Köpfe-Interview: Wie Medienhäuser jetzt Finanzhilfen für Digital-Schulungen erhalten

 

Die Corona-Krise hat Verlage, Agenturen und Werbe-Unternehmen vor harte Prüfungen gestellt - auch was die Fähigkeiten und die Flexibilität ihrer Mitarbeiter angeht. Nicole Gaiziunas, Gründerin und Geschäftsführerin des Schulungsexperten XU Group, erklärt im Köpfe-Interview, wie man digitale Bildungslücken schließt und wo man finanzielle Unterstützung für Weiterhilfen abrufen kann.

kress.de: Frau Gaiziunas, zuletzt war - erhöht durch den Druck der Corona-Ausnahmesituation - viel von einer digitalen Bildungslücke die Rede. Trifft diese auch in auf die Medienwelt zu: Wie bewerten Sie den Grad der Digitalisierung in der Marketing- und Medienbranche?

Nicole Gaiziunas: Viele denken beim Thema Marketing immer noch an klassische Werbung in Printmedien. Allerdings hat die digitale Transformation schon länger Einzug in Marketing und Werbung gehalten, Werbebudgets werden von Print zu Online geshiftet. Das ist vor allem in der aktuellen Krise besonders deutlich. Eine Umfrage der OWM (Organisation Werbungtreibende im Markenverband) zeigt, dass besonders die klassischen Medien unter Budgetkürzungen leiden. 34% aller Befragten gaben an, dass die Investition in Printmedien deutlich schwindet.

kress.de: Ein Befund, den alle Publisher spüren.

Nicole Gaiziunas: Wichtig ist also, dass sich Medien und Verlage mit der neuen Situation auseinandersetzen und ihre Angebote Richtung digital verschieben. Agenturen müssen ihre Budgets und Strategien verlagern, auch Marketeers in Unternehmen sind mit der digitalen Transformation konfrontiert. Digitale Marketingstrategien, innovative Advertising-Tools und Leads sind gefragt. Um mit der potenziellen Zielgruppe in Kontakt zu bleiben, werden digitale Kanäle, Social- Media-Plattformen und Apps immer wichtiger. Für den Umgang damit sind allerdings digitale Kompetenzen gefragt, und daran mangelt es momentan. Hier müssen die Medienbranche, Agenturen und Corporates als auch deren Beschäftigten selbst einiges an Nachholarbeit leisten, um digital zukunftsfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu sichern.

"Die Generation, die aktuell auf den Arbeitsmarkt strömt, ist digital wesentlich versierter, doch auch sie beherrscht nicht alle Tools, die man heutzutage in der Branche braucht."

kress.de: Wie schätzen Sie den Grad der Digitalisierung der jüngeren Generation ein, die ja gern als Digital Natives bezeichnet werden? Gibt es hier überhaupt noch Weiterbildungsbedarf?

Nicole Gaiziunas: Die Generation, die aktuell auf den Arbeitsmarkt strömt, ist digital wesentlich versierter, doch auch sie beherrscht nicht alle Tools, die man heutzutage in der Branche braucht. Und nicht alle Beschäftigten gehören zur Generation Z oder Y, denen Smartphone und Co. quasi in die Wiege gelegt wurden. Selbst wenn der Nachwuchs in den Startlöchern steht und digitales Wissen mitbringt, wird diese Generation nicht allein die neuen Anforderungen bewältigen können. Es ist total klar, dass branchen- und generationenübergreifend eine digitale Bildungslücke besteht, die es jetzt ganz schnell zu schließen gilt. Aus bestehenden Berufen entwickeln sich immer neue Jobprofile und Anforderungen, die digitale Kompetenzen voraussetzen. Eine Vielzahl der Beschäftigten hat digitale Defizite, die durch Weiterbildung ausgeglichen werden müssen. Dafür braucht es individuelle Lernangebote, die Menschen an ihrem ganz persönlichen Kenntnisstand abholen.

"Damit ein erfolgreicher digitaler Strukturwandel in Deutschland möglich ist und die Zukunft der Arbeit nachhaltig gesichert wird, muss verstärkt in Menschen und ihr Potenzial investiert werden."

kress.de: Wie meistern Agenturen, Verlage und Unternehmen diese digitale Transformation, die so dringend gebraucht wird?

