"Wir haben Fehler gemacht bei Axel Springer": Döpfner äußert sich zu Solingen-Berichten

15.09.2020
 

Der wiedergewählte BDZV-Präsident Mathias Döpfner ist auf dem BDZV-Kongress auch auf die Bild-Berichterstattung zu den getöteten Kindern in Solingen eingegangen. In seiner Rolle als Chef des Medienkonzerns sagte Döpfner: "Wir haben Fehler gemacht bei Axel Springer."

"Bild hat WhatsApp-Nachrichten eines Kindes, das überlebt hat, in einem Artikel eins zu eins veröffentlicht. Wir haben den Schutz von Minderjährigen in diesem Fall eindeutig missachtet", so Döpfner in seiner Rede beim BDZV-Kongress 2020, die auf YouTube veröffentlicht wurde.

Andere Medien hätten zu Recht diese Grenzüberschreitung kritisiert, betonte Döpfner weiter. "Manche, obwohl sie selbst auch ausführlich aus den privaten Nachrichten des Jungen zitiert hatten. 'Bild' zog den Artikel schnell zurück. Und auch andere Medien haben ihre Berichte angepasst." Der Springer-Chef führte weiter aus, dass man intern viel und sehr kritisch über diesen Vorgang diskutiert habe.

"Wir wollen und wir müssen das in Zukunft besser machen. Vielleicht kann ja dieser Fall Anlass sein für eine breite Debatte über Standards und Werte im Spannungsfeld zwischen der Freiheit der Presse auf der einen Seite und dem berechtigten Schutz von Persönlichkeitsrechten."

Vergangene Woche hatte Bild-Chefredakteur Julian Reichelt die Bild-Berichte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk verteidigt (kress.de berichtete): Reichelt verwies auf die sogenannte "Nachrichtenlage" und auch auf das öffentliche Interesse an dem Fall. Zudem orientiere sich die Berichterstattung der Bild-Zeitung daran, wie die Ermittlungsbehörden in so einem Fall verfahren, so Reichelt weiter. Auch die Polizei habe auf ihrer Pressekonferenz Chats des überlebenden Jungen thematisiert und daraus zitiert. Nicht nur "Bild", sondern auch die Ermittlungsbehörden seien also zu der Einschätzung gelangt, dass diese Nachrichten, die "im Verlauf dieser Katastrophe geschrieben wurden, von überragendem Interesse sind".

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