Ex-CEO Moritz von Laffert: Auszeit in der Schule für Waldbauern

 

Moritz von Laffert war bis vergangenes Jahr Geschäftsführer von Condé Nast Deutschland sowie Vice President Condé Nast International. Was er über seinen Abgang sagt, was er jetzt macht und was er in seiner Auszeit lernte. Zum kress pro-Interview.

kress pro: Moritz von Laffert, was machen Sie im Moment?

Moritz von Laffert: Ich bin Partner bei der M&A-Beratung Proventis Partners in München. Vereinfacht gesagt unterstützen wir Mandanten beim Kauf oder Verkauf von Unternehmen. Ich kümmere mich dabei insbesondere um die Medien-, aber auch die Konsumgüter- und Luxusindustrie sowie Agenturen.

kress pro: Wie kam es dazu?

Laffert: Solche Transaktionen begleiteten mich bereits bei Axel Springer und später bei Condé Nast, wo ich zuletzt nebenbei auch Director Acquisitions & Investments für alle Länder weltweit außerhalb der USA war. Ich engagiere mich auch privat bei Start-ups. Insofern war das immer schon meine zweite Leidenschaft und zudem ein sinnvolles Tool, um anorganisch zu wachsen und ein Kerngeschäft abzurunden mit neuen Geschäftsmodellen - was in unserer Branche ja extrem wichtig ist.

kress pro: Welche Deals haben Sie zuletzt eingefädelt?

Laffert: Das ging sofort sehr dynamisch los, aber solche Prozesse laufen meist mehrere Monate. Aktuell wurde wegen Corona einiges verschoben, so dass wir für Kunden eher vorbereitend Wert- und Käufermarkt-Analysen machen. Bei Proventis ist unser Fokus der Mittelstand. Häufig geht es um Zukäufe von digitalen Geschäftsmodellen, etwa bei unserer jahrelangen Arbeit für ProSiebenSat.1, aber auch um Nachfolgeregelungen. Zwei Drittel sind Verkaufsmandate. Hier suchen wir geeignete Übernahmekandidaten. Entscheidend ist totale Diskretion: Wir auktionieren nicht, sondern nutzen unsere tiefe Marktkenntnis und unser Netzwerk, um die passenden Partner zu finden.

kress pro: Wie fühlt es sich an, einmal nicht ans Geld denken zu müssen? Bei Condé Nast mussten Sie ja vor allem sparen und sanieren.

Laffert: Ganz so war es nicht, das haben immer nur zwei Journalisten beharrlich geschrieben. Wahr ist: Als ich vor zehn Jahren dort anfing, gehörte es nicht zum Selbstverständnis, überhaupt auf irgendwelche Kosten zu achten. Obwohl das Unternehmen bis dato nicht profitabel genug war. Folglich war es fast schon Pflicht, die Stellschrauben zu nutzen und Dinge besser zu organisieren, ohne dass deshalb gleich die Qualität gelitten hätte.

kress pro: Am Schluss wurden die Stellschrauben immer größer: Sie haben die Frauenzeitschrift "Myself" verkauft, die deutsche Ausgabe von "Wired" eingestellt und die Vermarktung zentralisiert. Offenbar hat das nicht gereicht. Auf nationaler Ebene seien bei Condé Nast nun "andere Manager-Aufgaben gefordert", begründeten Sie Ihren Wechsel.

Laffert: Ich hielt vor allem den Zeitpunkt für einen Wechsel für richtig, denn mit Anfang 50 macht man so einen Schritt vielleicht zum letzten Mal. Natürlich hatte auch die neue Governance-Struktur von Condé Nast Einfluss auf meine Entscheidung. Die neue Struktur ist vollkommen in Ordnung, kommt zur richtigen Zeit - aber wenn man 20 Jahre lang als Geschäftsführer extrem unabhängig arbeiten konnte, tut man sich mit so einer Entwicklung schon eher schwer. Andererseits ist es doch auch völlig normal, wenn man nach zehn Jahren woanders hingeht.

kress pro: Was haben Sie eigentlich in dem Jahr zwischen Condé Nast und Ihrem neuen Job gemacht?

Laffert: Ich habe mich gemeinsam mit Proventis um den privaten Erwerb eines Unternehmens gekümmert, quasi eine vorbereitende Zusammenarbeit, bevor ich dort fest eingestiegen bin. Ich habe eine längere Asienreise unternommen. Und ich habe mich in der Bayerischen Waldbauernschule fortgebildet, um meinen eigenen Forstbetrieb noch besser bewirtschaften zu können. Ein riesengroßer Spaß, für den ich endlich mal Zeit hatte.

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Das Interview mit Ex-Condé-Nast-Chef Moritz von Laffert ist in der kress pro-Ausgabe 3/2020 erschienen. Sie können kress pro in unserem Shop kaufen.

 

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