Köpfe-Interview: Warum sich Mawave-Gründer Jason Modemann für Kampagnen auf TikTok stark macht

 

Im Gespräch mit deutlich älteren Medien-Managern lässt sich der 23-jährige Mawave-Geschäftsführer und Co-Gründer Jason Modemann nicht einschüchtern. Zusammen mit Mitgründer Patrick Brüch hat er früh das Potenzial von Social-Media-Plattformen erkannt. Im kress Köpfe-Interview verrät er, was man beim digitalen Werbe-Boom richtig machen muss.

kress.de: Herr Modemann, mit 23 Jahren CEO und Mitgründer eines erfolgreichen Digitalunternehmens: Wie oft müssen Sie sich eigentlich in der Früh vor dem Spiegel zwicken?

Jason Modemann: Tatsächlich war mir schon früh klar, dass ich später etwas Eigenes starten möchte. Heute bin ich sehr glücklich über unseren Fortschritt, bin mir aber auch bewusst, dass wir an vielen Punkten und Entscheidungen auch einfach Glück hatten und zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Zum Beispiel in Bezug auf TikTok.

"Ich hatte im Studium oft das Gefühl, nicht richtig voran zu kommen, mir fehlte Gestaltungsraum."

kress.de: Für viele Mitbewerber setzt der Wunsch, tatsächlich sein eigener Chef zu sein und Entscheidungen frei zu treffen, meist erst deutlich später, oft dann sogar nie mehr richtig, ein. Wie groß war denn schon immer Ihr Freiheitsdrang, wie forsch das Selbstbewusstsein?

Jason Modemann: Ich hatte im Studium oft das Gefühl, nicht richtig voran zu kommen, mir fehlte Gestaltungsraum. Der Gedanke, selbst etwas aufzubauen, kam mir daher schon früh. Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Patrick Brüch haben wir dann mit kleinen Projekten angefangen und schnell gemerkt: "Wir können das, also machen wir das." Inzwischen habe ich natürlich gelernt, dass Freiheit in der Selbständigkeit auch eine gewisse Illusion ist. Wir tragen heute die Verantwortung für mehr als zehn Mitarbeiter, da wird man schnell vorsichtiger im Tatendrang. Aber genau diese Verantwortung der Geschäftsführung liebe ich und spüre in der damit verbundenen Entscheidungshoheit die größte Freiheit. Das Selbstbewusstsein kommt dann mit der Zeit und ist das Resultat von vielen richtigen Entscheidungen.

"Unsere älteste Mitarbeiterin ist aktuell 27, der jüngste im Team ist 21. Genau in diesem Spektrum bewerben sich auch die meisten."

kress.de: Mit Social-Media-Marketing haben Sie bewusst auf ein "junges" Thema gesetzt. Ab wann verläuft denn die Altersgrenze, bei der Sie möglichen neuen Mitarbeitern nicht mehr unterstellen können, dass Sie Instagram, TikTok und Pinterest aus dem Bauch heraus verstehen?

Jason Modemann: Unsere älteste Mitarbeiterin ist aktuell 27, der jüngste im Team ist 21. Genau in diesem Spektrum bewerben sich auch die meisten. Eine stringente Altersgrenze gibt es bei uns natürlich nicht. Ich beobachte aber, dass ab etwa 30 Jahren die Affinität für Social Media im Allgemeinen eine andere ist, da diese Altersgruppe in einem anderen Maße und teils mit anderen sozialen Medien aufgewachsen ist. Für unseren Job ist das Verständnis der aktuell relevanten Plattformen und ihrer spezifischen Dynamiken essenziell. Am Ende entscheidet aber natürlich die Kompetenz und nicht das Alter darüber, ob Mitarbeiter ins Team kommen.

"Professionelles Social-Media-Marketing für Unternehmen lag lange Zeit hauptsächlich bei Fullservice-Agenturen, in denen die Optimierung von Social-Media-Kampagnen oft von den SEA-Managern nebenbei erledigt wurde."

kress.de: Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee für Ihre Agentur und wie schwer war es, Sie am Markt zu etablieren?

Jason Modemann: Auf die Idee kamen wir, weil wir merkten, dass hier noch eine große Lücke im Markt besteht. Professionelles Social-Media-Marketing für Unternehmen lag lange Zeit hauptsächlich bei Fullservice-Agenturen, in denen die Optimierung von Social-Media-Kampagnen oft von den SEA-Managern nebenbei erledigt wurde. Für uns war klar, dass eine Spezialisierung auf Social-Media-Performance-Marketing mit Fokus auf die zukunftsweisenden Kanäle den Mark perfekt ergänzen würde. Mit den ersten Projekten, die wir als Freelancer umsetzten, kamen die ersten Erfolge und die Gründung von Mawave. Wir sind überzeugt, dass wir uns mit unserer Spezialisierung dauerhaft am Markt etablieren können.

kress.de: Sie haben sich auf Vermarktungstätigkeiten rund um die Facebook-Welt fokussiert. Ist diese Engführung nicht auch eine Gefahr?

