Christian Drosten geht in Podcast-Sommerpause - und erneuert seine Kritik an Bild

24.06.2020
 

Das "Coronavirus-Update" mit Christian Drosten ist nach der jüngsten 50. Folge in die Sommerpause gegangen. Der Leiter der Virologie an der Berliner Charité will allerdings bis Ende August nicht untätig bleiben. Auf Twitter erneuert Drosten seine Kritik an der Bild, die ihm die Zeit stehle.

"Sehr geehrter Herr Drosten (plus Ärtzeanrede bitte mitdenken). In Folge 50 klangen Sie für meine Ohren erstmals erschöpft und auch auf eine neue Art 'dünnhäutig'. Ich kann das so sehr nachvollziehen und gönne Ihnen die Podcast Pause sehr. Hoffentlich können Sie Akkus aufladen", schreibt "Poesiealbum auf Twitter.

Christian Drosten antwortet auf Twitter: "Das sind die nicht endenden, unterstellenden und aggressiven Anfragen der Bild-Zeitung. Fast jeden Tag kostet das mich, die Pressestelle der Charité, sowie zwei Medienanwälte Stunden unserer Arbeitszeit. Seit über einem Monat geht das so."

Drosten spielt dabei auf die Auseinandersetzung mit der Bild-Zeitung an, er wirft dem Springer-Blatt tendenziöse Berichterstattung vor. Bild-Chefredakteur Julian Reichelt sagt, die kritischen Berichte über die Arbeit Drostens seien gerechtfertigt. Der Vorwurf, Bild fahre eine Anti-Drosten-Kampagne, sei Quatsch. Vielmehr hätten andere Medien wie der Spiegel und die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine "üble Kampagne gegen die vollkommen legitime Berichterstattung" der Bild in Gang gesetzt, so Reichelt.

Der populäre NDR-Info-Podcast "Coronavirus-Update" mit Christian Drosten pausiert bis Ende August. Der Chef-Virologe will Urlaub machen und sich Forschungsfragen widmen. In der aktuellen, 50. Folge sagt Drosten: "Wir sind jetzt eigentlich in einer Zeit, in der man größere Projektpläne umsetzen kann. Ich kann gar nicht sagen, dass das in einem bestimmten Forschungsgebiet ist, sondern gerade im Moment kommt es auch zu der Verfassung der konkreten Arbeitspläne für das Universitätsnetzwerk. Da sind wir an Projekten beteiligt; ich leite selber keins dieser Projekte an. Aber das sind Verbundprojekte, wo jeweils mehrere Universitäten, Universitätsklinika beteiligt sind, da ist viel Planungsarbeit zu leisten. Wir haben interessante molekularbiologische, molekularvirologische Studien, die sich mit der Wirtsinteraktion beschäftigen, also was das Virus mit der Zelle anstellt, um in der Zelle zu überleben. Wir haben weiterhin interessante Daten zum MERS-Virus und laufende Studien zum MERS-Virus. Wir geben das nicht auf, das ist ein ganz anderes Coronavirus, auch mit Epidemiepotenzial, im Mittleren Osten verbreitet und in Afrika. Und ich mache mir Sorgen um Afrika ganz allgemein. Eine andere große Gruppe bei mir im Institut ist in Südamerika sehr engagiert. Auch da steht Forschungszusammenarbeit an. Denn dort wird, glaube ich, auch wirklich Hilfe gebraucht."

NDR Info will seine Hörerinnen und Hörer in der Zwischenzeit in seinem Podcast-Kanal nicht ganz ohne Informationen über das Coronavirus lassen: Deshalb soll NDR-Wissenschaftsredakteurin Anja Martini mehrmals mit einer Runde mit Forschern aus verschiedenen Fachdisziplinen zusammenkommen.

Drosten begrüßt das: "Ich habe immer darauf hingewiesen, dass wirklich die Breite der Wissenschaft gebraucht wird, nicht nur in der Virologie, sondern auch in den Nachbardisziplinen. Und dass natürlich auch in der Virologie nicht nur eine Stimme immer gehört werden sollte, sondern da gibt es ja auch andere Stimmen, die zu Wort kommen, zum Glück auch in der Öffentlichkeit."

Sie möchten exklusive Medienstorys, Jobkolumnen und aktuelle Top-Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.