Mathias Döpfner: Axel Springer ist mein Leben

24.09.2020
 

Friede Springer gibt den Großteil ihrer Macht bei Axel Springer an Mathias Döpfner ab. Im Interview mit dpa erklärt der Vorstandsvorsitzende, warum er sich auch finanziell derart engagiert, was der Anteilseigner KKR von der Entscheidung hält und warum die neue Regelung eine gute Nachricht für die Mitarbeiter ist.

Friede Springer (78) übergibt die Macht an Vorstandschef Mathias Döpfner. Die Großaktionärin verkauft ihm einen Teil ihrer Aktien. Von 276 Millionen Euro für den Erwerb der 4,1 Prozent Aktien ist die Rede. Den größeren Teil ihrer Anteile schenkt Friede Springer Mathias Döpfner - ein Milliardengeschenk. Zudem überlässt sie ihm Stimmrechte (kress.de berichtete).

Auf die Frage von dpa-Chefredakteur Sven Gösmann, wie lange sie noch im Aufsichtsrat bleibe, sagt Friede Springer: "Ich hänge am Haus. Und ich habe nicht vor, mich zurückzuziehen und alles loszulassen. Ich bin dem lieben Gott dankbar für jeden Tag, den ich dem Verlag und meiner Stiftung widmen darf. Ich bleibe im Aufsichtsrat und im Aktionärsausschuss. Ich möchte nur sicher sein, dass, wenn mir etwas passiert, ich bei Mathias unser Verlagshaus in den richtigen Händen weiß."

Mathias Döpfner ist als Chief Executive Officer der Axel Springer SE ohnehin der einflussreichste Manager im Haus. Doch das reicht ihm nicht. Axel Springer sei sein Leben, sagt der 57-Jährige gegenüber dpa. Er habe immer den unruhigen Schlaf des Unternehmers gewollt und nie nur Manager sein. Aus diesem Grund habe er schon 2006 ein Aktienpaket von 2 Prozent gekauft und sich dafür hoch verschuldet. "Jetzt ist es mein Wunsch, noch mehr zu investieren. Denn ich glaube an das Potential von Axel Springer. Das Beste liegt noch vor uns. Es ist eine glückliche Fügung, dass sich Friede Springers Wunsch, ihre Nachfolge zu regeln und mein Wunsch, mich noch intensiver unternehmerisch zu binden, so perfekt ergänzen." Er bekräftigt, dass er weiter Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und auch BDZV-Präsident bleibt.

Seit einem Jahr gehören 47,6 Prozent der Aktien des Springer-Konzerns der US-Beteiligungsgesellschaft KKR. Selbstverständlich sei KKR von der Entscheidung von Friede Springer informafiert gewesen und begrüße diesen Schritt, betont Döpfner im Interview. "Private-Equity-Investoren begrüßen es grundsätzlich, wenn Manager auch Eigentümer sind."

Döpfner sagt der dpa über die Zukunft des Konzerns: "Wir bleiben bei unserem Kurs. Denn wir glauben fest an die Zukunft von digitalen journalistischen Angeboten und Rubriken. Dabei liegt der Fokus in den nächsten Jahren nicht auf kurzfristiger Gewinnoptimierung, sondern auf längerfristiger Wachstumsbeschleunigung." Er glaube, dass die neue Regelung eine gute Nachricht sei, nicht nur für Friede Springer und ihn, sondern für das Unternehmen und seine Mitarbeiter, denn Axel Springer habe jetzt langfristig Klarheit und Verlässlichkeit hinsichtlich der Unternehmensführung.

Michael Hanfeld kommentiert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Wir haben es also mit einem quasi-dynastischen Übergang zu tun, den die Deutsche Presse-Agentur in Bild-Manier in Worte fasst: 'Springer ist jetzt Döpfner'. Dabei geht es um eine Thronfolge, die freilich nichts mit Abstammung, sondern mit Leistung zu tun hat." Friede Springer habe sich all die Jahre aus nächster Nähe angesehen, wie Mathias Döpfner agiere. Wie er den Springer-Verlag in eine multimediales Unternehmen umgewandelt und dabei für die Belegschaft mitunter harte Schritte unternommen habe. Döpfner agiert laut Hanfeld mit einem ähnlichen Impetus, gern auch Pathos, wie es Axel Springer zu eigen war. "Dass Friede Springer als Hüterin des Vermächtnisses ihres verstorbenen Mannes in Mathias Döpfner den idealen Nachfolger gefunden zu haben glaubt, verwundert nicht. Dabei geht es um weit mehr als eine Milliarde."

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