgeschafft wurde.

Mögel: Unsere Aufgabe ist es, dieses Magazin und die Marke zukunftsfähig zu machen. Es war uns dabei besonders wichtig, mit einem modern aufgestellten und agilen Team zu arbeiten. So dass auch die bestehenden Mitarbeiter langfristig an die "Freundin" glauben. Wir mussten uns also überlegen, wie wir den Wandel gestalten und gleichzeitig ein positives, motivierendes Umfeld für das Team herstellen.

kress pro: Wie kann Ihnen das gelingen?

Mögel: Klar, wir befinden uns im Umbruch. Und es wird auch noch eine gewisse Zeit dauern, bis alles wieder ganz glatt läuft. Aber wir sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. So hatte zum Beispiel die Ausgliederung der Grafik den Vorteil, dass wir digitaler arbeiten. Das bedeutet, wir sind an einen digitalen Workflow gebunden, der sehr gut funktioniert und der schneller und effektiver ist als zuvor. Und der es unseren Mitarbeitern gleichzeitig ermöglicht, flexibler - das heißt zum Beispiel auch von Zuhause - zu arbeiten.

Helle: Weil Sie die Abschaffung der Ressortleitungen angesprochen haben: Das war eine sehr bewusste Entscheidung, weil wir an flache Hierarchien glauben.

kress pro: Diese Formulierung wird ja gerne überstrapaziert.

Helle: Wir glauben an einen kooperativen Führungsstil. Wir sind keine Chefinnen, die sonnenkönigmäßig über die Köpfe der Leute hinweg Dinge entscheiden. Wir wollen im Gespräch und in der Teamarbeit mit unseren Leuten zusammen Dinge entwickeln. Deswegen war es uns tatsächlich ein Anliegen, flachere Hierarchien zu schaffen, um damit mehr Eigenverantwortung für jeden Redakteur zu fördern. Das ist schlicht zeitgemäßer.

kress pro: Erklären Sie das doch etwas genauer.

Helle: Wenn man modern arbeiten möchte, sollte man direkt mit den Mitarbeitern sprechen, um die individuellen Stärken zu fördern und unnötige Schleifen zu verhindern. Wir sind im Februar gemeinsam in den Bayerischen Wald gefahren, um auf Teamtagen das Team klarer zu strukturieren. Wir haben uns gefragt, was sind die Werte, die uns verbinden, und wollten herausfinden, wer was am besten kann und wie wir unsere Mannschaft so aufstellen, dass sich die richtigen Leute um die entsprechenden Bereiche kümmern. Diese Lösungen erarbeiten wir mit dem Team zusammen.

Mögel: Uns ist Vertrauen sehr wichtig. Wir wollen jedem einzelnen Mitarbeiter einen Vetrauensvorschuss geben - auch was die Gestaltung der eigenen Arbeit angeht. Wir glauben stark an eigenverantwortliches Arbeiten und fordern das auch ein. Wir sind überzeugt davon, dass so ein Ansatz sehr motivierend sein kann. Nur so bindet man die Leute langfristig ans Unternehmen und erreicht, dass sie gerne zur Arbeit gehen.

Wie arbeitet man ohne Ressortleiter? Wie führt man Themenkonferenzen? Wie organisiert man einen Traditionstitel um, wenn die Redaktion fast halbiert wird?

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