Warum Verlagsmanager Veit Dengler Bauer Media eine gute Krise bescheinigt

19.06.2020
 

Bauer-Media-Manager Veit Dengler sieht Positives inmitten der Corona-Pandemie. Was für den Verlag die drei großen Lektionen aus der Krise sind.

"Corona ist vor allem erst einmal eine Gesundheitskrise, die vielen Menschen Leid zugefügt hat. Darüber hinaus ist es eine potenziell ausgewachsene ökonomische Krise – je nachdem, wie tief der Einschnitt in der Wirtschaft ist und wie langsam oder wie schnell sich diese erholt. Ich glaube für uns, wenn man das so sagen darf: Bauer hat eine gute Krise", sagt Veit Dengler, COO der Bauer Media Group, im dpa-Interview. Man sei in der Regel immer einen Schritt voraus gewesen: "Zum Beispiel haben wir schon am 6. März entschieden, dass wir keine Geschäftsreisen mehr machen. Und auch wirtschaftlich haben wir schnell und entschlossen reagiert. Einige Entscheidungen haben wir aufgrund von Corona beschleunigt. Ich bin mir sicher: Wir werden gut aus der Krise herauskommen", so Dengler.

Vor allem ins Portfolio-Management ist zuletzt Bewegung gekommen: "Publishing geht etwas runter, aber wir glauben weiterhin fest an Publishing – und zwar dort, wo unsere Stärken liegen. Wir verteidigen das Kerngeschäft oder bauen es sogar aus. Zugleich ziehen wir uns dort, wo wir keine natürlichen Stärken haben, zurück. Das hat sich jetzt ein bisschen beschleunigt. Australien und Neuseeland waren zum Beispiel so nicht geplant", erklärt Dengler gegenüber Sven Gösmann und Anna Ringle von dpa.

Die Maßnahmen will der Bauer-Verlagsmanager nicht im Sinne einer Rückkehr nach Deutschland verstehen wissen: "Wir machen nur ungefähr ein Drittel unseres Umsatzes in Deutschland, zwei Drittel im Ausland. Und ich sehe nicht, dass das anders wird. Im Gegenteil. Was wir hier betreiben, ist Risikostreuung. Wir wollen uns nicht zu stark auf ein einzelnes Standbein konzentrieren. Und wenn Sie sich unsere jüngsten Zukäufe anschauen: Die waren in Ländern wie Dänemark, Israel oder UK", sagt Dengler.

Publishing und Radio seien für Bauer Media die großen Ergebnisbringer. "Und innerhalb des Publishing-Geschäfts gibt es Segmente, in denen wir historisch in allen unseren Märkten sehr stark sind. Das ist zum Beispiel der Bereich der TV-Zeitschriften und Zeitschriften für Frauen über 50. Da ergäbe sich logischerweise die Möglichkeit für Zukäufe. Auch muss es eine Art Marktbereinigung geben, wenn Märkte schrumpfen. Aber wir haben das Problem, dass das Kartellamt uns das extrem schwierig macht wegen der antiquierten Definition der Märkte."

Veit Dengler nennt im dpa-Gespräch drei großen Lektionen für Bauer aus der Corona-Krise: "Wenn Sie uns vor einem Jahr gesagt hätten, dass wir innerhalb von ein, zwei Wochen weltweit 90 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice haben, dann hätten wir gelacht, weil unsere Infrastruktur zum Teil noch ziemlich veraltet war. Aber: Es hat funktioniert, und zwar richtig gut! Die zweite Lektion ist: Natürlich hängen unsere Umsätze zu einem nicht unwesentlichen Anteil vom Werbemarkt ab. Aber der Werbemarkt ist halt ein Schön-Wetter-Freund. Das heißt, wenn es gut geht, dann kann es auch sehr gut laufen und wenn es schlecht geht, dann kann es sehr schnell runtergehen. Man braucht weitere Geschäfte und zusätzliche Umsatzquellen, um diese Risiken aus dem Werbemarkt abfedern zu können." Die dritte Lektion ist für Dengler, dass ein paar Themen jetzt in der öffentlichen Wahrnehmung akuter werden: "Zum Beispiel die Kartellgesetzgebung, das Medienrecht und dessen Anwendung auf Facebook, YouTube oder Instagram. Da muss sich was ändern. Und das wird durch die Krise beschleunigt."

Dengler rückt im Interview auch mit konkreten Zahlen raus: "Ich würde schätzen, vom Nettoergebnis werden wir ungefähr bei 70 Prozent von dem landen, was wir uns im Budget vor Corona vorgenommen hatten. Beim Umsatz werden es wahrscheinlich 90 Prozent sein." Dengler betont zugleich: "Wir haben nach wie vor einen sehr positiven Cashflow."

Zur Person: Veit Dengler (51) ist seit April 2018 bei der Bauer Media Group in der Konzerngeschäftsleitung tätig, seit April 2019 hat er die Funktion des Chief Operating Officer (COO) inne und verantwortet das gesamte operative Konzerngeschäft. Vor Bauer war Dengler mehrere Jahre seit 2013 CEO für die Schweizer NZZ-Mediengruppe, deren Flaggschiff die Neue Zürcher Zeitung ist. Der Manager arbeitete davor unter anderem für McKinsey und Dell. Dengler, gebürtige Österreicher, studierte an der Kennedy School of Government der Harvard University und an der Wirtschaftsuniversität in Wien. In Österreich war er 2012 an der Gründung der liberalen Partei "NEOS – Das Neue Österreich und Liberales Forum" beteiligt und zeitweise stellvertretender Vorsitzender.

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