Zeitschriftenmanager Hausendorf: "Ich werde weitere Familienunternehmer beraten"

 

Noch bis Ende Juli wirkt Jörg Hausendorf als temporärer CEO des Jahreszeiten Verlags und als Berater von dessen Eigentümer Sebastian Ganske. Im Interview mit kress pro sagt der Zeitschriftenmanager, wie er den Jalag umbaut und was er von August an vorhat.

kress pro: Ihre Aufgabe ist befristet bis Ende Juli. Warum?

Jörg Hausendorf: Ich hatte nicht vor, auf Dauer operativer Geschäftsführer des Jahreszeiten Verlags zu werden. Mich hat gereizt, nach über zehn Jahren noch einmal mit Thomas Ganske an einer klar umrissenen, besonderen Herausforderung zu arbeiten. Außerdem wollte ich Sebastian Ganske als künftigem Alleinverantwortlichen des Unternehmens ein wenig in die Steigbügel helfen.

kress pro: Inwiefern bauen Sie den Jahreszeiten Verlag gerade um?

Hausendorf: Nach einer eingehenden Analyse der Stärken, Schwächen und insbesondere Chancen war schnell klar, dass der Verlag mehr kann als die bloße Veröffentlichung von Periodika im Publikumsbereich. Wir reden hier von etablierten Marken wie "Der Feinschmecker", "A&W Architektur & Wohnen" oder "Merian", die sich viel breiter monetarisieren lassen, als das bisher der Fall war. Unsere Kompetenzfelder Kulinarik/Food, Design/Living/Luxus sowie Travel lassen sich zum Beispiel im B2B-Bereich gut vermarkten, weshalb wir da zukünftig verstärkt mit der Content- Marketing-Agentur Hoca X vernetzt tätig sein werden. Unser neu etabliertes "One Editorial Team" kann dabei redaktionsübergreifend alle Kanäle der Mediengruppe – Zeitschriften, Online-Angebote, Bücher und Kundenmedien – bedienen. Wir bündeln die Inhalte, die es im Unternehmen schon gibt, und versuchen, diese auf gemeinsame Plattformen zu stellen.

kress pro: Bei Ganske ist von einer neuen "Premiummarkenstrategie" die Rede. Trotzdem sind andere Verlage bereits ähnliche Schritte gegangen – und haben damit vor allem Kosten gespart.

Hausendorf: Mag sein. Dennoch ist das, was ich hier mache, keine Blaupause von dem, was ich bei Bauer gemacht habe, wie oft geschrieben wurde. Die Neuausrichtung ist zugeschnitten auf den Weg, den Ganske seit einiger Zeit beschreitet, nämlich die Konzentration auf Premium- und Luxusmarken. Bauer, Burda oder G+J haben eine viel größere Bandbreite an Themen. Der Jahreszeiten Verlag ist überschaubarer und dadurch näher an seinen Zielgruppen dran. Das ist eine Riesenchance, um unsere Kompetenzen nicht mehr nur in kleinen Einzelfacetten auszuspielen, sondern unsere Bedeutung für die relevanten Gatekeeper auf breiter Basis zu steigern.

kress pro: Mussten Sie deshalb bei Bauer gehen, weil Sie die intensive Ausdifferenzierung der Geschäftsfelder, die der Konzern seit einigen Jahren vorantreibt, nicht mittragen wollten?

Hausendorf: Das ist keine spezifische Herausforderung der Bauer Media Group. Für alle Publisher geht es jetzt darum, ihre Kernmärkte abzusichern und gleichzeitig neue werthaltige Umsätze jenseits von diesen zu suchen. Ich habe bei Bauer immer gesagt: Lasst das lukrative Kerngeschäft nicht links liegen und uns parallel um zukünftige Geschäftsfelder kümmern! Es lohnt sich, das Kerngeschäft zu betreiben, weil es eben auch die Basis für Zukunftsgeschäfte bilden kann.

kress pro: Was machen Sie ab August?

Hausendorf: Mein Engagement mit und für Sebastian Ganske habe ich gerade bis Ende des Jahres verlängert. Ich werde sicher künftig weitere Familienunternehmer beraten, gerne auch in anderen Branchen. Die "rechte Hand" von Unternehmenslenkern zu sein, das macht mir Spaß: Eigentümer, die etwas vorhaben mit ihren Unternehmen, ihren Marken, ihrem Geld und die dabei Unterstützung wünschen, zu begleiten, ist das, was ich gern in der nächsten Phase meiner Karriere machen würde.

Das Interview mit Jörg Hausendorf ist in Ausgabe 5/2020 von kress pro erschienen. In unserem Shop können Sie die komplette Ausgabe kaufen.

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