Wie Philipp Schindera die Kommunikation der Deutschen Telekom von einer Bierbank aus steuert

09.07.2020
 

Philipp Schindera beschreibt im Interview mit dem PR Report, wie er die 120 Frau-und-Mann-starke Kommunikationsabteilung eines Dax-Konzerns aus dem Gästezimmer managt und wie er auf seine Mitarbeiter aufpasst.

PR Report: Was war Ihre größte Herausforderung bei der Corona-Kommunikation?

Philipp Schindera: Es gab keine Bruchstelle, wenn Sie das meinen. Es hat sich ausgezahlt, dass wir uns in den vergangenen Jahren und damit lange vor Corona sehr intensiv mit digitaler Kommunikation beschäftigt haben und eine solide Basis von Kanälen und Formaten hatten, die schon eingeübt waren. Wir streamen schon seit Langem unsere Townhall-Meetings und alle Pressekonferenzen. Unser Twitter-Diskussionsformat "Digi Chat" haben wir in den vergangenen Wochen häufiger gemacht. Das ist sehr beliebt und hat es in die Trending Topics geschafft. Es gibt großes Interesse an unseren Videos, extern und intern. Vielleicht auch deshalb, weil wir besonders am Anfang die Mitarbeiter in den Mittelpunkt gestellt haben, die dafür sorgen, dass auch in Zeiten von Corona die Netze stabil laufen und der Service stimmt. Zweiter Schwerpunkt: unser Chef Tim Höttges und unsere Personalvorständin Birgit Bohle. Mit ihren Videos haben sie den Menschen Orientierung in der Krise gegeben, sich aber auch von der menschlichen Seite gezeigt: mit Bildern aus dem Homeoffice oder beim Sport. Das kam super an. Wir haben dabei das Rad nicht neu erfunden, aber bei Inhalten und Aufbereitung offenkundig einen guten Riecher.

PR Report: Wo haben Sie Ihre Homeoffice Content Factory aufgeschlagen?

Schindera: In Sachen Homeoffice war ich ein paar Tage später dran als meine Frau, was dazu führte, dass der Raum, den wir üblicherweise als Büro nutzen, schon von ihr belegt war. Deshalb habe ich meinen Kommandostand auf einer Bierbank in unserem fünf Quadratmeter kleinen Gästezimmer errichtet. Sonst wird darin meist gebügelt. Ich will mich aber nicht beklagen. Die vielen Kolleginnen und Kollegen, die mit Home-Schooling und Home-Kindergardening eine enorme Doppel- und Mehrfachbelastung stemmen, die am Küchentisch sitzen oder sonst wo, haben viel schwierigere Bedingungen als ich. Ihnen gebührt
mein allergrößter Respekt.

PR Report: Wie managen Sie die 120 Frau-und-Mann-starke Kommunikationsabteilung eines Dax-Konzerns aus dem Gästezimmer?

Schindera: Das funktioniert sehr gut. Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren in einem agilen Set-up, was sehr stark auf Eigenverantwortung setzt. Die Telekom hat eine sehr großzügige Homeoffice-Regelung, die auch in der Vergangenheit von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern regelmäßig genutzt wurde. Das war also nicht ungewöhnlich. Die Zusammenarbeit aus der Ferne war schon bekannt. Wir nutzen dafür Webex. Als wir ins Homeoffice wechselten, sind wir dazu über gegangen, eine Webex-Session den ganzen Tag offen laufen zu lassen, unser virtueller Newsroom- Balken. Wer ein Thema hat, entstummt sich und ruft rein. Corona hat gezeigt, dass wir mit dieser Aufstellung auch eine extrem hohe Arbeitslast über eine lange Dauer und aus der Ferne stemmen können.

PR Report: Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab und an Homeoffice machen, ist das aber etwas anderes, als wenn alle über Wochen zu Hause arbeiten.

