Ist Mathias Döpfner der richtige BDZV-Chef?

 

Vor dem Hintergrund der Diskussion über die Zustellförderung gibt es Kritik an BDZV-Chef Mathias Döpfner. Aus den eigenen Reihen. Mehr dazu in Markus Wiegands kress pro-Kolumne "Aus unseren Kreisen".

Eigentlich hatte die Bundesregierung vorgesehen, den Vertrieb von Tageszeitungen und Anzeigenblättern mit 40 Millionen Euro im Jahr zu fördern. Das entsprach für den angedachten Fünf-Jahres-Zeitraum immerhin 200 Millionen Euro. Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) verbuchten das durchaus als Erfolg. Zwar sei die Förderhöhe nur "ein Tropfen auf den heißen Stein", monierte etwa BDZV-Vize Thomas Düffert im Januar im "kress pro"-Interview. Allerdings sei es "am Ende gar nicht mehr nur um die Höhe gegangen", ließ der Madsack-Manager durchblicken. Vielmehr wollten die Verbände durchsetzen, dass die Politik grundsätzlich in die Förderung des Vertriebs von Zeitungen einsteigt und damit das Instrument ähnlich wie in anderen europäischen Ländern für die Zukunft anerkennt.

Jetzt hat sich der Wind allerdings gedreht. Zwar hat die Regierung zugesagt, die Medienbranche in den kommenden fünf Jahren mit 220 Millionen Euro zu fördern, was heruntergebrochen auf ein Jahr sogar 44 Millionen Euro bedeutet. Allerdings soll die Förderung jetzt insgesamt in die Transformation der Branche fließen, nicht nur in die Förderung des Vertriebs. Das heißt: 1. Neben Zeitungen und Anzeigenblättern kommen alle Medien in den Genuss der Förderung. 2. Von klassischer Vertriebsförderung ist keine Rede mehr.

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Auf den ersten Blick ergibt es aus staatlicher Sicht durchaus Sinn, nicht nur die Zustellung von Medien zu fördern, sondern einen Anreiz in Richtung Zukunft und Digitalisierung zu setzen. Allerdings hört man aus Journalistenkreisen in Berlin noch eine andere Erklärung für den Schwenk der Politik. Vor allem der CDU/CSU ist demnach aufgestoßen, dass eine Vertriebsförderung des Bundes auch den Medienbeteiligungen der SPD im Verlagsgeschäft genutzt hätte. Allein Madsack hätte demnach geschätzt einen sechsstelligen Betrag an Vertriebsförderung jährlich erhalten. Die Gewinne aus ihren Medienbeteiligungen wandern aber direkt in die Parteikasse der SPD. Und das wollte man aus Unionssicht unbedingt verhindern.

Die Zuständigkeit der Medienförderung ist inzwischen vom SPD-geführten Arbeitsministerium unter Hubertus Heil zum CDU-geführten Wirtschaftsministerium von Peter Altmaier gewechselt. Wie genau das Geld verteilt wird, ist derzeit noch unklar. Es gibt aber in der Zeitungsbranche noch Hoffnungen, dass die Union ihre Position ändert. Schließlich haben CDU/CSU viele direkt gewählte Abgeordnete in den Flächenländern, die ihre Stammwähler vor allem über Printmedien erreichen.

Vor dem Hintergrund der Diskussion über die Zustellförderung gibt es Kritik an BDZV-Chef Mathias Döpfner aus den eigenen Reihen. Es gebe mit den zugesagten 220 Millionen Euro jetzt "ein Anreizsystem für Digitalisierung durch den Staat", schrieb ein Verleger an die "kress pro"-Redaktion. "Offensichtlich glaubt die Politik nicht an eine Zukunft der gedruckten Zeitung."

Eine Mitverantwortung dafür sehen einige im Verband auch bei ihrem Präsidenten Mathias Döpfner. Der stehe wie kaum ein anderer für die Transformation des Geschäfts, heißt es hinter vorgehaltener Hand, aber betone zu wenig die Chancen von Print. Möglicherweise sei Döpfner "der falsche Mann an der Spitze".

Der Axel-Springer-Chef ist seit vier Jahren Präsident des BDZV. Sein Wort hat Gewicht im politischen Berlin und die Mehrheit des Verbandes fühlte sich in der Vergangenheit durch den redegewandten Manager gut vertreten, der keine Scheu hatte, sich auch mit kontroversen Positionen für die Branche zu Wort zu melden.

Allerdings musste Döpfner dabei auch einen Spagat leisten. Als Verbandschef vertritt er Unternehmen, die nicht selten ganz andere Anliegen haben als Axel Springer. Die Mitglieder des BDZV sind in ihrer großen Mehrheit regionale Häuser, die bei der Transformation des Geschäfts noch am Anfang stehen. Springer dagegen macht einen Großteil des Gewinns inzwischen mit digitalen Rubrikenmärkten. Im Publishing dominiert die "Bild" das Geschehen. Regionaltitel verlegt Springer gar keine mehr. Daher kennt Döpfner die Sorgen und Nöte kleinerer Medienhäuser nicht aus eigener Anschauung, sondern bestenfalls vom Hörensagen.

Weitere Fragen, denen sich Chefredakteur Markus Wiegand in seiner aktuellen kress pro-Kolumne "Aus unseren Kreisen" widmet: Was ist bei der Nordwest-Zeitung wirklich los? Wie läuft die Vermarktung bei Score? Wie stehen die Medien-CEOs im MDax-Ranking?

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