Die aufregenden Nächte der Playboy-Verleger Myriam Karsch und Florian Boitin

 

Myriam Karsch und Florian Boitin, Ex-Führungskräfte bei Burda, bringen den Playboy jetzt in Eigenregie heraus. Im kress pro-Interview schildern sie, wie es sich anfühlt Unternehmer zu sein, warum die Entscheidung so spannend war und welche magischen Momente man als Playboy-Verleger erlebt.

kress pro: Frau Karsch, Herr Boitin, vor rund einem Jahr wurde bekannt, dass Sie sich mit Kouneli Media selbstständig machen und den "Playboy" in Eigenregie herausbringen würden. Wie viele schlaflose Nächte lagen damals hinter Ihnen?

Myriam Karsch: Florian hatte nicht lange überlegt, ob wir das machen sollten.

Florian Boitin: Offiziell natürlich schon, in Wirklichkeit allerdings keine Sekunde. Mir war sehr schnell klar, dass ich das machen will.

Karsch: Burda hat uns ja schon im Februar 2019 über die Entscheidung informiert, dass die "Playboy"-Lizenz aufgegeben wird. Bei mir hat die Entscheidung tatsächlich einige Zeit gedauert.

kress pro: Warum?

Karsch: Ich hatte schon als Werkstudentin im Konzern angefangen - damals im Vorstandsbereich bei Burda, und mich so Schritt für Schritt weiterentwickelt. Mit dem Thema Selbstständigkeit hatte ich mich daher nie ernsthaft auseinandergesetzt. Im Nachhinein fühlt sich der Schritt als die beste und richtigste Entscheidung aller Zeiten an. Aber damals hatte ich zunächst vor, meinen Angestellten-Job weiter fortzuführen und so weiter meine Karriere im Verlag voranzutreiben. Mit der Entscheidung Burdas hat es angefangen, in mir zu arbeiten. Nach einigen Tagen war ich dann aber doch so weit und mir wurde klar, dass ich Unternehmerin und keine Angestellte sein möchte. Dass ich mit vollem Risiko der Selbstständigkeit, dafür in unternehmerischer Freiheit das tun kann, wovon ich überzeugt bin.

Boitin: Mehr Zeit hätte ich ihr auch gar nicht gegeben. (lacht)

kress pro: Hat Ihnen diese Entscheidung dennoch schlaflose Nächte bereitet?

Boitin: Nein, wir haben beide keinerlei Schlafprobleme. Auch während des langen Prozesses der Firmengründung nicht, mit der wir uns letztlich seit Februar 2019 auseinandersetzten. Es waren sehr viele durchwachte Nächte dabei. Aber das hatte nichts damit zu tun, dass wir vor lauter Angst nicht hätten schlafen können, sondern damit, dass wir doch sehr viel auf dem Zettel hatten.

kress pro: Parallel zum Job als damals noch angestellte "Playboy"-Verantwortliche.

Boitin: Wir waren bis zum 30. November bei Burda angestellt. Und es entsprach unserer Grundeinstellung, dass wir auch bis zum letzten Atemzug für Burda kämpften.

kress pro: Klingt ehrenvoll. Und ein wenig heroisch.

Boitin: Man hätte ja auch nur noch an den eigenen Vorteil denken können, nachdem das Spiel hinter den Kulissen entschieden war. So aber war der Tag eben zweigeteilt - die Tagesstunden gehörten Burda und die Nacht unserer Zukunft. Ich wollte den "Playboy" unbedingt übernehmen und weiterführen - aber nur zusammen mit Myriam. Deswegen musste ich zunächst mal verhindern, dass sie sich zu viel Zeit für die Entscheidung nimmt und sich vielleicht doch noch von Burda zum Bleiben überreden lässt. Myriam hat aber sehr schnell die Chancen und die Perspektive gesehen, die wir mit der Marke haben.

kress pro: Wie lief es denn konkret hinter den Kulissen ab? War die Übernahme eine Idee, die Sie an Burda vortrugen?