Schindera: Klar. Aber die Abläufe sind gleich und allen bekannt. Das ist nicht das Problem, sondern die Arbeit im Homeoffice unter Corona-Bedingungen. Die Belastung der Working Moms und Dads habe ich schon genannt. Hinzu kommt: Jeder weiß, dass sie zu Hause sind und eigentlich jederzeit verfügbar sind, weil keiner mehr reist und keiner mehr Auswärtstermine hat. Das führt zu mehr Arbeit und einer ganz anderen Taktung.

PR Report: Wie passen Sie auf Ihre Mitarbeiter auf?

Schindera: Indem wir immer wieder sagen: Nehmt Euch Auszeiten, tragt Euch Pausen fest ein und geht dann auch in die Pause! Ich mache das genauso. Wir müssen noch stärker als sonst auf Work-Life-Balance achten.

PR Report: Haben sich die Journalisten zuletzt auch für andere Themen als Corona interessiert?

Schindera: Eher nicht. Das war teils absurd, vor allem anfangs. Bei jeder neuen Nachrichtenlage haben wir sehr viele quasi identische Anfragen mit hohem Detailgrad bekommen, die oft nur indirekt mit uns zu tun hatten. Es ging los mit: Hat die Telekom schon Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt? Ja, 30 in China. Überschrift am nächsten Tag: "Telekom schickt Mitarbeiter ins Homeoffice ..." Anderes Beispiel: Behördliche Einschränkungen für Kantinen. Fast schon reflexhaft die Anfragen an uns: Wie regelt die Telekom das?
Haben Sie die Öffnungszeiten verlängert? Wenn ja, wie lange? Gibt es spezielle Hygiene-Vorschriften?
Wenn ja, welche? Mich hat gewundert, dass nicht noch nach der Speisefolge gefragt wurde. Solche Anfragen haben am Anfang echt überhand genommen. Wir waren irgendwann kurz davor, nur noch Fragen zu beantworten, die einen direkten Telekom-Bezug haben, weil wir Gefahr liefen, die vielen Anfragen nicht bewältigen zu können, obwohl wir das Krisenteam verstärkt und einen zentralen Q&A-Katalog erarbeitet
haben.

...

Warum Philipp Schindera Vielfalt in Krisen-Teams so wichtig ist, was im direkten Dialog mit kritischen Kunden auf Twitter lernt, wie die Zukunft der Content Factory aussieht und warum der ganz große Wandel erst noch kommt, lesen Sie im kompletten Interview im PR Report.

Tipp: Der aktuelle PR Report beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie das Virus die PR verändert. Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug. Lesen Sie im Magazin:

Wie verändert das Virus die PR? 10 Fragen, 10 Antworten von renommierten Kommunikationsprofis.
 
"Niemand kann sich wegducken": Top-Berater Alexander Geiser sagt, warum die Anforderungen an Kommunikationschefs durch die Corona-Krise steigen und was sie tun müssen, um mehr Budget zu bekommen.
 
So digitalisieren Sie Ihre Events: Durch Corona fallen viele Präsenzveranstaltungen aus. Diese einfach in den virtuellen Raum zu verlegen, wäre falsch. Stattdessen müssen Sie komplett anders planen.
 
"Der Fehler liegt im System": Der Preis-Berater Markus Hartmann über das problematische Geschäftsmodell vieler Agenturen und den Weg zu höheren Honoraren, mehr Gewinn und mehr Stabilität.
 
Wie PR-Profis in der Krise den richtigen Ton treffen: In der Pandemie ist der umsichtige und geschickte Umgang mit Sprache besonders wichtig. Sieben Impulse.
 
So retten Agenturen ihr Geschäft: Neun Akquise-Tipps, um zurück in die Erfolgsspur zu finden.
 
Perfekt vor der Kamera: Viele digitale Auftritte, Meetings und Konferenzen sind auf bescheidenem Niveau. Mit diesen Tipps von Medientrainern machen Sie eine bessere Figur.
 
Die Lego-Methode
: So spielerisch und kreativ kann interne Kommunikation sein.

Bitte bestellen Sie den PR Report in unserem Shop.

Der PR Report erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Daniel Neuen.

Sie möchten exklusive Medienstorys, Jobkolumnen und aktuelle Top-Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.