Wie Gerhard Schröder jetzt gegen die Bild-Zeitung vorgeht - und was Axel Springer dazu sagt

08.10.2020
 

Gerhard Schröder hat am Mittwoch via LinkedIn juristische Schritte gegen Axel Springer angekündigt. Stein des Anstoßes ist ein Bild-Interview mit dem russischen Regierungskritiker Alexej Nawalny. Inzwischen ist Schröders Abmahnung eingegangen, bestätigt der Verlag.

Gerhard Schröder schreibt auf seiner LinkedIn-Seite: Der Giftanschlag auf Alexej Nawalny müsse seitens der russischen Behörden transparent aufgeklärt werden. Dies habe er auch in seinem jüngsten Podcast deutlich gemacht. Schröder hat "Verständnis für die schwierige persönliche Situation", in der sich Nawalny befinde. Nawalnys Interview-Aussagen in der Bild-Zeitung und bei bild.de über angebliche "verdeckte Zahlungen" seien jedoch falsch, stellt Schröder klar.

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny hatte dem Altkanzler im Bild-Interview (Aufmacher am Mittwoch) die Annahme verdeckter Zahlungen von Russlands Präsident Wladimir Putin vorgeworfen. Weiter bezeichnete Nawalny Schröder im Bild-Interview als "Laufbursche Putins, der Mörder beschützt".

Schröder weist in seiner Stellungnahme auf LinkedIn daraufhin, dass Nawalny selbst sage, "dass er für seine Unterstellungen keine Belege habe". Gleichwohl hätten Bild-Zeitung und bild.de diese Aussagen verbreitet, ohne ihn um eine Stellungnahme zu bitten, so Schröder weiter.

Er sieht sich "daher gezwungen, gegen den Verlag, der meine Persönlichkeitsrechte auf das Schwerste verletzt hat, juristisch vorzugehen. Entsprechendes wird geschehen gegenüber anderen Medien, falls diese die falschen Behauptungen, die Bild-Zeitung und bild.de verbreitet haben, übernehmen und weiter verbreiten", droht Schröder am Mittwoch, 7. Oktober, auf LinkedIn.

Auf kress.de-Anfrage erklärt ein Sprecher von Axel Springer, dass dem Medienunternehmen eine anwaltliche Abmahnung seitens Herrn Schröder vorliege. Diese werde derzeit geprüft. Grundsätzlich handele es sich bei der Aussage von Herrn Nawalny im Interview mit Bild um eine Meinungsäußerung, so der Springer-Sprecher. Es sei keine Tatsachenbehauptung, sondern eine Ansicht von Herrn Nawalny, die er selbst als nicht belegt, sondern eindeutig als Erfahrungswert kennzeichne.

Hintergrund: Im Bild-Interview sagt Nawalny: "Das ist meine persönliche Meinung als Anwalt, der Rosneft und Gazprom mehrere Jahre lang untersucht hat. Ich habe kein Dokument, auf dem schwarz auf weiß steht: Hier, Herr Schröder, das ist ihre Aktentasche voller Geld. Aber ich habe keinen Zweifel daran, dass Schröder verdeckte Zahlungen bekommt."

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