Noten für Chefredakteure, Wirtschaftschefs und Korrespondenten: Wer hat überzeugt - wer nicht?

 

Erstmals wollte der "Wirtschaftsjournalist" von PR-Profis wissen, wer die besten Chefredakteure, Wirtschaftschefs und Korrespondenten im Land sind. Wem die Kommunikationsexperten ein sehr gutes Zeugins ausstellen und wer einen Denkzettel bekommt.

Welcher Chefredakteur, welcher Ressortleiter oder welcher Korrespondent einer internationalen Zeitung oder eines Magazins überzeugt die Kommunikatoren und PR-Berater am ehesten? Die Teilnehmer sollten Schulnoten vergeben - von sehr gut bis ungenügend. Schon bald war klar, dass wir uns nicht allein auf die Chefredakteure würden stützen können. Denn gerade bei großen Blättern prägt der Ressortleiter die Ausrichtung und die große Linie in der Wirtschaftsberichterstattung mehr als der Chef. Also mehr Uwe J. Heuser als Giovanni di Lorenzo bei der "Zeit".

Bei den ausländischen Wirtschaftsmedien haben wir nach den Korrespondenten in Deutschland gefragt. Natürlich ist unsere Liste unvollständig. Wir wollten hier keine Rangfolge der Besten der Besten schaffen. Dazu fehlen zu viele gute Wirtschaftsjournalistinnen und -journalisten. Diese Auszeichnung bleibt der Wahl zum "Wirtschaftsjournalist des Jahres" vorbehalten. Da lassen wir auch die Kolleginnen und Kollegen abstimmen und nicht die Seite der PR und Kommunikation. Die Idee war eher, einmal die Vertreter der anderen Seite zu fragen, wer einen guten Job macht, wer auf Chefebene innovativ und kreativ ist, wer kompetent und kritisch berichtet und darüber hinaus seinen Laden im Griff hat, soweit man das von außen beurteilen kann.

Am Ende lagen mit Gerald Braunberger, Wirtschafts-Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Claus Döring von der "Börsen-Zeitung" und Georg Meck von der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" drei Kollegen vorn, die wir auch sonst gern und oft auszeichnen. Für Claus Döring dürfte die Wahl eine besondere Freude sein, wird er doch zum Ende des Jahres sein Amt als Chefredakteur der "Börsen-Zeitung" niederlegen. Allerdings steht er nicht allein ganz oben.

Die fast 200 PR-Profis bewerteten die Leistungen Braunbergers und Mecks gleich gut. Bei Georg Meck ("FAS"), seit drei Jahren in Folge der Abonnent auf den Vize-Titel bei der Wahl zum "Wirtschaftsjournalist des Jahres", ist nun erstmals der Bann gebrochen. Und für Gerald Braunberger ("FAS") dürfte die Prämierung, im Jahr nach dem er die Geschäfte seines geschassten Vorgängers Holger Steltzner übernommen hat, ebenfalls nicht ganz ungelegen kommen.

Insgesamt spiegelt das Ranking der führenden Köpfe ziemlich genau wider, welche Wirtschaftsmedien in der PR-Branche einen hohen Stellenwert einnehmen. Mit Gabriele Fischer ("Brand eins") konnte überraschend nur eine Frau in die Männerdomäne eindringen und immerhin Sven Afhüppe vom "Handelsblatt" verdrängen. Afhüppe, der einst Gabor Steingart als Chefredakteur beerbt hatte, wird als Fünfter etwas schwächer eingeschätzt als sein Blatt insgesamt, das bei den besten Wirtschaftsredaktionen knapp hinter der "FAZ" auf Platz zwei kommt.