Boitin: Man hatte uns mitgeteilt, dass der Verlag die Lizenz zum Jahresende 2019 auslaufen lassen würde. Damit wurde uns klar signalisiert: Der "Playboy" wird bei Burda keine Zukunft haben. Also lag es an uns, sich zu fragen: Was passiert denn danach? Es gab zwei Dimensionen: eine rationale und eine emotionale. Wir beide arbeiten schon lange gemeinsam auf dem Titel und kennen alle Seiten der Medaille. Rational war uns deshalb schnell klar: Beim "Playboy" ist sehr viel Musik drin. Und das wird auch in Zukunft so sein.

kress pro: Seit wann fühlen Sie sich denn als Verleger, mit der Chance, Ihre Sache sehr gut zu machen, aber auch einen Misserfolg auf eigene Kosten zu verursachen?

Karsch: Die unternehmerische Freiheit ist natürlich auch mit dem Risiko verbunden zu scheitern. Mir war Unabhängigkeit immer wichtiger als Sicherheit. Und Sicherheit gibt es heute auch in Konzernen nicht mehr. Richtig klick gemacht hat es bei mir, als wir anfingen, eigene Büroräume zu suchen. Da wurde konkret, dass wir jetzt auf eigenen Beinen stehen. Ernst wurde es zuvor natürlich schon bei der Erstellung unseres Business-Plans, in dem wir auch unsere Themen absteckten. Wir mussten damit ja zur Bank gehen und genau durchsprechen, wie viel Geld wir am Ende des Monats noch auf dem Konto haben würden und wann wir was bezahlen können. Entscheidende Fragen waren natürlich auch: Wie viel Personal können wir uns leisten? Wir steckten schon früher tief in den Zahlen drin. Aber dann mussten wir das von Grund auf neu aufbauen.

kress pro: Was hat Sie denn dabei beflügelt?

Karsch: Etwa die Tatsache, dass man durchaus Preise neu verhandeln und auch über die Ausschreibung von Aufträgen nachdenken kann. Das war ein wichtiger Lernprozess. Ein Tag, den ich auch nie vergessen werde, war natürlich unser Gründungsdatum, an dem wir zum Notar gingen, nachdem jeder von uns seine 12.500 Euro für die Gründung unserer Gesellschaft überwiesen hatte.

kress pro: Die klassische Minimal-Summe zur Anmeldung einer GmbH?

Boitin: Exakt! Wir saßen gemeinsam beim Notar und unterschrieben damit unsere Zukunft. Zwar nicht in Form eines Ehevertrags …

Karsch: ... aber in gewisser Weise eben doch. Boitin: Mein magischer erster Moment als Verleger war noch früher. An dem Tag nämlich, als wir die ersten Gespräche mit den Amerikanern führten und die uns signalisierten, dass sie den „Playboy“ gerne mit uns weiterführen wollten – obwohl sie natürlich überrascht waren, dass Burda sich dagegen entschieden hatte. Die Amerikaner ließen keinen Zweifel daran, dass sie mit uns beiden weiterarbeiten wollten  – und zwar nur mit uns. Die Lizenzgeber versicherten uns also, dass sie kein Interesse an einem Pitch um ihre Marke hatten. Damit war mir klar: Ja! Ab jetzt beginnt ein neues Abenteuer.

Inwiefern können Sie den "Playboy" besser machen – bei gleicher Qualität in eigener Regie kostengünstiger? Hätte Burda die Marke nicht aus der Hand geben dürfen? Warum wählten Sie das Modell, dass sich jeder heutige Mitarbeiter auf seine Stelle wieder neu bewerben musste? Die Abozahlen des "Playboys" steigen seit Jahren gegen den Branchentrend. Der Titel mit Laura Müller lief ebenfalls bestens. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Bislang vermarktet die Anzeigen ja noch Burdas BCN. Erleichtert Sie das etwas, dass Sie auf den angespannten Corona-Märkten das Risiko an die Kollegen weitergeben können, oder werden Sie die Vermarktung mittelfristig komplett allein übernehmen?

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