Nicole Gaiziunas: Sie sollten sich nicht nur auf digitale Prozesse und Systeme konzentrieren, sondern darauf, wer diese Entwicklungen letztendlich realisiert. Damit ein erfolgreicher digitaler Strukturwandel in Deutschland möglich ist und die Zukunft der Arbeit nachhaltig gesichert wird, muss verstärkt in Menschen und ihr Potenzial investiert werden. Die Fähigkeiten der Mitarbeitenden und deren Anpassungsfähigkeit an sich schnell verändernde Gegebenheiten sind, meiner Meinung nach, der Schlüssel zum Erfolg. Vergessen wir nicht, dass hinter allen kreativen Ideen und Kampagnen, die Marken, Produkte und die Geschichten dahinter erlebbar und einzigartig machen, Menschen und nicht Maschinen stehen.

kress.de: Viele Arbeitgeber haben aufgrund der aktuellen Situation zuletzt ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und stecken in schweren finanziellen Schwierigkeiten. Welche Arten von finanzieller Unterstützung gibt es denn in dieser Lage für die Weiterbildung von Beschäftigten?

Nicole Gaiziunas: Mir ist natürlich durchaus bewusst, dass zurzeit finanzielle und existenzielle Fragen branchenübergreifend im Vordergrund stehen. Doch gerade jetzt entscheiden die richtigen Lösungen über das zukünftige Bestehen. Unterstützung bei der Finanzierung durch Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich digitaler Kompetenzen können sich Unternehmen und Mitarbeitende bei der Bundesregierung holen. Mit dem "Arbeit-von-morgen-Gesetz" hat der Staat auf den digitalen Strukturwandel reagiert und es im Zuge der Covid-19-Pandemie sogar erweitert. Die Bundesagentur für Arbeit trägt bis zu 100 Prozent der Fortbildungskosten. Die verbesserte Weiterbildungsförderung gilt jetzt zudem für Online-Qualifizierungen, was natürlich die Fortbildung an sich einfacher und zugänglicher macht. Kein Arbeitgeber und keine einzige Branche können mehr darauf verzichten, in die Fortbildung von Beschäftigten zu investieren, wenn auch weiterhin wettbewerbsfähige Innovationen, Produkte und Services entwickelt und angeboten werden sollen.

kress.de: Aufgrund der Vorgaben der Bundesregierung müssen Weiterbildungskurse anders aussehen als bisher. Wie könnte das aktuell konkret ablaufen?

Nicole Gaiziunas: Auch hier lässt sich schon lange ein Shift zu digitalen Lösungen feststellen, die sich bequem von zu Hause in den individuellen Alltag und natürlich auch in Kurzarbeit einbauen lassen. Auch Fortbildungen in Digital Marketing, deren Themenfelder von Paid Media, Inbound Marketing, Marketing Technology über Analytics reichen, werden online angeboten. Teilnehmende entscheiden, wann und wie lang die Weiterbildung pro Tag oder Woche ist. Diese Möglichkeit eignet sich vor allem in Zeiten von Kurzarbeit für alle, die sich für eine Fortbildung interessieren und die Zeit nutzen möchten, um den aktuellen Arbeitsplatz zu sichern oder auf einen zukünftigen Job bestens vorbereitet zu sein. Bei der Auswahl ist besonders wichtig darauf zu achten, dass die Programme in hohem Maße iterativ sind und konsequent die neusten und wichtigsten digitalen Technologien, Methoden sowie Kompetenzprofile vermitteln. Außerdem muss die Motivation der Teilnehmenden bei Online-Angeboten gehalten werden - zum Beispiel durch individuelle Betreuung, Live-Tutorials und interaktive Lernformate - für Einzelne und in der Gruppe. So wird der Online-Kurs zu einem gruppendynamischen Erlebnis, der von gemeinsamem Austausch profitiert. Diese Komponenten haben wir bei allen Kursen des XU Online Campus berücksichtigt und integriert.

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