Unternehmensberater: Ratgeber oder Schaumschläger?

 

kress pro hat exklusiv in einem Ranking die 25 wichtigsten Beraterinnen und Berater der Medienbranche ausgewählt. Chefredakteur Markus Wiegand beschreibt in seiner Kolumne die oft komplizierte Beziehung zwischen Medien-Führungskräften und Beratern.

Verlegerinnen und Verleger sind ja nicht selten in einer Lebensphase, in der sie die Welt schon mit einer gewissen Milde betrachten. Die meisten Säue, die da so durchs mediale Dorf getrieben werden, haben sie halt irgendwann schon mal gesehen.

Es gibt allerdings eine Frage, die auch bei vielen Eigentümern von Medienhäusern den Puls nach oben treiben kann. Sie lautet: "Arbeiten Sie mit Unternehmensberatern?" Dann folgt als Antwort nicht selten laut und energisch: "Nein!" Vor allem dann, wenn es um die Strategie eines Unternehmens geht. Denn die ist nach dem Selbstverständnis vieler Eigner ausschließlich Chefsache. Da sollten Fremde nicht mitreden. Schon gar nicht solche, die mit ihren Rollköfferchen heute hier und morgen da aufschlagen.

Eine gewisse Abneigung basiert auf Gegenseitigkeit. Viele Berater erzählen in Hintergrundgesprächen gerne, wie sehr ihnen beratungsresistente Eigentümer auf die Nerven gehen können, die alles besser wissen. Bis hin zu winzigen Details. Von der Digitalisierung allerdings verstünden viele wenig bis gar nichts.

Berater arbeiten daher lieber mit Managern zusammen, denn die pflegen oft einen pragmatischen Zugang zum Thema. Motto: Beratung muss helfen, Kosten zu reduzieren oder Erlöse zu steigern. Fertig. Dann lohnt sich der Einsatz. Aber auch aufseiten der Eigner bröckelt der Widerstand gegen die Beratungsbranche. Ein erfahrener Verleger erzählte vor wenigen Monaten in einem Telefonat beiläufig, er habe jetzt keine Zeit mehr, denn er müsse zu einem Meeting mit Unternehmensberatern. Dabei hatte mir der Mann jahrelang erzählt, er lasse grundsätzlich keine Berater ins Haus. Und jetzt das! Auf meine erstaunte Nachfrage antwortete der Verleger: "Die Zeiten ändern sich eben." Man könne die Transformation ohne die Beratung durch Spezialisten und Dienstleister nicht bewältigen.

Das ist vermutlich eine gesunde Einstellung, denn die Digitalisierung erfordert immer mehr Know-how, das kleine Häuser schlicht nicht vorhalten können. Dumm ist nur, dass der Beratungsmarkt ziemlich intransparent ist. Sowohl Berater als auch Auftraggeber pflegen ihr Verhältnis diskret im Hintergrund. Dazu kommt, dass sich auch die Eigenbeschreibungen von Unternehmensberatungen nicht selten so lesen, als hätte ein BWL-Student im dritten Semester die Buzzwords der Branche einfach mal zufällig angeordnet. Es ist also nicht ganz einfach, die Schaumschläger von den Profis zu unterscheiden.

Für das Ranking dieser kress pro-Ausgabe haben wir versucht, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Wir haben dazu mit namhaften Führungskräften und Eignern gesprochen und gefragt, wen sie empfehlen können. Denn das ist wohl die härteste Währung im Geschäft. Und siehe da: Es hat sich eine illustre Liste mit 25 Beraterinnen und Beratern gefunden (Seite 48).

Nach allem, was man hört, wird die Corona-Krise das Geschäft der Beratungen beflügeln. Der Druck, das Geschäft zu transformieren, wächst. Und gerade der Mittelstand der Branche beginnt erst, sich neu auszurichten.

Eine unterschätzte Voraussetzung, um die Corona-Krise zu bewältigen, ist Transparenz. Sonst wird es nicht gelingen, bei den mitunter harten Einschnitten die Mitarbeiter mitzunehmen. Vor allem in dieser Disziplin machte Matthias Bauer, CEO der Vogel Communications Group, im Strategiegespräch eine gute Figur. Wo andere rumeiern, nannte Bauer Zahlen. Vogel rechnet Corona-bedingt mit einem deutlichen Umsatzeinbruch (auf 80 Millionen Euro) in diesem Jahr und einem Verlust von 10 bis 12 Millionen Euro. Rund 80 Stellen von 650 spart das Unternehmen daher ein. Schön ist das nicht. Aber Bauer hat die Kosten damit bereits an das neue Umsatzniveau angepasst und kann jetzt nach vorn schauen, um neue Geschäftsfelder zu entwickeln (Seite 14). Berater hatte der junge Manager, gerade 39 Jahre alt, dabei übrigens nicht eingeschaltet.

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Der Rauch der Corona-Krise hat sich verzogen. Jetzt geht es um die schwierige Frage: Wie werden die Medienhäuser trotz Umsatzeinbrüchen von 20 Prozent und mehr fit für die Zukunft? Antworten finden Sie in der aktuellen Ausgabe von kress pro, die Sie in unserem Shop bestellen können.

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kress pro - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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