Jason Modemann: Grundsätzlich halte ich Facebook und Instagram für sehr wichtige, nachhaltig etablierte Kanäle, denn sie haben nach wie vor die größten Reichweiten und Nutzerzahlen. Sie sind im Media-Mix von Werbetreibenden fest verankert. Wir konzentrieren uns aber zusätzlich auch auf Plattformen jenseits von Facebook, nämlich Pinterest und TikTok, denn auch hier ist das Vermarktungspotenzial für Marken sehr groß. Zu allen Plattformen pflegen wir enge Partnerschaften und sehr gute Geschäftsbeziehungen, sodass wir die Entwicklung aktiv mitgestalten können. Ich sehe unsere Spezialisierung daher nicht als Gefahr, sondern als großen Vorteil für unsere Kunden.

kress.de: Die Krise hat die Nutzungszahlen von Digital-Angeboten sowie Social-Media-Plattformen im Speziellen beflügelt. Zieht denn aus Ihrer Sicht auch der Werbemarkt entsprechend mit?

Jason Modemann: Definitiv! Viele Menschen hatten während der Quarantäne mehr Freizeit. Mehr Freizeit bedeutete gerade im Zuge der Corona-Pandemie oft auch mehr Bildschirmzeit, die tendenziell in den sozialen Netzwerken verbracht wird. Das wiederum geht dann mit steigendem Volumen des Werbemarkts einher. Da unsere Kunden primär Online-Retailer sind und diese durch Restriktionen im Einzelhandel eine deutliche Steigerung der Nachfrage verzeichnen konnten, spiegelte sich das auch an einem Plus in unseren Werbeausgaben wider.

"Tatsächlich kommen die Kunden aktuell auf uns zu, wir betreiben keine aktive Akquise."

kress.de: Was sind aktuell die größten Herausforderungen, um Werbekunden wieder dazu zu bringen, den Rubel rollen zu lassen?

Jason Modemann: Es klingt vielleicht etwas verrückt, aber tatsächlich kommen die Kunden aktuell auf uns zu, wir betreiben keine aktive Akquise. Das liegt sicher auch an unserer Kernbranche:  Unter E-Commerce Unternehmern herrscht aktuell wenig Skepsis, in Werbung zu investieren.

"Ich empfehle, vor allem auf jüngere Plattformen wie TikTok zu setzen."

kress.de: Lange Zeit träumten Werbungtreibende und Kreative davon, dass man virale Sensationen fast schon aus dem Nichts und für so gut wie kein Geld herbeizaubern könnte. Wie sieht denn aus Ihrer Sicht die Realität aus: Was muss man tun, um tatsächlich Schulhof-, Teeküchen- und Kneipen-Gespräch zu bleiben?

Jason Modemann: Ich empfehle, vor allem auf jüngere Plattformen wie TikTok zu setzen. Anders als die etablierten Netzwerke, in denen hohe Reichweiten in der Regel mit einer großen Community oder hohen Werbebudgets verbunden sind, können auf TikTok nach wie vor sehr hohe organische Reichweiten generiert werden. Die Haupt-Feeds der Nutzer nämlich sind nicht durch ihre Abonnements, sondern durch einen algorithmisch generierten "Für Dich"-Feed gesteuert. Bei TikTok steht damit nicht der Absender, sondern der Content im Vordergrund. Werbeerfolge auf TikTok sind daher nicht in erster Linie eine Frage des Budgets und des Produktionsaufwands, sondern ergeben sich dann, wenn die Dynamik der Plattform verstanden wird. Ist eine Video-Ad gut gemacht und erscheint im "Für Dich"-Feed, kann sie schnell zum TikTok-Hit werden. So können Inhalte ganz unabhängig von einer großen Followerschaft viral gehen. Mit einem unserer Kunden beispielsweise konnten wir mithilfe eines kurzen Videos, welches mit dem Smartphone gefilmt wurde, über 10 Mio Views organisch generieren.

kress.de: Sie stellen aktuell weiter Mitarbeiter ein: Was ist Ihnen bei der Auswahl das wichtigste Kriterium?

