Wie ein Sabbatical Ex-Burda-Vorstand Stefan Winners veränderte

 

Stefan Winners war bis vergangenes Jahr Vorstand der Hubert Burda Media Holding. Was er über seinen Abgang sagt, was er jetzt macht und warum er jedem empfiehlt, für ein paar Monate aus der Maschine auszusteigen. Zum kress pro-Interview.

kress pro: Was machen Sie im Moment? 

Stefan Winners: Im Prinzip genau das, was ich schon als Digitalvorstand bei Burda gemacht habe: Ich helfe als Senior Advisor bei der Venture-Capital-Gesellschaft Lakestar spannenden Unternehmen bei der Entwicklung - allerdings ohne den täglichen operativen Druck im Nacken. Manchmal berate ich nicht nur, sondern investiere auch.

kress pro: Für welche Art von Unternehmen interessieren Sie sich?

Winners: Ich halte nach Geschäftsmodellen Ausschau, die einen wirklichen Gamechanger bedeuten - wie zum Beispiel Energy Vault, ein Speichersystem für Solarenergie. Ich versuche, in Ideen zu investieren, die grundlegende Probleme lösen und von überzeugenden Gründern vorangetrieben werden. Die Bewertung spielt für mich in der frühen Phase zunächst keine Rolle.

kress pro: Warum sind unter den vielversprechenden Start-ups fast nie Geschäftsmodelle aus den Medien? Vor drei Jahren sprachen Sie selbst mal von dem "Kleinmist, den wir machen".

Winners: Viele digitale Burda-Marken haben sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt, wenn Sie sich zum Beispiel Jameda, Focus Online oder New Work (Xing) anschauen. Wir haben in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht, trotzdem ist die Dominanz der amerikanischen und chinesischen Plattformen ungebrochen, siehe die enorm gestiegenen Bewertungen von Google oder Amazon. Zum Glück hat die Politik verstanden, dass wir in Deutschland dringend relevante Digitalunternehmen bauen müssen. So wie Hellofresh oder Teamviewer, deren Entwicklungen durch Corona signifikant beschleunigt worden sind.

kress pro: Können europäische Digitalunternehmen jetzt Boden gutmachen? Immerhin haben Konzerne wie Facebook mit Vertrauensverlust und massiven Einbußen zu kämpfen.

Winners: Ich frage mich, ob die Werbestopps in der Rezession nicht ohnehin gekommen wären und ob die Firmen nicht nur versuchen, ihrem Boykott in diesen Zeiten einen besseren sozialen Anstrich zu geben. Aber ohne Frage: Der hassgetriebene Dreck, der über die sozialen Netzwerke verbreitet wird, ist manchmal unerträglich. Ob das dazu führt, dass andere Medienunternehmen deshalb höhere Werbeerträge bekommen? Ich glaube nicht - der Werbemarkt 2020 wird sehr angespannt bleiben und noch stärker Performance-orientiert werden.

kress pro: Wie würden Sie Ihren Abgang bei Burda beschreiben?

Winners: Ich hatte tolle 15 Jahre, eine erfolgreiche Zeit mit vielen Learnings. Doch nun war es an der Zeit, etwas Neues zu machen.

kress pro: Sie sind seit fast neun Jahren Geschäftsführer Ihrer Beteiligungsgesellschaft Two Wins. Daher war der Schritt wohl nicht so neu.

Winners: Doch - denn ich habe von Mitte Dezember bis Ende Februar mein erstes Sabbatical gemacht. Das war eine meiner wichtigsten Entscheidungen, die ich schon viel früher hätte treffen sollen. Als Thomas Vollmoeller, der Ex-CEO von Xing, mir damals sagte, dass er seinen Vorstandsvertrag nur verlängern würde, wenn er als erster TecDax-CEO ein Sabbatical machen könnte, habe ich laut gelacht. Aber er hatte völlig recht: Ein Sabbatical gibt einem die Chance, viele Dinge neu zu durchdenken.

kress pro: Der Laden lief auch ohne ihn?

Winners: Absolut. Seine Aufgaben wurden einfach auf die anderen Vorstände verteilt. Es ist eine Frage der Einstellung; eine Frage, wie man den viel bemühten Begriff Future of Work definiert. Wir müssen unsere Art und Weise, wie wir mit Menschen umgehen, wie wir arbeiten, überdenken. Jeder sollte alle paar Jahre für einige Monate aus der Maschine aussteigen können. Das macht den Kopf zu hundert Prozent frei und gibt neue Kraft. Vor allem jetzt, wo ich wieder Tag und Nacht arbeite.

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Das Interview mit Ex-Burda-Vorstand Stefan Winners ist in der kress pro-Ausgabe 6/2020 erschienen. Im Titelinterview sagt Zeit-Online-Chef Jochen Wegner: "Corona hat kein Strohfeuer entfacht". In einer weiteren Top-Story geht es darun, wie der Spiegel sein Digitalangebot radikal umgebaut hat. Sie können kress pro in unserem Shop kaufen.

 

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