Trotz intensivster Bemühungen: Gesellschafter senken Daumen für Münchner Rundfunk-Institut

03.08.2020
 

Es wurde gekämpft bis zum Schluss. Die Gesellschafter des Instituts für Rundfunktechnik mit Sitz in München haben sich noch einmal zusammengesetzt, um über eine mögliche Zukunft des Instituts für Rundfunktechnik zu reden. Am Ende gab es für die rund 100 Mitarbeiter keine guten Nachrichten.

"In einer weiteren Sondersitzung der IRT-Gesellschafterversammlung konnte heute kein tragfähiges Modell für eine Fortführung des Instituts für Rundfunktechnik gefunden werden", teilte das Forschungszentrum am Freitagabend mit. Trotz intensivster Bemühungen sei es nicht möglich gewesen, eine belastbare wirtschaftliche Zukunftsperspektive für das IRT zu erarbeiten. Damit bleib es bei den Ende 2019 ausgesprochenen Kündigungen aller Gesellschafter. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter soll ein Sozialplan erarbeitet werden. Rund 100 Mitarbeiter sind am IRT beschäftigt, darunter zahlreiche Ingenieure.

Noch vor einer Woche war etwas Hoffnung aufgekeimt, weil sich die Gesellschafter auf ihrer damaligen Sitzung noch nicht auf eine Entscheidung zur Zukunft des Instituts geeinigt hatten.

Hintergrund: Die 14 Gesellschafter hatten - angefangen mit dem ZDF im Dezember 2019 - ihr Gesellschafterverhältnis mit Frist Ende 2020 gekündigt. Die Gesellschafter sind in Deutschland die öffentlich-rechtlichen Sender von ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutsche Welle, sowie ORF in Österreich und SRG in der Schweiz. Das IRT wurde 1956 gegründet. Zuletzt stand die Frage im Raum, ob es vielleicht unter einem anderen Modell doch noch für das Institut weitergehen könnte.

Das als GmbH geführte Institut forscht zu Rundfunk- und Medientechnik. Es entwickelt in Kooperation mit den Gesellschaftern, Industrie und anderen Forschungseinrichtungen technische Lösungen. Zum Beispiel zählen Bereiche wie drahtlose Produktionstechnik oder der Netzstandard der 5. Generation (5G), um etwa Übertragungen zu verbessern, dazu. Das Instituts wird so finanziert: Rund 70 Prozent sind Gesellschafterzuschüsse und rund 30 Prozent Fördermittel, Auftragsforschung und Lizenzeinnahmen. Die ARD-Anstalten stemmen dem Jahresbericht zufolge 80,8 Prozent der Gesellschafterzuschüsse, das ZDF steuert 14,4 Prozent bei. 2019 lagen die Gesamtaufwendungen des Instituts bei gut 24 Millionen Euro. Die Gesamterträge bezifferten sich auf 16,6 Millionen Euro, darunter waren mehr als 11 Millionen Euro Gesellschafterzuschüsse.

Das ZDF hatte unlängst die eigene Kündigung gegenüber dpa damit erläutert: Man sei schon lange der Auffassung gewesen, dass die Einrichtung in einen größeren Forschungsverbund integriert werden sollte. "Diese Integration ist jedoch trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen. Nachdem dies deutlich wurde, hat das ZDF sich entschlossen, seine Mitgliedschaft zu kündigen." Zugleich wollte man die Bemühungen der Gesellschafter, die über eine Fortführung des Instituts in verkleinertem Rahmen nachdachten, konstruktiv unterstützen. Der Bayerische Rundfunk etwa sprach sich zuletzt erneut für eine Weiterführung aus.

Vom Bayerischen Rundfunk hieß es auf dpa-Anfrage am Freitagabend: "Wir haben auf ein anderes Ergebnis gehofft - mit Blick auf die Mitarbeitenden und mit Blick auf die große Fachexpertise des IRT. Der BR hat sich intensiv darum bemüht, das IRT zu erhalten und sich mehrfach bereit erklärt, überproportionale Lasten in Kauf zu nehmen."

Sie möchten exklusive Medienstorys, Jobkolumnen und aktuelle Top-Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.