Wie lange sparen die Zeit-Führungskräfte Rainer Esser und Giovanni di Lorenzo bei sich selbst?

 

Bei der Zeit haben Geschäftsführer Rainer Esser und Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ihre eigenen Bezüge gekürzt. Motto: Wir müssen den Gürtel jetzt alle enger schnallen. kress pro-Chefredakteur Markus Wiegand hält das für ein falsches Signal von Führungskräften in Krisenzeiten. Zur Kolumne.

die Als die "Zeit" im April Kurzarbeit in der Redaktion ansetzte, ging das intern nicht ohne Gemurre vonstatten. Vermutlich war das auch ein Grund, warum Geschäftsführer Rainer Esser und Chefredakteur Giovanni die Lorenzo mit gutem Beispiel vorangingen und ihre eigenen Bezüge für drei Monate um 25 Prozent kürzten. Als Signal: Wir müssen den Gürtel jetzt alle enger schnallen.

Wir lassen jetzt mal beiseite, dass dieser Verzicht aufs Jahr gerechnet nur 6,25 Prozent entspricht, und möchten stattdessen lieber unserem Unverständnis Ausdruck verleihen. Denn eigentlich ist das Signal fatal. Führungskräfte sind in den Krisenzeiten mehr gefordert denn je. Es ist gar nicht einzusehen, warum ein Chefredakteur und ein Geschäftsführer auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten sollten. Außer natürlich: sie sind überbezahlt.

Der Gehaltsverzicht offenbart ein zweites Problemfeld. Um die Geste und den Sparkurs tatsächlich beurteilen zu können, müsste man mehr über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens wissen. Über den Gewinn aber schweigt das Unternehmen beharrlich.

Nach gut unterrichteten Kreisen belief sich der Jahresüberschuss (nach Steuern) im vergangenen Jahr auf rund 20 Millionen Euro. Den Umsatz gab das Unternehmen mit 227 Millionen Euro an. Eines ist sicher: Durch den Corona-Einbruch werden die Zahlen in diesem Jahr deutlich schlechter ausfallen. Allerdings sollen die Vermarktungserlöse für den Herbst bereits wieder anziehen. Es ist durchaus möglich, dass die "Zeit" in diesem Jahr einen Gewinn im mittleren einstelligen Millionenbereich abwerfen wird. "Wir gehen davon aus, auch in diesem Jahr schwarze Zahlen zu schreiben", schreibt die "Zeit" auf "kress pro"-Anfrage.

Und dann stellt sich schnell die Frage, wie groß eigentlich die variablen Lohnbestandteile von Rainer Esser und Giovanni di Lorenzo sind. Zumindest auf der Management-Ebene sind hohe variable Vergütungen nicht ungewöhnlich. Vielleicht kann Rainer Esser ja seinen Bonus fürs Jahr sichern, indem er die Kosten runterfährt und das Jahr einigermaßen ins Trockene bringt, spekuliert man schon intern.

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In seiner jüngsten Kolumne "Aus unseren Kreisen" in kress pro beantwortet Chefredakteur Markus Wiegand auch diese Fragen: Zoffen sich das Handelsblatt und Gabor Steingart doch noch? Warum gibt Nicola Leibinger-Kammüller die Zeit heraus? Gibt es einen besseren Bild-Chef als Julian Reichelt? Wollte DuMont den Stadt-Anzeiger nie verkaufen? Sie können die neue kress pro-Ausgabe 5/2020 in unserem Shop kaufen.

 

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kress pro - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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