Play the ball or play the man? Drosten erneuert Kritik an manchen Medien

23.09.2020
 

Der Virologe Christian Drosten hat sich in einem Interview mit dem Tagesspiegel über seine Rolle in den Medien geäußert. Er geht auch noch mal auf die viel kritisierten Berichte der Bild-Zeitung ein.

Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité ist derzeit wieder im Coronavirus-Update-Podcast von NDR Info zu hören.

Im Interview mit dem Tagesspiegel geht Drosten auf seine Rolle in den Medien ein: "Manche scheinen sich gefragt zu haben: 'Play the ball or play the man?' - Wollen wir uns mit den Inhalten beschäftigen oder auf die Person losgehen? Irgendwann ist offenbar ein Schalter umgelegt worden, dass man auf meine Person losgegangen ist. Seitdem nehmen viele meinen Namen in den Mund als pars pro toto einer Wahrheit, die sie nicht hören wollen", sagt der Wissenschaftler im Gespräch mit Sascha Karberg und Deike Diening vom Tagesspiegel. Die Pandemie sei aber ein biologisches Phänomen, das man nicht wegdiskutieren könne. Und es nütze ja auch nichts: "Nach allem was ich lese, können 80 oder 90 Prozent der Bevölkerung die Maßnahmen nachvollziehen und sind damit einverstanden. So eine hohe Unterstützung erreicht man nur, wenn sich die überwältigende Mehrheit mit den Inhalten befasst und sie auch verstanden hat", so Christian Drosten.

Der Virologe spricht auch noch mal über die Berichte der Bild-Zeitung, in denen seine Studie wegen der Kritik einiger Experten an der statistischen Auswertung als "grob falsch" bezeichnet wurde: "Kritischer Diskussion meiner Forschungsergebnisse stelle ich mich immer. Der Diskurs ist durch Schlagzeilen angestoßen worden, hat sich dann aber fortgesetzt, weil Fachfremde aufgesprungen sind. Dadurch haben wir Zeit verloren. Ich habe immer gesagt, dass die Schulen offenbleiben sollten, aber man muss doch darüber reden, wie das erreicht werden kann, wie Arbeitsschutz für Lehrer und Fürsorgepflicht für die Schüler trotzdem gewährleistet werden [...]. Mai, Juni, Juli, August –  vier Monate hätte man Zeit gehabt, wenn nicht gleich zu Anfang die entscheidende Information verzerrt worden wäre durch einen Angriff auf meine Person und die wissenschaftliche Arbeit meiner Arbeitsgruppe", betont Drosten im Tagesspiegel-Interview.

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