Verleger Dunkmann: Ich bin entsetzt über das Verhalten in der Branche

22.06.2020
 

Der Lokalpresse-Präsident Robert Dunkmann kann nicht verstehen, dass Teile der Presse "sofort nach dem Staat schreien, sobald Probleme auftauchen". Dunkmann hat in seinem Verlag (Ostfriesen-Zeitung) alternativ einen freiwilligen individuellen Lohnverzicht umgesetzt, sagt er in der aktuellen Ausgabe des medium magazin.

medium magazin: Axel Springer, Gruner + Jahr, die Funke-Gruppe, Stuttgarter SWMH und viele andere Medienhäuser haben Kurzarbeit angemeldet. Ihre Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) dagegen nicht. Geht es Ihnen so viel besser?

Robert Dunkmann: Selbstverständlich haben auch wir unsere wirtschaftlichen Probleme mit der Pandemie. Aber wir haben keine Kurzarbeit angemeldet und werden das auch nicht tun. Ich möchte, dass wir die Krise nutzen. Und bin deshalb etwas entsetzt über das Verhalten in der Branche.

Inwiefern?

Es gibt aus gutem Grund das Gebot der Staatsferne zur Presse. Und die Zugriffszahlen zeigen überall: Unsere Medien sind in schwierigen Zeiten vom Leser gefragt wie nie. Da kann ich nicht verstehen, dass Teile der Presse - darunter die von Ihnen genannten - sofort nach dem Staat schreien, sobald Probleme auftauchen, und Kurzarbeitergeld beantragen.

Gilt das auch für eine staatliche Presseförderung wie in der Schweiz oder in Österreich, wo es eine Vertriebsförderung für Tages- und Wochenzeitungen und aktuell eine einmalige Sonderzahlung von 3,25 Euro pro Exemplar der 2019-Druckauflage gibt?

Zuschüsse im Vertrieb sehe ich durchaus positiv. Denn durch die Mindestlohngesetzgebung ist die Zustellung in Deutschland im ländlichen Raum wirtschaftlich fast unmöglich geworden. Der Lohnanteil dafür macht bei uns ein Drittel der Abogebühren aus.

Was tun Sie selbst, um die Krise abzufedern?

Ich habe - zusammen mit dem Betriebsrat - unserer Belegschaft einen Solidarpakt vorgeschlagen für einen freiwilligen individuellen Lohnverzicht - angelegt auf drei Monate, je nach Entwicklung kürzer oder auch länger. Als Leitlinie haben wir etwa fünf Stunden bei einer 35-Regelstunden-Woche vorgeschlagen. Bis zur Anmeldefrist am 9. April hatten sich über 90 Prozent für einen Verzicht auf durchschnittlich 4,6 Stunden bereit erklärt. Ich glaube nun mal nicht, dass wir staatliche Hilfe via Kurzarbeit brauchen, wenn wir unsere Arbeit richtig machen.

Was verstehen Sie jetzt unter "richtig"?

Diese Pandemie ist doch ein Booster der Transformation geworden. Und darauf müssen wir rasch reagieren. Bei der Zeitungsgruppe Ostfriesland haben wir als Erstes die Serverkapazitäten verdreifacht. Das war nicht überall der Fall. Zu Beginn der Pandemie-Quarantäne haben wir den ohnehin geplanten zweiten Newsletter, diesmal bei den "Ostfriesischen Nachrichten", gestartet. Die Redaktion war eigentlich gegen diesen Zeitpunkt, aber wenn nicht jetzt, wann dann? Prompt hat er am Erscheinungstag 979 Abonnenten gewonnen, inzwischen sind es weit über 1.000. Oder: Mangels Sportveranstaltungen flüchtet sich ein Teil in der Branche in Rückwärtsbetrachtungen über die Fußball-WM 1974 etc. Aber in einer Zeit, in der so viele Leute zu Hause sitzen, könnte man - auch im Regionalen - mal über E-Sports-Formate nachdenken, eigene Communitys gründen für Online-Gaming oder einen virtuellen Marathon starten.

Warum Dunkmann jetzt sogar neue Stellen ausschreibt. Warum der Verleger Sorge hat, dass einige in der Branche die Krise nicht überleben werden. Und warum der Verleger jetzt "Redaktionshelden" auslobt.

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Das MediumMagazin erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteurin ist Annette Milz.

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Zur Person: Robert Dunkmann (54) ist Gesellschafter-Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) in Leer. Seit 2014 ist er auch Vorstandsvorsitzender des Verbands Deutscher Lokalzeitungen (VDL), Berlin. Die verkaufte Auflage der ZGO (Chefredakteur: Joachim Braun) lag 4/2019 bei 52.000 Exemplaren.

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