Schiffs-Sponsoring: Steingart unter RWE-Strom

 

Werbung lehnt Gabor Steingart vehement ab, doch den Strom für sein Redaktionsschiff Pioneer One bezieht er kostenlos von RWE. Die "Zeit" berichtet von weiteren Zuwendungen durch Unternehmen für seine Firma Media Pioneer und beklagt mangelnde Transparenz.

Werbung im Journalismus ist etwas Anrüchtiges, weil sie die Unabhängigkeit der Berichterstattung gefährdet. Das ist das selbstbewusst vorgetragene Credo von Gabor Steingart - jedenfalls seitdem er das Unternehmen Media Pioneer gegründet und sein Redaktionsschiff Pioneer One auf der Spree zu Wasser gelassen hat. Doch nun berichtet die "Zeit", dass Media Pioneer durchaus Zuwendungen von Unternehmen erhält - ohne damit transparent umzugehen: Die RWE-Tochter RWE Supply & Trading stelle den Strom für Steingarts elektrisch angetriebenes Schiff kostenfrei bereit. Media Pioneer habe auf seiner Unternehmens-Website aber erst über die Partnerschaft informiert, nachdem die "Zeit" in dieser Woche eine Anfrage dazu gestellt habe. Und als der RWE-Chef Rolf Martin Schmitz in diesem Jahr zweimal in Steingarts Morning-Briefing-Podcast interviewt wurde, habe es keinen Hinweis auf die Unterstützung durch sein Unternehmen gegeben.

Erst während ihrer Recherchen sei auf der Media-Pioneer-Website eine Rubrik "Unsere Partner" aufgetaucht, schreibt die "Zeit" weiter. Dort sind neben RWE weitere Unternehmen wie Uber und die König-Brauerei aufgelistet. Media Pioneer versichert, eine publizistische Einflussnahme von RWE und Uber sei "vertraglich ausgeschlossen". Der Energiekonzern ließ die "Zeit" wissen, dass im Rahmen der Kooperation seine namentliche Erwähnung auf dem Schiff und in den Schiffsunterlagen vereinbart worden sei, wollte sich aber zum Wert der Zuwendungen nicht äußern.

Hintergrund: Pioneer One dient Steingarts Unternehmen Media Pioneer als schwimmendes Hauptquartier und Begegnungsstätte. Dort werden auch alle Digital- und Live-Inhalte produziert. Das 40 Meter lange Schiff ist mit Newsroom, Tonstudio, 10 dauerhaft installierten Kameras sowie einem Regieraum zur Produktion von broadcastfähigen Audio- und Video-Formaten ausgestattet. Über den Arbeitsräumen befindet sich ein Freideck, auf dem Live-Journalismus und auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte und Lesungen geplant sind. Steingart und das Management halten die Mehrheit der Anteile an Media Pioneer, rund ein Drittel zudem der Medienkonzern Axel Springer.

Lesetipp! kress pro, das Magazin für Führungskräfte in Medien, hat Gabor Steingart im vergangenen Jahr interviewt: Darin sagt der Media-Pioneer-Gründer, wie er den Journalismus neu erfindet und damit Geld verdienen will. Sie können die Ausgabe in unserem Shop bestellen.

kress pro erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand.

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Ihre Kommentare
Kopf

Rudolf F. Thomas

23.07.2020
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Die Pioneer One schwimmt häufig gegen den Strom. Von daher braucht das Redaktionsschiff Energie, um sich gegen den journalistischen Mainstream zu behaupten.


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