Jason Modemann: Für uns ist es wichtig, dass unsere Mitarbeiter leidenschaftliche Social-Media-Natives sind, die viel Erfahrung mit den Plattformen haben, privat wie im besten Fall auch beruflich. Lust auf stetige Weiterentwicklung ist bei der Dynamik am Markt auch elementar. Zusätzlich ist natürlich auch der Teamzusammenhalt entscheidend – Wir arbeiten alle sehr gut und gerne zusammen und möchten, dass dieser Spirit so bleibt. Deswegen schauen wir neben dem fachlichen Knowhow vor allem auch darauf, ob Bewerber und Team zusammenpassen.

kress.de: Wenn Sie auf Ihren eigenen Werdegang zurückblicken: Wo und von wem haben Sie am meisten gelernt?

Jason Modemann: Meine persönliche Lernkurve war sicherlich am Anfang meiner Selbständigkeit am steilsten. Innerhalb von zwei Jahren habe ich mich quasi durch Learning-by-doing zum Social-Media-Experten entwickelt und jede Facette des Performance Marketings aus der Praxis heraus gelernt. Aus unternehmerischer Sicht habe ich vor allem in diesem Jahr extrem viel lernen können: Gemeinsam sind wir bisher gut durch eine ökonomische Krise gekommen, haben mit dem weiteren Wachstum neue Strukturen und Prozesse etabliert und mit jedem Tag lerne ich mehr über die Führung eines Teams – auch weil wir eine offene Feedback-Kultur im Team pflegen. Ich lerne gerade in dem Bereich vor allem durch den Austausch mit den Mitarbeitern.

"Ich liebe diesen Moment, wenn erfahrene Unternehmer, die beruflich oft wesentlich weiter sind, mir Respekt für meine bzw. unsere Leistungen entgegenbringen."

kress.de: Wie groß ist die (nach außen zurückgehaltene) Freude, wenn Sie als vergleichsweise sehr junger CEO deutlich älteren Geschäftspartnern gegenübersitzen und die zunächst überrascht reagieren?

Jason Modemann: Um ehrlich zu sein: Ich liebe diesen Moment, wenn erfahrene Unternehmer, die beruflich oft wesentlich weiter sind, mir Respekt für meine bzw. unsere Leistungen entgegenbringen. Das macht mich glücklich und bestätigt mich in meiner Arbeit. In der Regel begegnen mir die Geschäftspartner aber auch auf Augenhöhe, wahrscheinlich weil sie wissen, dass Social Media nun mal eine sehr junge Disziplin ist und ein junger Geschäftsführer nicht ganz so überraschend ist, wie man vermuten mag.

kress.de: Steile Karrieren rauben natürlich auch viel Freizeit. Wie schaffen Sie Ihren ganz persönlichen Ausgleich, wo tanken Sie die Batterien wieder auf?

Jason Modemann: Tatsächlich bin ich schon jung verheiratet. Meine Frau stärkt mir in meinem stressigen Alltag sehr den Rücken und sagt mir auch ganz klar, wann ich mich selbst mal etwas bremsen und zur Ruhe kommen sollte. Außerdem genieße ich die Zeit in der Natur und gehe alle zwei Tage ins Fitnessstudio, um ein wenig auf andere Gedanken zu kommen.

kress.de: Was bringt Sie auf die besten Ideen?

Jason Modemann: Die besten Ideen entstehen bei uns durch die Zusammenarbeit sowie den Dialog mit den Kollegen und die Inspiration durch Andere.

kress.de: Sie führen ein kressköpfe-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Jason Modemann: Netzwerken ist für mich persönlich, aber auch für unser Geschäft sehr wichtig. Viele unserer Kunden und Mitarbeiter haben wir letztendlich über unser Netzwerk gewonnen, welches wir stetig aktiv pflegen und erweitern. Für mich ist der Austausch von Expertise, Meinungen und fachlichem Know-How innerhalb der Netzwerke jeden Tag eine Bereicherung und hilft mir oft in meinem beruflichen wie privaten Alltag.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Jason Modemann: kress bedeutet für mich vor allem, up-to-date zu sein und einen fundierten Überblick über die Branchengeschehnisse und -persönlichkeiten zu behalten. Es inspiriert mich zu lesen, woran Unternehmen arbeiten, worüber diskutiert wird und ganz generell, welche Themen uns in der Medien- und Kommunikationswelt gerade bewegen. In der frühen Corona-Phase beispielsweise war es für mich extrem spannend zu erfahren, wie andere Marken mit der Krise umgehen und welche kreativen Lösungen hier in kürzester Zeit entstanden sind.

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