Berater Harald Müsse: Große Magazine wie das Handelsblatt werden überleben

07.07.2020
 

Der "Wirtschaftsjournalist" berichtet in seiner aktuellen Titelgeschichte über ein Millionenloch bei der Handelsblatt Media Group. Die Holding wolle jetzt alles auf den Prüfstand stellen. Auch Experte Harald Müsse sieht die Wirtschaftspresse stärker leiden als andere Mediensegmente. Was er Führungskräften empfiehlt und wann er Besserung erwartet.

Wirtschaftsjournalist: Herr Müsse, wird die Corona-Krise in der Wirtschaftspresse tiefere Spuren hinterlassen als in anderen Mediensegmenten?

Harald Müsse: Ich glaube schon. In Zeiten von Personalabbau und Kurzarbeit werden viele Unternehmen auf Werbung und ganz besonders auf Imagewerbung verzichten. Das zwingt die Wirtschaftspresse zum massiven Sparen. Auch das gesamte Veranstaltungsgeschäft fällt dieses Jahr aus und kann nur durch harte Sparmaßnahmen kompensiert werden.

WJ: Was sind gute Ratschläge und Rezepte, um sich gegen die Krise zu stemmen?

Müsse: Es empfiehlt sich, die Produktpalette genau zu prüfen. In guten Zeiten werden Portfolios immer ausgeweitet. Jetzt sollte man auf alles verzichten, was keine wirkliche Marktbedeutung hat. Außerdem gilt es, mit kreativen Ideen jetzt schnell in die Vermarktung fürs zweite Halbjahr einzusteigen. Mit viel Engagement kann man mehr als die stornierten Volumina und Beträge zurückgewinnen.

WJ: Wird es in der Wirtschaftspresse zu Einstellungen oder Übernahmen kommen?

Müsse: Nein. Das sehe ich nicht, höchstens kleine und regionale Titel. Die großen Magazine, ebenso das "Handelsblatt", gehören ja alle zu größeren Medienunternehmen und werden überleben. Krisen wie jetzt wirken innovationsbeschleunigend, heißt es oft.

WJ: Was können Verlage tun, was sollten sie sich trauen?

Müsse: Die Online-Angebote etablierter Printprodukte müssen teurer werden, außerdem sollte man über mehr Zielgruppen-differenzierte Angebote nachdenken. Je treffender einzelne Zielgruppen angesprochen werden, umso mehr sind die Informationen wert. Außerdem sollte man überlegen, ob auf Wirtschaft spezialisierte Medien nicht zum qualifizierten Lieferanten von Generalisten werden können.

WJ: Die Wirtschaftspresse galt lange als eine der wenigen Medienkategorien, die trotz Auflagenrückgangs als Printmedium geschätzt und genutzt werden. Erwarten Sie hier bald eine kräftige Erosion?

Müsse: Nein. Wirtschaft bleibt spannend. Alle großen Anbieter sind ja auch digital unterwegs und können hier sicher ihre Wertschöpfung optimieren. Was sind für Sie die drei wichtigsten Erkenntnisse für den Medienmarkt aus der Corona-Krise? Seriöse Information bleibt gefragt. Leistungsfähige Redaktionen sind eine Lebensversicherung. Die Medien können sich hervorragend ergänzen. Wichtig wird sein, dass die Verlage mutig agieren. Harald Müsse leitete bis 2006 die Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt.

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Der Wirtschaftsjournalist, das Magazin für Wirtschaftsjournalisten und PR-Manager, erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Wolfgang Messner.

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