Nach 960 "Zwischenrufen": Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom "stern"

 

Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich ganz vom "stern". Sein Kolumnistenvertrag mit dem Magazin laufe aus, schreibt der 68-Jährige in seinem letzten "Zwischenruf aus Berlin". Was Jörges zum Abschied über "Vernichtungsversuche aus der Politik" verrät.

Hans-Ulrich Jörges war nie die Nummer eins beim "stern", aber lange Zeit so etwas wie sein Gesicht: als omnipräsenter Gast von Deutschlands Polit-Talkshows und meinungsstarker Kolumnist des Magazins. Nun ist Schluss damit: In seinem aktuellen "Zwischenruf aus Berlin" kündigt der 68-Jährige seinen Abschied an. Sein Kolumnistenvertrag sei ausgelaufen - nach 18 Jahren und etwa 960 Kolumnen, schreibt er: "Hier endet mein Leben mit dem 'stern'."

Jörges war zwischen 1985 bis 2017 - mit Zwischenstationen bei "Süddeutscher Zeitung" und "Woche"  - festangestellter Redakteur beim "stern". In den letzten zehn Jahren gehörte er der Chefredaktion des Magazins an und war überdies Chefredakteur für Sonderaufgaben des Verlags Gruner+Jahr. Als Kolumnist blieb er dem "stern" mit seinem "Zwischenruf" auch nach dem Wechsel in den Ruhestand erhalten.

Jörges präsentierte sich in seinem "Zwischenruf" stets meinungsstark, durchaus von sich und der eigenen Bedeutung eingenommen und polarisierte auch in der eigenen Redaktion. Die letzte Ausgabe seiner Kolumne nutzt er freilich für ein Dankeschön an G+J und den Gesellschafter Bertelsmann. Ein Bundeskanzler (gemeint ist offenbar Gerhard Schröder) habe zweimal versucht ihn "beruflich zu vernichten": "Beide Male spielte sich das auf einem Bertelsmann-Empfang in Berlin ab, im Abstand von einem Jahr. Ich stand jeweils 20 Meter von der Szene entfernt. Beim ersten Mal sagte jener Kanzler dem Verlagschef von Gruner + Jahr, er solle mir das Maul stopfen. Im folgenden Jahr verlangte er, mich zu feuern. Als er zur Antwort bekam: Das ist bei uns nicht üblich, erwiderte er: Dann seid ihr euer Geld nicht wert. Der Verleger kam nach den Gesprächen jeweils direkt zu mir, um zu berichten. Ein aufrechter Mann."

Mit Angela Merkel kam Jörges besser aus. Als im Intranet der SPD eine Kampagne gegen ihn gelaufen sei, habe sie ihm einmal im Vorübergehen Aufmunterndes zugeraunt, berichtet er: "Machen Sie sich keine Sorgen, Ihnen wird nichts passieren".

Timm Klotzek, heute Chefredakteur des "SZ-Magazins" und früher einmal Chef von "Neon", berichtet bei Twitter von einem eigenen einschlägigen Erlebnis mit dem Alpha-Journalisten: "Wir waren mal zusammen bei Merkel - dass Ulli Joerges sich an der Pforte des Kanzleramtes ausweisen musste fanden beide irgendwie albern: vor allem er selbst natürlich, aber auch der Pförtner."

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