Überraschend auch, dass "Capital"- Chefredakteur Horst von Buttlar, "Wirtschaftsjournalist des Jahres" 2019, bei den Kommunikatoren keine so große Rolle zu spielen scheint. Er landet auf Rang 15. Stark präsentieren sich "Süddeutsche"-Wirtschaftschef Marc Beise als Siebter und Newcomer Daniel Schäfer (Bloomberg) einen Platz dahinter auf Rang acht. Der renommierte Journalist und ehemalige Ressortleiter Finanzen und Büroleiter in Frankfurt des "Handelsblatts" hatte bei der US-Finanzagentur erst im August vergangenen Jahres die Leitung in Deutschland übernommen.

Überhaupt stehen die Korrespondenten der internationalen Blätter in den Agenturen und Unternehmen hoch im Kurs. Maria Sheahan und Sabine Wollrab von Reuters landen mit Rang neun noch unter den Top Ten, ein Ziel, dass ihre Kollegen Guy Chazan von der "Financial Times" als Elfter, Vendeline von Bredow ("Economist"/14.) und Bertrand Benoit ("Wall Street Journal"/16.) verpasst haben. Gut wird die dpa durch Wirtschaftschef Louis Posern (10.) repräsentiert; er wird sogar von seinem Kollegen und FinanzmarktSpezialisten Bernd Zeberl (dpa-afx) auf Platz sechs übertroffen. Was fällt noch auf ? Mit Antje Höning ("Rheinische Post"/18.) landet eine Repräsentantin einer Regionalzeitung recht weit oben. Markus Gürne (ARD/19.) und Markus Niehaves (ZDF/39.) scheinen für die PR-Branche eher unwichtig zu sein.

In den hinteren Regionen landen auch Sven Clausen und Martin Noé vom "Manager Magazin", was aber der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass das Aufdecker-Blatt Nummer eins im Wirtschaftsjournalismus den Kommunikatoren mit seinen Geschichten nur selten Freude bereitet. Ausbaufähig scheint auch Rang 28 für Beat Balzli zu sein. Der Chefredakteur der "Wirtschaftswoche" versucht, sein Wochenblatt in einem Sowohl-alsauch zwischen Aufdecker-, Ratgeber- und Anlegermagazin zu positionieren, was zumindest auf der Sprecher- und Beraterseite nicht sonderlich honoriert wird.

Gleiches ließe sich über Gabor Steingart und sein "Morning Briefing" aus Rang 33 sagen. Kaum jemand polarisiert derart extrem im deutschen Journalismus, was sich auch in der Noten der PR-Profis widerspiegelt, wo sich alles von "sehr gut" bis "ungenügend" findet.

Am Tabellenende hat sich der Axel-Springer-Konzern festgesetzt. Im Jahr nach dem Ende der "Bilanz" fällt die Bilanz des größten Zeitungshauses wenig schmeichelhaft aus. Willi Haentjes von "Bild" und "Bild am Sonntag" bildet das Schlusslicht. Auch Dietmar Deffner ("Welt TV"/44.) , Romanus Otte und Jakob Wais ("Business Insider"/36.), liegen weit hinten. Olaf Gersemann ("Welt") schafft es noch auf Platz 20. Allein Burda mit Frank Pöpsel ("Focus Money") und Jan Wolf Schäfer ("Focus") auf Rang 45 und 46 scheint dem nacheifern zu wollen.

Top 10: Wie gut sind die Chefredakteure, Wirtschaftschefs oder Korrespondenten (Noten wie in der Schule)?

1. Claus Döring, Börsen-Zeitung  1,85

1. Gerald Braunberger, Frankfurter Allgemeine Zeitung  1,85

1. Georg Meck, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung  1,85

4. Gabriele Fischer, Brand eins  2,00

5. Sven Afhüppe, Handelsblatt  2,05

6. Bernd Zeberl, dpa-afx  2,06

7. Marc Beise, Süddeutsche Zeitung  2,07

8. Daniel Schäfer, Bloomberg  2,08

9. Maria Sheahan, Sabine Wollrab, Reuters  2,16

10. Louis Posern, dpa  2,22

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