Verbandschef Jörg Eggers über die Lage der Anzeigenblätter: "Die Situation ist dramatisch"

 

Bereits 100 Anzeigenblätter, die zur Wochenmitte erscheinen, mussten wegen der Corona-Pandemie aufgeben, sagt BVDA-Chef Jörg Eggers. Im Interview mit kress pro verlangt er jetzt 200 Millionen Euro jährlich vom Staat.

Die Corona-Pandemie hatte für Deutschlands Anzeigenblätter gravierende Folgen. Im Gespräch mit kress pro hat Jörg Eggers, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Anzeigenblätter (BVDA), jetzt konkrete Zahlen genannt: Von den 700 kostenlosen Wochenzeitungen, die in Deutschland zur Wochenmitte erscheinen, seien seit März rund 40 Prozent zeitweise eingestellt worden. Besonders bitter: Knapp 100 Titel (14 Prozent) davon seien dauerhaft verschwunden.

"Die Situation ist ohne Frage dramatisch", sagte Eggers. Allerdings gebe es in Deutschland immer noch eine hohe Abdeckung mit einer Auflage von knapp 80 Millionen Anzeigenblättern pro Woche. "Aber wir haben eben auch wirtschaftlich schwache Regionen, in denen mehrere Anzeigenblätter im Wettbewerb nur sehr schwer von den Erlösen leben können."

Eggers nannte auch Zahlen zur Entwicklung der Werberlöse: Nach Einbrüchen um bis zu 90 Prozent im März und April habe sich die Lage nun stabilisiert: "Ich höre im Markt, dass wir bei den Umsätzen inzwischen wieder rund 60 bis 70 Prozent des Vor-Krisen-Niveaus erreicht haben."

Der Verbands-Chef fordert vor diesem Hintergrund Hilfe vom Staat, mit dem Anfang Juli vom Bundestag beschlossenen Hilfspaket für Zeitungen und Zeitschriften in Höhe von 220 Millionen Euro ist er nicht zufrieden, weil die Summe zu gering sei und nicht mehr explizit die Zustellung von gedruckten Tageszeitungen und Anzeigenblättern gefördert werden soll: "Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen in allen Regionen in Deutschland weiterhin wie gewohnt mit Informationen versorgt werden. Und eine gewisse Zeit ist die Zustellförderung dafür ein geeignetes Instrument." Auf eine flächendeckende Versorgung zu verzichten, sei betriebswirtschaftlich an manchen Orten vielleicht günstiger, demokratietheoretisch aber ein großer Verlust, argumentiert Eggers: "Wir sind fast das einzige verbleibende Medium, das die Menschen flächendeckend erreicht." Seine konkrete Forderung an die Politik beläuft sich daher auf 200 Millionen Euro pro Jahr allein für die Anzeigenblätter.

Das Interview mit Jörg Eggers ist in der aktuellen Ausgabe 6/2020 von kress pro erschienen. Darin begründet der Verbandsfunktionär seine hohe Forderung an die Politik im Detail und gibt eine Prognose für die Anzeigenblätter ab.

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