Philipp Weltes gute Nachricht für die Print-Branche

07.09.2020
 

"Jede Minute verkaufen wir 465 Zeitschriften": Der Vorstand Medienmarken National von Burda, Philipp Welte, nennt im FAS-Interview erfreuliche Zahlen für die Print-Branche. Zum Beispiel, dass der Zeitschriftenverkauf in Deutschland in diesem Jahr steigen wird. Weltes Prognose für den Werbemarkt und was das stabilste Zeitschriftensegment derzeit ist.

Bei den vielen schlimmen Dingen, die passiert seien seit Beginn der Corona-Pandemie, ist eines für Philipp Welte entscheidend: "Die Menschen in Deutschland vertrauen dem Journalismus der Verlage. Unsere Reichweiten sind gestiegen, online wie bei den gedruckten Produkten. Die Auflagen sind stabil, teilweise steigend. Unsere Branche wird dieses Jahr an die 1,5 Milliarden Zeitschriften verkaufen. Das ist mehr als voriges Jahr, in dem es 1,3 Milliarden Exemplare waren", sagt der Burda-Vorstand im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Zugleich seien die Anzeigenerlöse in der Corona-Krise in den Keller gegangen: "Im Mai und Juni lagen wir 40 Prozent unter dem Vorjahr. Die Branche rechnet übers Jahr mit 20 Prozent weniger Anzeigen. Das ist hart, speziell für jene Verlage, die wirtschaftlich überwiegend an Werbeerlösen hängen", so Burda-Vorstand Welte im Gespräch mit Georg Meck von der FAS. 

Bei Burda kommen nur noch etwa 20% der Umsätze des Verlages aus dem Werbemarkt. Die Einnahmen aus dem reinen Anzeigengeschäft hätten sich in den vergangenen zehn Jahren halbiert.

Was jetzt wegbricht, ist für Welte allerdings nicht für immer verloren. Der Medienmanager ist zuversichtlich, dass der Werbemarkt sich nicht dauerhaft vom Vertriebsmarkt abkoppeln wird: "Wenn Menschen in hoher Frequenz und nachhaltig Zeitschriften kaufen, dann zeigt das ihre Relevanz, und das bleibt dem Anzeigenmarkt nicht dauerhaft verborgen." Gleichzeitig bemerkten viele Unternehmen gerade jetzt, dass man sozialen Medien nur bedingt vertrauen könne, und überdenken laut Welte ihre Werbestrategie. Vor allem Facebook werde kritisch hinterfragt.

"Wir Verlage machen Produkte für Menschen und leben von der hohen Qualität unserer journalistischen Inhalte. Diese Qualität und die Resonanz darauf bei den Menschen definieren natürlich auch unsere Relevanz in der Vermarktung von Werbeflächen", betont Philipp Welte im FAS-Interview. Burda sei unter den Zeitschriftenverlagen heute im deutschen Werbemarkt deshalb gut unterwegs. "Unsere Lebensader aber ist der Vertrieb, verkürzt: die Zeitschriftenregale von Edeka und Rewe. In jeder einzelnen Minute verkaufen wir 465 Zeitschriften."

Die Zahl der Zeitschriftentitel im Markt habe sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Das Angebot habe sich deutlich individualisiert, spezialisiert hinein in die kleinsten Lebensbereiche. "Hatten wir früher fünf Kochzeitschriften auf dem deutschen Markt, sind es heute fünfzig - für Veganer, für Slow Food oder Low Carb, für Kochen, Backen, Grillen und den Thermomix", erklärt Welte in der FAS. Es seien viele kleine selbständige Verlage entstanden. "Weil wir mit dem deutschen Presse-Grosso das beste Vertriebssystem der Welt haben, eröffnet sich faktisch jedem der völlig freie Zugang zum Markt."

Als eines der erfolgreichsten Geschäfte im Print-Markt nennt Philipp Welte den Blue-Ocean-Verlag in Stuttgart, der zur Hubert-Burda-Media-Familie gehört. Dort erscheinen Titel wie Prinzessin Lillifee oder die Lego-Magazine, also Zeitschriften für Kinder unter 10 Jahren. "Gegründet 2006, ist Blue Ocean eines der erfolgreichsten Verlags-Start-ups überhaupt, vermutlich weltweit. Das Geschäft lebt davon, dass viele Eltern ihren Kindern nicht einfach nur das Smartphone in die Hand geben, sondern gerne auch etwas kluges Gedrucktes", erklärt Welte in der FAS.  

Das stabilste Segment unter den Zeitschriften seien "unterhaltende Frauenzeitschriften": "Es gibt nichts, was Menschen mehr interessiert als andere Menschen. Das Faszinierende daran ist die Dynamik der Auf- und Abstiegsprozesse in einer Gesellschaft. Darin liegt der Kern des Erfolgs von 'Bunte': Wer ist in, wer ist out?" Und daran ändern nach der Meinung von Welte auch Anwälte nichts, die aus dem Kampf gegen unliebsame Berichte ein Geschäftsmodell gemacht hätten. Auf Platz zwei bei Zeitschriften-Segmenten folgten übrigens Programm-Zeitschriften - "eine Gattung also, die seit zwei Dekaden totgesagt wird".

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